Franz Josef Strauß 

"Kein Heiliger!" CSUler aus der Region über FJS

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Rott am Inn - Verehrt und gehasst: Kein Politiker hat in der deutschen Nachkriegsgeschichte so polarisiert wie Franz Josef Strauß. Am 6. September wäre der CSU-Politiker 100 Jahre alt geworden. 

„Ich will lieber ein kalter Krieger sein als ein warmer Bruder“, solche Sprüche waren für den CSU-Politiker Franz Josef Strauß nichts Ungewöhnliches. Am 6. September wäre der ehemalige bayerische Ministerpräsident 100 Jahre alt geworden. Zu diesem Anlass reist die gesamt CSU-Spitze zu einem Gedenkgottesdient in die Gemeinde Rott am Inn an. Etwa 150 Ehrengäste sind dazu eingeladen worden. Noch heute blicken viele CSU-Politiker mit Wohlwollen auf die "Stauß-Ära" zurück. 

Wir haben einige CSU-Politiker aus der Region zur Person Franz Josef Strauß befragt. Die Landtagsabgeordneten aus der Region Rosenheim, Otto Lederer und Klaus Stöttner, Florian Emmerich der Ortsvorsitzender von Rott am Inn, Siegfried Walch Landrat Traunstein, Florian Loserth Ortsvorsitzender Mühldorf und Daniel Artmann, Rosenheimer Ortsvorsitzender und Stadtrat, haben uns ihre Sicht auf Franz Josef Strauß verraten.  

Lederer: Strauß konnte Politik gut vermitteln

Franz Josef Strauß hat damals wie heute das Land in zwei Lager gespalten: "Strauß polarisiert noch heute wie kaum ein anderer. Aber dadurch, dass er ein Mann der klaren Worte war, der die Themen auf den Punkt gebracht hat, konnte er diese den Bürgerinnen und Bürgern gut vermitteln", meint der Landtagsabgeordnete Otto Lederer. "Er hat mit Standhaftigkeit agiert und aus Überzeugung gehandelt. Das hat ihn zu einem guten Politiker gemacht", meint Lederer.

Landrat Walch: "Der Vater des Wohlstands"

 „Franz Josef Strauß war ein herausragender Politiker des 20.Jahrhunderts, der für Bayern und Deutschland viel bewegt hat“, so Florian Emmerich CSU Ortsvorsitzender Rott am Inn.

„Er ist der Vater des Wohlstands“, findet Traunsteins Landrat Siegfried Walch, der ebenso wie der Rosenheimer Daniel Artmann viel zu jung ist, um Strauß noch als Politiker selbst erlebt zu haben. Trotzdem bewundert auch Artmann den ehemaligen Ministerpräsidenten: "Franz Josef Strauß hat immer Bayern und seine Menschen in den Mittelpunkt seiner Entscheidungen gestellt."

"Er war kein Heiliger"

Strauß ist nicht nur bekannt für seine legendären Sprüche, sondern auch für den ein oder anderen Skandal. Auch noch lange nach seinem Tod 1988 tauchen immer wieder neue Geschichten, Gerüchte und Vorwürfe rund um den Bayer auf. Erst kürzlich veröffentlichte Spiegel Online einen Artikel, wonach Strauß eine Briefkastenfirma betrieben haben soll.

"Er war kein Heiliger, doch er war eine Person seiner Zeit und so muss man das auch betrachten", nimmt Florian Loserth, Ortsvorsitzender aus Mühldorf, den Politiker in Schutz.

Ähnlich denkt Landrat Siegfried Walch darüber: "Er war ein Kind seiner Zeit. Heute wären einige Dinge nicht tragbar gewesen, doch das muss im Kontext gemessen werden." Florian Emmerich aus Rott besteht zudem darauf: "Die negativen Geschichten sind nicht bewiesen."

Die Anschuldigungen zeichnen dennoch ein Bild eines korrupten und machtbesessenen Politiker. Die Anklagen hinterlassen einen bitteren Nachgeschmack, wenn man auf das politische Erbe von Strauß blickt. Sicher ist, dass die Spiegel Affäre im Jahr 1962 den wohl größten Kratzer im Image des Bayern hinterließ. Die Affäre kostete Franz Josef Strauß seinen Posten als Verteidigungsminister. Doch Strauß wäre nicht Strauß gewesen, wenn er nicht wie ein Phoenix aus der Asche aus einer solchen Krise gestärkt auferstanden wäre.

"Er wäre ein kantiger und durchsetzungsstarker Kanzler geworden"

Landrat Walch ist sich sicher, dass Franz Josef Strauß ein guter Kanzler geworden wäre: "Strauß war ein Mann der viel Wert auf die Modernisierung, Industrie und Wirtschaft legte, dies wäre auch auf bundespolitischer Ebene gut gewesen.“  Auch der Landtagsabgeordnet Klaus Stöttner glaubt: "Er wäre mit Sicherheit ein guter, kantiger und durchsetzungsstarker Kanzler geworden."  

"Seine oft zitierte politische Devise 'Dem Volks auf Maul schauen, aber nicht nach dem Mund reden' wären sicherlich der richtige Ansatzpunkt gewesen, um als Bundeskanzler die Politik für ganz Deutschland erfolgreich zu gestalten", denkt Stadtrat Daniel Artmann. 

"Bayern zu einem Drehkreuz der Welt gemacht"

Stattdessen stellte Strauß dann als Ministerpräsident Bayerns die Weichen für die Modernisierung und die wirtschaftliche Entwicklung des Freistaats.

 "Franz Josef Strauß hat Bayern eine internationale Rolle verschafft, er hat Bayern stark positioniert", so Walch. "Strauß hat Bayern zu einem Drehkreuz der Welt gemacht. Dazu hat besonders der Flughafen München beigetragen", hebt Klaus Stöttner. Alle CSU Politiker sind sich zudem einig, dass Strauß Bayern maßgeblich von einem Agrarstaat zu einem Industrieland entwickelt hat. 

Saraida Höfer 

Quelle: rosenheim24.de

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