Zu Guttenberg im Clinch mit Naturschutzverband

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Guttenberg beteiligt sich am kommenden Samstag an einer Protestaktion, um die Errichtung von Windrädern in schützenswerten Landschaften zu verhindern.

Kulmbach - Einst hatte Enoch zu Guttenberg den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland mitbegründet. Nun liegt er aber im Clinch mit ihm- wegen der Windkraft.

Der Dirigent Enoch zu Guttenberg hat einst den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (Bund) mitbegründet - doch jetzt liegt er mit dem Verband im Clinch. Grund ist der Ausbau der Windkraft in Deutschland.

“Ich stehe zu 100 Prozent hinter der Energiewende“, stellte Guttenberg in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa klar. “Aber mit dem Ausbau der Windkraft wird jetzt die Landschaft kaputt gemacht, für deren Erhalt wir so lange gekämpft haben.“ Er betonte: “Ich bin sauer auf die Verbandsführung.“

Guttenberg gehört am kommenden Samstag (12. Mai) zu den Initiatoren einer Protestaktion in Kulmbach, um die Errichtung von Windrädern in schützenswerten Landschaften zu verhindern. Heimat- und Wandervereine aus dem Fichtelgebirge, dem Frankenwald und der Fränkischen Schweiz sind ebenfalls dabei. Guttenberg wird dort mit seiner Chorgemeinschaft Neubeuern und seinem Symphonieorchester auftreten.

Der Bund Naturschutz (BN) in Bayern wirft Guttenberg vor, “mit harten Bandagen“ gegen Windkraftanlagen im Frankenwald zu kämpfen. Der Verband sei keineswegs für den unkontrollierten Bau von Windrädern. “Auch aus Landschaftsschutzgründen geht der BN immer wieder gegen Windkraftanlagen vor, zuletzt gegen Planungen am Steinberg im Fichtelgebirge“, teilte der BN-Landesbeauftragte Richard Mergner mit. Der BN ist der bayerische Landesverband des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland.

An der Stärkung der Windenergie führe jedoch kein Weg vorbei, sagte Mergner. “Wenn wir gegen Atom- und Kohlekraftwerke oder die Vermaisung der Landschaft sind, müssen wir auch Windkraft ausbauen.“ Der Kulmbacher BN-Chef Wolfgang Schenker sagte: “Aus Naturschutzsicht sind Windräder zwar nicht an jeder Stelle sinnvoll, aber insgesamt die umweltfreundlichste Möglichkeit, bei uns Strom zu erzeugen.“

Guttenberg fürchtet, dass - oft mit Unterstützung der Umweltverbände - aus bislang weitgehend unverbrauchten Gegenden “Industrielandschaften“, mit Windrädern und großflächigen Photovoltaikanlagen werden. Es gebe zwar Kreisgruppen, die Widerstand leisteten, andere seien aber dafür, auch in Landschaftsschutzgebieten den Bau neuer Windräder zu dulden, sagte der 65 Jahre alte Vater von Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg.

Eine Lösung des Problems sieht Guttenberg darin, das Thema Energiesparen noch viel ernster zu nehmen: “Die Energiewende muss erst einmal in den Köpfen der Menschen stattfinden.“ Durch Einsparungen - etwa beim Verzicht auf Standby-Geräte - könnte der Stromverbrauch etwa um die Hälfte gesenkt werden. “Wer das weiß, kann doch nicht zulassen, dass jetzt leichtfertig Landschaft zerstört wird.“ Enoch zu Guttenberg, dessen Familie ihren Stammsitz im gleichnamigen Dorf im Landkreis Kulmbach hat, gehörte 1975 neben anderen Umweltschützern wie etwa Bernhard Grzimek und Hubert Weinzierl zu den Bund-Gründern.

dpa/lby

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