Heimische Firma liefert Teile für ISS

Aiblinger Spezialist erobert den Weltraum

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Der Aiblinger Michael Thurm und sein Beitrag zur internationalen Raumstation ISS
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Bad Aibling - "Dahin gehen, wo noch nie zuvor jemand gewesen ist". Dieses Motto könnte so auch auf Michael Thurm zutreffen, nicht nur was die internationale Raumstation ISS betrifft:

In einer kleinen Betriebshalle direkt im Zentrum von Bad Aibling sitzt die Firma von Michael Thurm. Die "Thurm GmbH" hat sich auf das Thema "Druck und Gehäuse" spezialisiert  und dabei ist in diesem Fall nicht nur das schlichte Aufbringen von Farbe auf Papier oder andere Oberflächen gemeint. Wie es dazu kommt, dass es ein Stückchen "oberbayerisches Knowhow" sogar bis in die Erdumlaufbahn geschafft hat:

Vom Kunstmaler zum Spezialisten

"Angefangen hat alles mit meinem Opa", erzählt Michael Thurm im Gespräch mit rosenheim24.de. Bekannt für seine Landschaftsbilder hat der Opa dann seine Begeisterung für die Kunst an den Sohn weitergegeben. Auch der Vater von Michael Thurm war noch ein begeisterter Maler, eine Leidenschaft, die der Geschäftsmann und heutige Chef der Firma jedoch in sein Privatleben verschoben hat. Der Kreativität ist der Aiblinger jedoch treu geblieben.

1950 gründete Dieter Thurm, der Vater von Michael Thurm, ein Grafikunternehmen in Rosenheim, seit 1962 bedruckte das Unternehmen dann Kissen im Siebdruckverfahren. "Anfangs war dieser Betrieb eigentlich nur gedacht, um meine Mutter zu beschäftigen", lacht Thurm über die Anfänge des elterlichen Betriebs. Schnell habe man dann jedoch erkannt, dass der Bedarf an sonstigen bedruckten Oberflächen enorm stieg. Im Laufe der Zeit baute dann zuerst sein Vater und dann ab 1983 Michael Thurm selbst den Betrieb immer weiter aus. Zu den Druckanlagen kamen CNC-Fräs-Maschinen, Industrie-Laser und andere Maschinen zur mechanischen Fertigung. Mittlerweile beschäftigt der Betrieb insgesamt 24 Mitarbeiter.

Spezielle Teile für spezielle Zwecke

Die ASTRIUM-Satelliten mit Bauteilen von Thurm in Bad Aibling

Wie genau Michael Thurm an die Aufträge zur Fertigung von Gehäuseteilen für die internationale Raumstation "ISS" und auch die Typenschilder der sogenannten "ASTRIUM"-Satelliten gekommen ist, weiß er nicht mehr genau: "Wir arbeiten schon länger mit vielen verschiedenen Firmen zusammen, die auch in dieser Branche tätig sind", erklärt der Geschäftsmann. Ganz sicher kann er sich jedoch noch an den Aufwand erinnern, der nötig war, um die Teile "fit für den Weltraum zu machen". Verglichen mit den Auflagen die seine Firma von beispielsweise Automobilfirmen erhält, gestalte sich der Aufwand bei Teilen die in Schwerelosigkeit oder gar direkt dem Weltraum ausgesetzt sind, um Einiges höher.

So mussten beispielsweise bei den Satelliten und auch der Raumstation nicht nur besondere, speziell für die Verwendung im Weltall zertifizierte Bleche, sondern auch eigens dafür entwickelte Eloxierungen verwendet werden, in die nach der Beschichtung mit einem Hochpräzisionslaser die Beschriftung eingebrannt wurde. Der Lack durfte dabei nur auf dem Land- und Seeweg vom einzigen Hersteller in Amerika nach Bad Aibling transportiert werden, erinnert sich Michael Thurm. "Alles was fliegt, ist, was die Normen betrifft, nicht mit dem Betrieb am Boden zu vergleichen", so der Chef der Aiblinger Firma.

Einzelfertigung, keine Massenproduktion

Mit seinen spezialisierten Maschinen, angefangen beim klassischen Siebdruck über Digitaldruck bis hin zum Laser, kann die Firma beinahe jede Oberfläche beschriften, nachdem die Teile entweder zugeliefert, in der eigenen Werkstatt selbst hergestellt und beschichtet oder lackiert wurden. Dabei können Toleranzen von zwischen einem Zehntel und einem Hundertstel Millimeter eingehalten und auch verarbeitet werden. Die Stückzahlen bleiben dabei immer sehr gering. Von Einzelanfertigungen bis zu einer Auflage von ein paar hundert Exemplaren beschichtet und bedruckt Michael Thurm alles, was ihm unter die Maschinen kommt.  

Der Auftrag für den Weltraum ist aber auf jeden Fall eine Ausnahme, das tägliche Brot verdient Michael Thurm nach wie vor auf der Erde. Er selbst sieht sich eher als "kreativer Problem-Löser". So werkelt und tüftelt der Chef gerne auch an Problemen und Produkten, die auf den ersten Blick so gar nichts mit dem "High-Tech im Weltraum" zu tun haben scheinen. Im Moment überlegt der Chef beispielsweise neben seinen regulären Aufträgen über eine ganz besondere Beschichtung für Bierbänke. Ob seine Idee schon auf dem nächsten Herbstfest Verwendung finden wird, will Michael Thurm jedoch nicht verraten.

Quelle: rosenheim24.de

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