„Ein unglaublich schönes Gefühl“

Kiefersfelden - Einen Albtraum erlebte die Kieferer Familie Willeke am 14. Dezember. Als sich die Familienmitglieder am Dienstagmorgen nach dem Frühstück von einander verabschiedeten schien noch alles in bester Ordnung.

Schließlich freute man sich auf das Weihnachtsfest. Bis am Mittag das Unfassbare geschah. Aus noch immer nicht feststehenden Gründen brach in dem Kiefersfeldener Mehrfamilienhaus ein Feuer aus, das immensen Schaden anrichtete. Zum Glück wurde niemand verletzt.

Brand eines Mehrfamilienhauses

Der materielle Schaden dagegen ist enorm. Nur wenige Tage vor Weihnachten verlor die Familie Willeke ihr Obdach, Möbel und viele persönliche und ans Herz gewachsene Werte. Wenn es auch nur ein kleiner Trost sein mag - die Weihnachtsgeschenke samt Christbaumschmuck blieben unbeschadet, da sie im Keller sicher aufbewahrt lagen.

Die Familie hatte letztendlich Glück im Unglück. Obwohl es sich bei dem betroffenen Gebäude um einen Dreispänner handelte, blieben die benachbarten Gebäudeteile am Egelseeweg von dem Brand und Löschauswirkungen weitgehend unbeeinträchtigt. Zu verdanken ist dies maßgeblich einer Nachbarin, die den Brand bemerkte und schnellstens das Feuer meldete. Obwohl der Balkon und die Dachuntersicht bereits in Flammen standen, als die Feuerwehreinheiten aus Kiefersfelden, Mühlbach und Kufstein eintrafen, konnte der Brand schnell unter Kontrolle gebracht werden. "Hut ab vor dem blitzschnellen und engagierten Feuerwehreinsatz," begeistert sich die Familie Willeke im Gespräch mit unserer Zeitung.

Auch der Kieferer Bürgermeister Erwin Rinner bemühte sich sofort um unbürokratische Soforthilfe. Nachdem er sich am Brandtag vor Ort ein Bild des Schadensausmaßes gemacht hatte, bot er der Familie gemeindliche Hilfe an. Und die gab es dann in vorbildlicher Weise.

Ein Feuerwehrmann organisierte nach Brandlöschung ohne Zögern eine nahe gelegene Ferienwohnung, die der obdachlos gewordenen Familie für die ersten Tage Unterkunft bot. Bürgermeister Erwin Rinner sorgte für den ersten Übergang für Kleidung. Bereits am Folgetag stellte er eine Ersatzwohnung für die Brandopfer in Aussicht. "Inzwischen hatten uns aber Freunde ein leer stehendes Haus in Oberaudorf angeboten, in dem wir bis zum Wiedereinzug in frühestens drei Monaten bleiben können", so die Familie.

Die Hilfe der gesamten Gemeinde fand damit aber kein Ende. Obwohl der Bauhof mit der Schneeräumung im Ort stark belastet war, wurde von ihm der Brandschutt schnellstens beseitigt. Die Gemeindewerke sorgten dafür, dass die Gasheizung wieder betriebsbereit wurde, um den Gebäudeschaden zu minimieren. Der Bürgermeister schuf in den Marmorwerkhallen Platz und ließ das gerettete Möbiliar dort zwischenlagern.

Entsprechend gerührt zeigte sich die Familie Willeke und ist sich einig: "Es ist ein unglaublich schönes Gefühl und großes Glück, in einer Gemeinde wie Kiefersfelden so gut aufgehoben zu sein."

Vorbildliche Hilfe wurde der Tochter Susanne auch in der Schule zuteil. Sie besucht die 10. Klasse im Finsterwalder-Gymnasium Rosenheim. Durch den Brand hat sie einen Großteil ihrer Schulunterlagen verloren. Was an Lernbüchern und Schulheften nicht ein Raub der Flammen wurde, machte das Löschwasser unbrauchbar. Da war es für die Schulleitung keine Frage, sofort und unbürokratisch für neue Lernunterlagen zu sorgen. Auf Initiative der Schulleitung solidarisierten sich auch die Eltern der Klassenkameraden von Susanne sowie der Elternbeirat und riefen eine spontane Spendenaktion ins Leben. "Dabei kam in kürzester Zeit ein sehr schöner Betrag zusammen," freut sich die Sprecherin der Initiative.

Wovon viele Schülerinnen und Schüler insgeheim träumen, wurde für Susanne wahr. Eine anstehende Matheprüfung wurde ihr aufgrund der tragischen Umstände erlassen und auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

Wenn die Familie Willeke heuer Weihnachten auch nicht im trauten Zuhause feiern kann, ist für einen Weihnachtsbaum - mit elektrischer Beleuchtung - gesorgt. Am Adventskranz brennen aber echte Kerzen...

roc/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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