Video: So lief der Prozess-Auftakt

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Rosenheim - Im Prozess gegen den ehemaligen Rosenheimer Polizeichef hat der heute 16-jährige Geschädigte am Nachmittag ausgesagt. **Neu: Video**

UPDATE 15.30 Uhr

Der Geschädigte hat seine Aussage gemacht.

Der Jugendliche schilderte die Vorfälle auf dem Herbstfest aus seiner Perspektive. Demnach sei er dort mit zwei Freunden unterwegs gewesen, als sich der Vorfall an der Wildwasserbahn ereignete. Da hier noch ein Verfahren gegen ihn läuft, machte er keine weiteren Angaben dazu, was sich dort genau abspielte. Er verließ den Ort mit seinen Begleitern, kam jedoch wenig später wieder, um einen Schuh zu suchen, den einer seiner Freunde dort verloren hatte.

Dort nahm ihn die Polizei fest. Der Angeklagte und ein weiterer Beamter führten ihn in Richtung Wiesn-Wache ab. Wie auch der Angeklagte zuvor, berichtete der heute 16-Jährige, dass der ehemalige Polizeichef ihn mit dem Knie getreten hat. Die Tritte seien allerdings nicht nur auf das Gesäß sondern auch in die Nieren gegangen. Er habe davon noch zwei Tage lang Schmerzen in der Nierengegend gehabt. Nach diesen Tritten habe er dem Angeklagten erstmal gesagt, dass er ihn anzeigen wird.

Schließlich kamen Geschädigter und Angeklagter auf der Wiesn-Wache an. Der 16-Jährige kann sich nicht daran erinnern, dass er dort eine Ohrfeige erhalten hat, wie es der ehemalige Polizeichef ausgesagt hatte. Er schildert den Sachverhalt insgesamt deutlich anders.

Er sei zuerst von den Beamten auf eine Bank gesetzt worden. "Danach ist der Angeklagte komplett ausgetickt", wie er weiter erzählt. Der habe ihn am Hinterkopf gepackt, ihn umgedreht und seinen Kopf mehrfach gegen die Wand geschlagen. Der Angeklagte habe erst aufgehört, als seine Mutter in den Raum kam und schrie. Anschließend habe er den Polizeichef angespuckt. Während der gesamten Zeit sei er bei "bei klarem Verstand" gewesen, wie er selbst sagte. Er hatte am Abend zwei Maß getrunken und der Alkoholtest hatte einen Wert von 1,21 Promille ergeben.

Eine persönliche Entschuldigung

Im Anschluss an die heutige Vernehmung des Jugendlichen entschuldigte sich der Angeklagte persönlich bei dem Jungen. Er sagte, dass er den Ablauf der Geschehnisse zwar anders sehe, aber trotzdem für die entstandenen Verletzungen verantwortlich sei. Er stand auf und reichte dem Geschädigten die Hand. Der Jugendliche nahm diese Entschuldigung an und beide schüttelten sich die Hände.

Auch die Mutter hat ausgesagt.

Im Anschluss sagte die Mutter des Geschädigten aus. Ihre Schilderung deckte sich mit der ihres Sohnes.

Sie habe gegen 22 Uhr mit zwei weiteren Frauen am Tatzlwurm gewartet und dort gesehen, wie ihr Sohn von zwei Polizisten abgeführt wurde. Sie bestätigte auch die Tritte mit dem Knie. In die Wiesn-Wache konnte sie den Beamten und ihrem Sohn jedoch nicht folgen, da ein Polizist die Tür zuhielt. Erst als eine Person die Wache verließ konnte sie hinein gelangen. Dort habe sie gesehen, wie der Polizeichef den Kopf ihres Sohnes mehrfach gegen die Wand geschlagen hat. "Erst als ich geschrien habe hat er aufgehört", sagte sie. "Ich habe es gesehen und sehe es immer noch."

Anschließend habe ihr Sohn aus Zorn versucht den Angeklagten zu treten, habe ihn jedoch nicht getroffen. So habe sie ihren Sohn zuvor noch nie erlebt. Eine Ohrfeige gegen ihren Sohn hat auch sie nicht gesehen.

Für den Montag wurden noch Aussagen von der Schwägerin der Mutter und einem Freund des Angeklagten erwartet.

UPDATE 12.45 Uhr:

Der ehemalige Leiter der Polizeiinspektion hat ausgesagt.

Er schilderte den Abend im September, seinen 12. Diensttag in Folge auf dem Rosenheimer Herbstfest. Gegen 18 Uhr war ein Einsatz wegen einer Rockerbande, die unbedingt auf das Herbstfest wollte, beendet. Auf dem Weg zurück zur Wiesn-Wache sei der Ex-Polizeichef dann auf Kollegen getroffen, die in einen Einsatz vor der Wildwasserbahn eingebunden waren - dort hatte es eine Schlägerei gegeben. Als der Ex-Polizeichef dort ankam, sei das spätere vermeintliche Opfer schon in Handschellen gewesen. Um die anderen Beamten zu entlasten, die noch auf der Suche nach dem flüchtigen Haupttäter der Schlägerei waren, nahmen der ehemalige Leiter der Polizeiinspektion und ein Kollege den heute 16-Jährigen mit auf die Wiesn-Wache. Der Junge habe sich immer wieder umgedreht und den damals leitenden Beamten immer wieder aggressiv angesprochen. Der Ex-Leiter der PI habe den 15-Jährigen dann mit dem Knie angeschoben; wo er ihn mit dem Knie genau berührte, wüsste er nicht mehr genau, so die Aussage. Daraufhin sah sich der Beamte in einem Hagel von Beleidigungen und Drohungen, die der Junge ausstieß. Weil sich der 15-Jährige immer wieder umgedreht hatte, habe der Beamte dann mit dem Handballen das Gesicht des Jungen wieder nach vorne gedrückt.

"Mein Nervenkostüm war ziemlich dünn"

Kurz vor der Wiesn-Wache sei dann auch die Mutter des Jungen auf der Bildfläche erschienen. In der Wache selbst habe der Beamte den Jungen aufgefordert, sich hinzusetzen, aber der Jugendliche weigerte sich. Daraufhin habe der Ex-Polizeichef den Teenager an der Schulter gepackt. Als der Junge sich aber dagegen stemmte, habe er ihm einen "Stoß gegen die rechte Schulter" gegeben. Der Geschädigte habe dadurch das Gleichgewicht verloren und sei mit dem Kopf gegen die Wand geprallt. Der Beamte richtete den Jungen daraufhin wieder auf und setzte ihn auf die Bank. Als er ihm ein Taschentuch reichen wollte, wurde er vom Jugendlichen bespuckt - daraufhin habe der ehemalige PI-Leiter dem Jungen eine Watsche gegeben.

Als die Mutter in dem Raum erschien, trat und spuckte der Junge laut Aussage des Beschuldigten weiter um sich - die Mutter soll gesagt haben, so kenne sie ihren Sohn gar nicht.

Der 51-jährige Beamte: "Ich weiß, dass ich mich in so einer Situation besser unter Kontrolle haben muss, aber an diesem Abend hat mir die entsprechende Gelassenheit gefehlt. Und dann kommt so ein Rotzlöffel daher und führt sich auf."

Speichel- und Blutspuren an der Wand

Nach der Aussage des Beschuldigten sprach ein Ermittlungsbeamter. Bei der Untersuchung des Tatorts wurden per Luminolverfahren sowohl Speichel- als auch Blutspuren an der betreffenden Wand gefunden - sie stammten allesamt vom Opfer. Für den Beamten stand fest, "dass es zu zwei Gewaltanwendungen an der Wand gekommen ist."

Danach sagten vier weitere Zeugen aus, die einheitlich beschrieben, wie der damals 15-Jährige die dem Vorfall auf der Wiesn-Wache vorangehende Schlägerei an der Wildwasserbahn angezettelt habe - wie er aggressiv war. Ein Zeuge habe sogar einen Kopfstoß des heute 16-Jährigen abbekommen.

Aber keiner der vier könne sich daran erinnern, dass der Jugendliche aus Mund oder Nase geblutet hätte.

Die Vorwürfe gegen den ehemaligen Leiter der Polizeiinspektion Rosenheim wiegen schwer: Der 51-Jährige soll einen gefesselten 15-jährigen Schüler im September 2011 auf der Wiesn-Wache krankenhausreif geschlagen haben. Laut Anklage war es zuvor zu einer Schlägerei unter Jugendlichen vor dem Fahrgeschäft "Poseidon" auf dem Rosenheimer Herbstfest gekommen. Zwei Beamte nahmen daraufhin den 15-Jährigen fest, da er an der Prügelei beteiligt gewesen sein soll. Anschließend wollten sie den Schüler mit am Rücken gefesselten Händen auf die Wiesn-Wache, die sich zur Herbstfest-Zeit im hinteren Bereich des Glückshafen befindet, bringen. Der 51-jährige Polizeichef kam dazu und meinte, er übernehme das selbst. Bereits auf dem Weg zur Wache soll er den Jungen mehrfach mit dem Knie ins Gesäß gestoßen haben. Als der 15-Jährige sich über die Behandlung beschwerte, soll der Angeklagte ihm mit der Hand auf die Wange geschlagen haben.

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Auf der Wiesn-Wache angekommen, sei es dann zu einem Streit zwischen dem Opfer und dem Polizeichef gekommen. Dabei habe der 51-Jährige den immer noch gefesselten Schüler gepackt, hochgehoben und ihn dann mit dem Kopf mehrmals gegen die Wand geschlagen. Der 15-Jährige erlitt eine Platzwunde an der Unterlippe und ein Schneidezahn brach ab. Er soll anschließend einige Beleidigungen gegen den Angeklagten geäußert haben, woraufhin ihm dieser eine weitere Ohrfeige verpasst haben soll. Der 51-Jähige wurde kurz nach dem Vorfall vom Dienst suspendiert und muss sich nun seit heute wegen des Vorwurfs der Körperverletzung vor dem Landgericht Traunstein verantworten. Der Prozess ist auf vier Tage angesetzt.

Prozessauftakt gegen Ex-PI-Leiter

Ein 29-jähriger Polizist aus Trostberg soll dabei der Hauptbelastungszeuge sein. Medienberichten zufolge brachte der Trostberger gemeinsam mit seinem Vorgesetzten das Verfahren ins Rollen: Der 29-Jährige soll den Vorfall teilweise beobachtet haben. Er hatte den damals 15-Jährigen zuvor festgenommen, da er möglicherweise in eine Schlägerei verwicket gewesen sein soll. Zwei Wochen später hatte er seinem Vorgesetzten erzählt, was nach der Festnahme passiert war, der leitete den Vorfall weiter.

ps/red

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Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © Karpf

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