Rosenheimer: "Durch EHEC fast Kind verloren"

Rosenheim - Jetzt hat auch die Region Rosenheim einen ersten EHEC-Verdachtsfall. Für einen 44-Jährigen aus Stephanskirchen werden dadurch schlimme Erinnerungen wach.

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Es ist heute vier Jahre her, seit die kleine Tochter des gebürtigen Rosenheimers aufgrund einer EHEC-Infektion zwischen Leben und Tod schwebte. Die Familie wohnt heute in Stephanskirchen, lebte damals in aber Österreich, ganz idyllisch mit Bauernhof nebenan. Das kleine Mädchen war dort oft beim Kühe streicheln und füttern. "Vermutlich hat sie sich dort auch angesteckt", sagt ihr Vater. Die Erkrankung selbst begann als heftiger Brechdurchfall. "Es wollte und wollte nicht mehr aufhören, meine damals fünfjährige Tochter wurde immer blasser und matter. Schließlich hat sie auch nichts mehr getrunken." Alarmiert fährt die Familie ins Krankenhaus. Was die Eltern noch nicht wissen: Zu diesem Zeitpunkt steht das kleine Mädchen bereits kurz vor dem Nierenversagen!

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Das Glück im Unglück der Familie war eine ganz junge Ärztin, die an diesem Wochenende Dienst hatte. Frisch von der Uni weg tippte sie sofort auf EHEC. Der Vater: "Sie hatte das wohl im Studium eben erst gelernt. Mit ihrer Diagnose hat sie meiner Tochter jedenfalls das Leben gerettet. EHEC ist unglaublich selten, viele andere Ärzte hätten auf andere Bakterien getippt und sofort Antibiotika gegeben." Bei einer EHEC-Infektion ist dies jedoch der falsche Weg. Die Antibiotika töten zwar die Bakterien, animieren sie aber auch gleichzeitig, ein Zellgift auszustoßen. Die Folgen für den Patienten sind verheerend und lebensgefährlich.

So kam die Fünfjährige sofort auf die Intensiv-Station der Universitäts-Klinik Innsbruck. Vier Wochen kämpfte das Mädchen dort gegen die gefährlichen Bakterien, seine Nieren versagten. Die Fünfjährige musste an die Dialyse. Dann ging es zum Glück aufwärts. Heute ist das Mädchen wieder kerngesund. Die lebensbedrohliche Krankheit scheint keine Spuren hinterlassen zu haben.

"Es war eine sehr schlimme Zeit für unsere Familie", erzählt ihr Vater rosenheim24. Angesichts der grassierenden EHEC-Welle rät er jedem, der Symptome bei sich feststellt, sofort zum Arzt zu gehen und diesen auf EHEC hinzuweisen: "Lassen Sie sich nicht einfach Antibiotika geben, bei EHEC wäre das fatal", sagt er.

Der aktuelle EHEC-Verdachtsfall

Das staatliche Gesundheitsamt Rosenheim hat den ersten EHEC-Verdachtsfall in der Region gemeldet. Die 28-jährige aus dem Landkreis liegt isoliert im RoMed-Klinikum Rosenheim. Ihr Fall steht in Zusammenhang mit den gehäuften Erkrankungen in Norddeutschland. Die Betroffene hat in Hamburg studiert und ihre Erkrankung mit hoher Wahrscheinlichkeit von dort mitgebracht hat. Nach Angaben des Gesundheitsamtes handelt es sich um eine Durchfallserkrankung ohne Komplikationen.

Durch eine Laboruntersuchung wurde ein Toxin, das auf EHEC hinweisen könnte, festgestellt. Die endgültige Bestätigung des Verdachtsfalles kann aber noch bis Anfang nächster Woche dauern. Weitere Erkrankungsfälle von Personen im Landkreis sind bisher nicht bekannt geworden.

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa (SYMBOLBILD)

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