Nach tödlichem Unfall am Viehhausener Bahnübergang 

Bahn verweist auf Zug-Vorfahrt und Kampagne "sicher drüber" 

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Um freie Sicht auf die Gleise zu erhalten, müssen Autofahrer mit den Vorderreifen die Bahnstrecke Viehhausen bereits passieren. 
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Edling/Viehhausen - Das tragische Unglück am Bahnübergang in Viehhausen berührt die Bürger - und macht sie zugleich wütend. Viele fragen sich: "Muss erst erneut ein Unglück passieren, damit sich endlich etwas ändert?" Die Deutsche Bahn nimmt Stellung zu der Tragödie - und weist auf das richtige Verhalten an Bahngleisen hin. 

Am frühen Samstag des 9. Juni 2018 wurde eine junge Frau aus Wasserburg mit ihrem Auto am unbeschrankten Bahnübergang in Viehhausen von einem Zug erfasst, mehrere Meter mitgeschleift und tödlich verletzt. Die genauen Hintergründe des Unfalls liegen noch im Dunklen. Die Ermittlungen laufen, ein Gutachter sei involviert, wie die Polizeiinspektion Wasserburg auf Nachfrage mitteilt. 

Neben der Trauer um den Tod der 24-Jährigen macht sich im Altlandkreis auch Wut und Unverständnis breit. Mehrere Aspekte bringen die Bürger auf die Palme - unter anderem die sehr schlechte Sicht auf die Gleise

Mit den Vorderreifen auf die Gleise um Gefahr zu erkennen 

Der Übergang ist durch einen großen Stapel Holz und Gestrüpp am Bahndamm direkt an den Gleisen besonders schlecht einsichtig. Um einen freien Blick auf die Gleisstrecke zu erlangen, müssen Autofahrer mit den Vorderreifen bereits auf die Gleise fahren. Ein gefährliches Unterfangen, denn der Bahnübergang ist unbeschrankt, lediglich ein Andreas-Kreuz und ein rotes Blinklicht warnen vor heranfahrenden Zügen. 

Das geschnittene Gestrüpp liegt schon seit dem Frühjahr 2018 an den Gleisen und versperrt die Sicht nach rechts und links. "Wieso ist man nicht in der Lage, es zu entfernen?" Diese Frage stellen sich viele Bürger. Vor allem in regionalen Facebook-Gruppen sind hitzige Diskussionen über die Tatsache der Sichteinschränkung durch das Gestrüpp entbrannt. 

Laut Aussage des Pressesprechers der Stadt Wasserburg befinde sich der Grund direkt neben den Gleisen im Besitz der Bahn. Inwiefern diese die Arbeiten an den Sträuchern und Büschen in Auftrag gegeben haben und wer dafür zuständig ist, dass das Gestrüpp entfernt wird, ist nicht bekannt. Ob die Sträucher überhaupt in den Zuständigkeitsbereich der Bahn fallen, bleibt von der Südostbayernbahn unbeantwortet

Meterhohes Gestrüpp versperrt Autofahrern die freie Sicht auf die Gleise. 

Petition mit zahlreichen Unterstützern

Die Online-Petition im Detail

Der Lehrer Hans Bubb indes möchte die Gefahrensituation in seinem Dorf Viehhausen nicht länger hinnehmen. Zwei Tage nach dem tödlichen Unfall rief er eine Petition ins Leben, die sich mitunter an die Südostbayernbahn wendet. Die Forderung: Ein beschrankter Bahnübergang in Viehhausen - auch wegen oben genannten Gründen

Das Sammelziel von 5.500 Unterzeichnern war in Windeseile erreicht. Am Donnerstag, 28. Juni, soll die Petition dem Stadtrat Wasserburg überreicht werden. 

Bahn verweist auf richtiges Verhalten an Bahnübergängen 

Die Deutsche Bahn und ihre Mitarbeiter seien, so betont ein Sprecher der Bahn, sehr betroffen über den tragischen Bahnübergangsunfall im Juni: "Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen, aber auch bei dem Lokführer-Kollegen, der trotz Warnpfiff und Schnellbremsung den Unfall nicht verhindern konnte. Denn der Bremsweg eines Schienenfahrzeugs ist immer deutlich länger als der eines Autos. Weil das so ist, hat der Gesetzgeber in Paragraph 19 der Straßenverkehrsordnung ganz eindeutig die Vorfahrt von Schienenfahrzeugen an Bahnübergängen definiert."

Der Bahnübergang sei außerdem mit einem roten Blinklicht technisch gesichert gewesen. Dieses sei vor dem Unfallzeitpunkt in Viehhausen eingeschaltet gewesen und habe laut dem Bahnsprecher auf den herannahenden Zug hingewiesen

Weiter heißt es schriftlich, erschreckend viele Autofahrer würden ein rotes Blinklicht an einem Bahnübergang nicht als das deuten, was es sei: Nämlich ein absolutes Stoppsignal

In diesem Zusammenhang weist die Bahn auf das richtige Verhalten an Bahnübergängen hin und empfiehlt die Aufklärungskampagne "sicher drüber". Mit einer speziellen Playlist auf Youtube wolle man insbesondere junge Menschen für potentielle Gefahren an Bahnanlagen sensibilisieren. Zudem sei die Zahl der Unfälle an Bahnübergängen "so niedrig wie nie"

mb

Quelle: wasserburg24.de

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