Prozess gegen Landwirt aus Babensham

Richter: "Können beurteilen, ob Zeuge glaubwürdig ist!"

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Dritter Prozesstag vor dem Landgericht Traunstein. Ein Landwirt sitzt wegen des Vorwurfs der sexuellen Nötigung und Vergewaltigung vor Gericht
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Wasserburg - Einem 37-jährigen Landwirt wird der Prozess gemacht. Er soll mehrere junge Männer sexuell genötigt und einen Mann vergewaltigt haben. Am Donnerstag war der nächste Prozesstag.

UPDATE, 16.40 Uhr:

Am Nachmittag wurde über die Beweisanträge der Verteidiger des Angeklagten beraten. Der vorsitzende Richter Erich Fuchs betonte, man könne als Gericht sehr wohl selbst beurteilen, ob ein Zeuge, in dem Falle das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer, eine glaubwürdige Aussage gemacht habe. Die Zuverlässigkeit der Aussage stehe nicht in Frage, so Erich Fuchs in seiner Begründung, nachdem er den Beweisantrag der Rechtsanwälte abgewiesen hatte. 

"Der Zeuge konnte Fragen schlüssig beantworten", so Fuchs in seiner Erläuterung für die Gründe der Abweisung. Es gebe keine besonderen Umstände, warum man daran zweifeln solle und die Glaubwürdigkeit in Frage stelle, darum brauche es laut Kammer keinen externen Gutachter. 

Dem weiteren Beweisantrag wurde stattgegeben: Hier wurde um einen Gutachter gebeten, der erläutern könne, ob es zu körperlichen Verletzungen kommen müsse, wenn unter enormen Druck Analverkehr vollzogen werde.  Der vorsitzende Richter betonte, man werde beim vierten und letzten Prozesstag einen Gutachter dazu im Zeugenstand befragen. Die Anwälte des Angeklagten wollten dies deshalb, weil das mutmaßliche Opfer zwar auch nachträglich über Schmerzen berichtete, jedoch die Frage im Zeugenstand verneinte, ob man geblutet habe oder es zu äußeren Verletzungen am After gekommen sei. 

Abgewiesen wurde derjenige Beweisantrag, bei dem es um darum ging, durch einen externen Gutachter herausfinden zu lassen, ob ein großer Mann in dem Wagen die vorgeworfenen Handlungen überhaupt vornehmen könne. "Das wurde uns ja durch Messungen durch die Polizei an einem Vergleichsmodell demonstriert und wir können feststellen, dass es möglich wäre", so Richter Erich Fuchs.

Am Montag soll es zu den Plädoyers kommen, zuvor soll erneut ein Polizist geladen werden, der zahlreiche Ermittlungen geführt hatte und das Opfer im Jahr 2015 in einer Klinik befragt hatte. Die Rechtsanwälte des Angeklagten werfen dem Ermittler vor, bei seiner ersten Aussage am ersten Prozesstag nicht die Wahrheit gesagt zu haben.

UPDATE, 11.35 Uhr:

Der dritte Prozesstag wurde mit Spannung erwartet. Der psychiatrische Gutachter zog einen Vergleich der psychiatrischen Diagnosen, die nach dem Sexualdelikt in Tuntenhausen im Jahr 2008 gestellt worden war. Der Angeklagte wurde wegen dem damaligen Vorfall bei einem Burschenfest zu einer Haft von 10 Monaten verurteilt, die Strafe wurde zu drei Jahren auf Bewährung ausgesetzt.

Damals musste das Opfer, ein zum Tatzeitpunkt 16-Jähriger, nicht vor Gericht aussagen, weil der Angeklagte geständig war. Im Bundeszentralregister gibt es wegen des Vorfalls einen Eintrag mit Betreff der damaligen sexuellen Nötigung und versuchten Vergewaltigung.

Die Familie des Angeklagten teilte jetzt dem Gericht mit, dass sie von der damaligen Verurteilung nichts gewusst haben wollen.

Der Gutachter sagte vor Gericht aus, dass der Angeklagte damals nach der Verurteilung eine Therapie gemacht habe. Hier habe er gelernt, Grenzen zu respektieren und sich in andere Menschen besser hineinzuversetzen, soll der Angeklagte dem Chefarzt der Forensik mitgeteilt haben, so die Zeugenaussage des Gutachters.

Wie tickt der Angeklagte?

Der Gutachter beschrieb den Angeklagten als nicht fremdaggressiv. Er sei zwar einfach gestrickt, jedoch normal intelligent. "Es kann keine direkte Störung des Sexualbereichs und kein daraus resultierender Befund erstellt werden", so der Gutachter gegenüber dem Richter.

Der Angeklagte habe vermutlich ein Fable für junge Männer, bezeichne sich aber selbst nicht als schwul, so der Gutachter. Es sei keine Abartigkeit feststellbar. Ob er bei den Übergriffen möglicherweise vom Alkohol enthemmt gewesen sein könnte, sei eine Vermutung.

Das inhaltliche Denken des Angeklagten sei geordnet, so der Gutachter in seiner Zeugenaussage. Er sieht keine Notwendigkeit auf psychiatrische Unterbringung.

Gericht nimmt Auto in Augenschein

Zum Gericht geladen wurde auch die Mutter des Opfers. Sie hatte das Auto dabei, in dem die Tat passiert sein soll. Das Gericht nahm das Tat-Auto in Augenschein. Ein Polizeibeamter hatte sich in das Auto auf den Beifahrersitz gelegt und den Sitz nach hinten gedreht. Der Innenraum des Fahrzeugs wurde ausgemessen. Das Opfer muss nicht erneut vor Gericht aussagen, doch die Rechtsanwälte des Angeklagten setzen derzeit drei Beweisanträge vor. Der Anwalt des Angeklagten halten das Vergewaltigungsopfer selbst für psychiatrisch nicht gesund.

"Die Aussagen des angeblichen Vergewaltigungsopfers scheinen uns nicht glaubwürdig", so einer der Anwälte des Angeklagten. Die Anwältin des Nebenklägers betonte, sie sei dafür, den Antrag abzuweisen. Dem schloss sich auch der Staatsanwalt an. Ein weiterer Beweisantrag der Rechtsanwälte des Angeklagten kam zur Sprache: Es sei nicht möglich, dass man nach einem durch enormen Druck ausgeübten Analverkehr, wie er im Mai 2013 eventuell passiert sei, keine körperlichen Verletzungen rund um den Schließmuskel bemerke. Das mutmaßliche Opfer jedoch hatte bei seiner Zeugenaussage angegeben, dass er nachträglich keine Blutungen oder ähnliche Verletzungen gemerkt habe, lediglich Schmerzen gespürt hatte. Der Staatsanwalt beantragte, dies zurückzuweisen, dem schloss sich die Anwältin des Nebenklägers an.

Es steht Aussage gegen Aussage

Das Fahrzeug, in dem die Tat durchgeführt worden sein soll, wurde in Augenschein genommen. Der Anwalt des Angeklagten stellt die Durchführungsmöglichkeit einer solchen Tat im Fahrzeug in Frage. Man könne sich mit stolzen 1,97 Metern Größe – so groß ist der Angeklagte – nicht im Fußraum des Beifahrersitzbereichs Platz finden, um eine solche vorgeworfene Tat zu tätigen. Das Gericht berät nun über die weiteren Beweisanträge.

Vorbericht:

Beim dritten Prozesstag vor dem Landgericht Traunstein soll der zuständige psychiatrische Gutachter aussagen. Der Angeklagte hatte bereits nach seiner Verurteilung zur Bewährung im Jahr 2008 wegen eines Sexualdeliktes in Tuntenhausen eine Therapie angetreten.

Familienangehörige, die bereits am zweiten Prozesstag in den Zeugenstand getreten waren, sagten aus, nichts von dieser Bewährungsstrafe und dem Vorfall gewusst zu haben.

Neben der Aussage des Gutachters, der möglicherweise auch eine Empfehlung für das Strafmaß geben werde, steht die Aufgabe für Richter und Schöffen an, das Auto des Opfers, in dem die mutmaßliche Vergewaltigung stattgefunden haben soll, in Augenschein zu nehmen.

In dem Wagen soll der Angeklagte kurze Zeit auch vor dem Beifahrersitz gekniet haben, was die Rechtsanwälte des Landwirts in Frage stellen, weil der 1,97 Meter große Mann wohl schlecht im Fußraum des Wagens Platz hätte finden können, so die Verteidiger des Angeklagten. Der vorsitzende Richter Erich Fuchs möchte sich selbst ein Bild des Fahrzeugs machen und hat deshalb die Mutter des Opfers geladen, um mit dem Fahrzeug vor Gericht zu erscheinen.

Die beiden Verteidiger des Angeklagten haben außerdem nicht ausgeschlossen, dass sie weitere Beweise vor Gericht auftragen. Die Beweislage gilt nach wie vor als nicht abgeschlossen.

Zum Prozess kommt es, weil dem Landwirt vorgeworfen wird, mehrere junge Männer sowie Jugendliche sexuell genötigt und im Jahr 2013 einen jungen Mann vergewaltigt zu haben. Der Landwirt bestreitet die Vergewaltigung.

Quelle: wasserburg24.de

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