Probleme mit dem Anschluss im Notfall

Festnetztelefon als Lebensretter? Eher nicht!

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Insgesamt bemühte sich Christian über zwei Stunden um einen Techniker bei der Telekom. Erst drei Tage später wurde die Störung dann behoben.
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Landkreis - Vor allem im Ernstfall müssen sich ältere Leute bemerkbar machen können. Dass es dabei aber zu einigen Schwierigkeiten kommen kann, beweist ein Fall aus dem Landkreis Rosenheim.

Die Großeltern von Christian (Name von der Redaktion geändert) sind schon seit geraumer Zeit in Rente. Seine Oma ist rüstige 75 Jahre alt, Opa Franz bringt es sogar auf 80. Das Rentnerehepaar wohnt in einer gemeinsamen Wohnung, die Kinder und Enkel sind aus dem Haus, aber immer in der Nähe. Opa Franz ist gesundheitlich sehr angeschlagen. Nach einer Operation besitzt sein Herz nur noch knapp 30 Prozent seiner Leistungsfähigkeit, Wasser sammelt sich von Zeit zu Zeit in seiner Lunge an. Dann kann es zu schweren Erstickungsanfällen kommen, Opa Franz kriegt keine Luft mehr. In solch einem Fall hilft dem Rentner meist nur noch das Telefon, um Hilfe zu organisieren. Wenn es denn funktioniert.

"Vor dem vergangenen Wochenende hat sich meine Oma bei mir gemeldet," erzählt Enkel Christian im Gespräch mit rosenheim24.de. "Sie hat von ihrer Nachbarin aus angerufen, nachdem sie längere Zeit versucht hat, von zu Hause aus zu telefonieren." Prompt fuhr Christian daraufhin zu seinen Großeltern, um die eigene Telefonanlage wieder instand zu bringen. Bereits ein paar Wochen vorher hatte er bei ähnlichen Problemen ein neues Telefon installiert, dieses Mal lag der Fehler aber direkt am Hausanschluss. Christian setzte sich mit dem Betreiber des Anschlusses, der Telekom umgehend in Verbindung. Insgesamt über zwei Stunden verbrachte er dann am Telefon, ohne Ergebnis. "Eigentlich wollte ich nur, dass ein Techniker vorbeikommt und den Anschluss in Ordnung bringt, schließlich geht es ja um das Leib und Leben meines Opas," erklärt der aufgebrachte Enkel. Besonders ungehalten reagiert Christian auf die Tatsache, dass die Telekom nicht direkt nach dem Wochenende reagiert hat. Erst am Dienstag hat sich ein Mitarbeiter persönlich um den Fall gekümmert.

Stellungnahme der Telekom

"Die Regelung, dass am Sonntag kein Servicetechniker zum Privatkunden fährt, besteht seit August 2014," erklärt das Telekommunikationsunternehmen auf Rückfrage von rosenheim24.de. Nach einer Änderung in den AGBs werden so am Wochenende nur noch Kunden bedient, die einen höheren Service-Level innehaben. "Der Kunde hat einen normalen Servicelevel. Der Enkel wurde von unserem Service Agenten und dessen Teamleiter darauf aufmerksam gemacht," heißt es in der Stellungnahme weiter. Eine Erklärung, die für Christian absolut unverständlich ist. Laut seiner Aussage wurden die Großeltern zu keiner Zeit über diese Änderung informiert.

Seit dem Vorfall sucht Christian nach einer Alternative für seine Großeltern, um sich im Notfall bemerkbar machen zu können. "Wir haben dann am Samstag gleich noch ein Handy gekauft," erklärt der Enkel, obwohl der Umgang mit dem Mobiltelefon den Rentnern nicht leicht fällt. Auch die Telekom kann keine andere Möglichkeit bieten: "Einen speziellen Senioren- oder Behindertentarif gibt es im Zeitalter der Flat nicht mehr, da dieses Angebot sich ausschließlich auf die Gesprächseinheiten bezog," so die Antwort aus der Konzernzentrale.

Die Lösung vom BRK

Der Hausnotruf vom BRK: mobile und stationäre Version

Stefan Müller, der Leiter im Bereich "Soziale Dienste", beim BRK Rosenheim schlägt in einem solchen Fall den sogenannten Hausnotruf vor. "Die Geräte haben einen Knopf, der im Notfall gedrückt werden kann. Es wird sofort einen Verbindung mit der Hausnotrufzentrale in Starnberg hergestellt. Über eine Gegensprechfunktion können die Mitarbeiter dort dann Kontakt aufnehmen," erklärt Stefan Müller. Das Gerät selbst ist dabei in der mobilen Variante nicht größer als eine Armbanduhr, fest installiert hat es ungefähr die Größe eines Festnetztelefons. Je nach Modell kann der Hausnotruf über das Mobilfunknetz oder die Hausleitung betrieben werden. Eine Selbstdiagnose-Funktion bei niedrigem Batteriestand oder sonstigen Fehlern haben die Geräte gemeinsam. Die Kosten bewegen sich bei 35 Euro pro Monat für die Festnetz-Ausführung und monatlich 40 Euro für die mobile Version.

Lücke bei der Versorgung und in den Verträgen

"Die Festnetzgeräte werden einfach über Fax-Buchse an einer ISDN Leitung oder ähnlichem betrieben", erklärt ein Mitarbeiter des BRK, der für Installation und Betrieb zuständig ist. Über die Leitung können so auch noch zusätzliche Daten übertragen werden. Die sogenannten Basisdaten geben der Zentrale weiteren Einblick in die Vorgeschichte des Patienten und dienen für den Service. Bei den mobilen Versionen des Hausnotrufs kann so auch zeitgleich zum Anruf die aktuelle Position des Geräts festgestellt werden. Der Haken an der Geschichte: Sollte es in bestimmten Gegenden keine ausreichende Mobilfunkabdeckung geben, funktioniert auch der Hausnotruf dort nicht. Gleiches gilt für Probleme mit der Hausleitung. Tritt dort eine Störung, wie im Fall von Christian und seinen Großeltern auf, kann kein Notruf abgesetzt werden. Zudem muss auch vor der Installation des Geräts zuhause die Leitung geprüft werden. So können zum Beispiel am IP-basierten Festnetzanschluss der Telekom Hausnotrufsysteme nur bei bestimmten Endgeräten genutzt werden.

Sollte eine Störung am Anschluss auftreten ist es meist besonders für ältere Menschen schwer, sich mit der Technik adäquat auseinanderzusetzten. "Wenn der eigene Anschluss gestört ist, besteht die Möglichkeit jederzeit den Service über ein Handy zu erreichen. Sollte der Kunde über kein solches verfügen, bleibt der klassische Weg über Bekannte oder über einen Nachbarn," erklärt die Telekom. Nutzt man das Festnetztelefon zuhause nur für Notfälle, kann es also unter Umständen im Ernstfall durchaus den Dienst versagen, denn: "Ein Frühwarnsystem für eine zukünftige Störung am Anschluss gibt es nicht. Der Kunde muss immer die Serviceannahme informieren, dass sein Anschluss gestört ist. Dann greift die Entstörung nach den AGBs."

Quelle: rosenheim24.de

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