Demjanjuk: Obduktionsergebnis veröffentlicht

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Dies ist das letzte Foto des verstorbenen ehemaligen KZ-Wachmanns John Demjanjuk (rechts). Es entstand zusammen mit seinem Pflichtverteidiger Dr. Ulrich Busch im Juli 2011 im Gespräch mit dem Mangfa-Boten in Bad Feilnbach.

Bad Feilnbach/München – Um jeglichen Zweifel an einer natürlichen Todesursache ausschließen zu können, wurde heute die Leiche von John Demjanjuk obduziert.

Der ehemalige KZ-Wächter John Demjanjuk ist nicht durch Fremdeinwirkung gestorben. Das habe die Obduktion ergeben, teilte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Traunstein, Bernd Magiera, am Montag der dapd mit. Die genaue Todesursache habe aber nicht festgestellt werden können, ergänzte er. Der ehemalige KZ-Wachmann war am Samstag – nachdem er über Bauchschmerzen geklagt haben soll – um 4.45 Uhr tot in seinem Zimmer im Feilnbacher Pflegeheim aufgefunden worden. Er wurde 91 Jahre alt.

Kurz nach Mitternacht waren Demjanjuk, der wegen Beihilfe zum Mord an rund 28.000 Juden im Vernichtungslager Sobibor vor dem Münchner Landgericht stand, noch Tropfen verabreicht worden. „Dies geschah nach telefonischer Rücksprache mit einem Arzt“, erläuterte Pflichtverteidiger Dr. Ulrich Busch seine jüngsten Informationen zum Ableben seines Mandanten gegenüber dem Oberbayerischen Volksblatt. Um 2 Uhr habe John Demjanjuk dann nach Angaben des Nachtdienstes geschlafen. „Tot aufgefunden wurde er um 4.45 Uhr in seinem Bett“, so Busch.

In seiner Kanzlei meldete sich gestern Vormittag das amerikanische Generalkonsulat in München. Dabei kündigte dessen Vertreter an, zu prüfen, ob eine Überführung des Leichnams in die USA möglich sei. Denn dort lebt die Familie Demjanjuks. Gleichzeitig war dies Demjanjuks letzter Wunsch.

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Wer die etwaigen Kosten dafür zu tragen hat, ist jedoch nach wie vor unklar. Es könnte sowohl die Familie als auch der Staat sein. „Dies ist noch zu klären. Vorrang hat aber nun die Bestattung meines Mandanten. Dessen orthodoxer Glauben schließt eine Feuerbestattung aus, weshalb die Zeit drängt“, so Busch. Im Laufe des gestrigen Nachmittags sollte die Leiche des ehemaligen KZ-Wachmanns bereits wieder freigegeben werden. Ein Familienmitglied Demjanjuks will dem Vernehmen nach so rasch wie möglich nach Deutschland kommen, um alle Angelegenheiten vor Ort regeln zu können.

Auch wenn das Urteil gegen Demjanjuk nie rechtskräftig wurde und die Akten mit seinem Ableben geschlossen werden, war der Prozess gegen den ehemaligen KZ-Wachmann für die israelische Kultusgemeinde München mit Präsidentin Dr. Charlotte Knobloch ein wichtiges Zeichen: „Die Mörder der damaligen Zeit müssen wissen, dass ihre Verbrechen nicht verjähren“, so Knobloch gegenüber dem Oberbayerischen Volksblatts. Es sei zudem wichtig im Ausland zu dokumentieren, dass das Alter für einen Prozess keine Rolle spiele.

Silvia Mischi (Mangfall-Bote)

Quelle: rosenheim24.de

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