Demjanjuks Bestattung - wo und wie?

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Dies ist das letzte Foto des verstorbenen ehemaligen KZ-Wachmanns John Demjanjuk (rechts). Es entstand zusammen mit seinem Pflichtverteidiger Dr. Ulrich Busch im Juli 2011 im Gespräch mit unserer Zeitung in Bad Feilnbach.

Bad Feilnbach - Nach dem Tod des früheren KZ-Wachwanns John Demjanjuk ist nach wie vor unklar, wann, wie und vor allem wo die Bestattung erfolgen soll.

Der frühere KZ-Wachmann John Demjanjuk ist tot. Der 91-Jährige starb am Samstag in den frühen Morgenstunden in Bad Feilnbach. Demjanjuk war wegen Beihilfe zum Mord an über 27000 Juden im Vernichtungslager Sobibor zu fünf Jahren Haft verurteilt worden - das Urteil wurde aber nie rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft Traunstein entscheidet heute im Laufe des Tages, ob es eine Obduktion des Leichnams geben wird. Unklar ist auch, wann, wie und vor allem wo die Bestattung erfolgen soll.

"Geht es nach dem sehnlichsten Wunsch meines Mandanten, dann bestattet man ihn in Amerika", erklärte Demjanjuks Pflichtverteidiger Dr. Ulrich Busch am Samstag gegenüber unserer Zeitung. Er appelliert diesbezüglich an die deutsche Regierung einen entsprechenden Antrag auf Überführung und Aufnahme des Leichnams an die USA zu stellen. "Man sollte der Familie ermöglichen, das Grab ihres Vaters und Mannes besuchen zu können", so Busch.

Doch das dürfte sich als schwierig erweisen. Denn: Schon zu Lebzeiten hatte der staatenlose 91-Jährige keinen Pass. Ohne diesen ist aber eine Überführung kaum möglich. Deutschland hatte seit der Auslieferung Demjanjuks aus den USA die Verantwortung für den Mann übernommen. Der Staat hat seither die Kosten für Demjanjuk zu tragen - sowohl für das Pflegeheim, den gestellten Betreuer, die medizinsche Versorgung, als auch die Bestattung.

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Heute wird nach Angaben des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd die Staatsanwaltschaft Traunstein das weitere Procedere klären. Sie entscheidet, ob eine Obduktion angeordnet wird, beziehungsweise was mit den Habseligkeiten des Verstorbenen geschieht. "Demjanjuk war am frühen Samstagmorgen in seinem Zimmer in einem Seniorenheim in Bad Feilnbach tot aufgefunden worden. Zwei Ärzte bescheinigten den Tod", so Polizei-Pressesprecher Martin Winkler. Bei ihm stehen seither die Telefone nicht mehr still. Unter anderem aus Amerika fragen Medien bei ihm an.

Wie berichtet, war Demjanjuk im Mai 2011 - nach eineinhalb Jahren Verhandlung - wegen Beihilfe zum Mord an mindestens 28 000 Juden im Vernichtungslager Sobibor vom Münchner Landgericht zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Das Urteil war aber noch nicht rechtskräftig. Der Haftbefehl wurde wegen Unverhältnismäßigkeit ausgesetzt. Demjanjuk schwieg bis zu seinem Tod zu den Vorwürfen. Zirka 30 Angehörige von Opfern waren damals Nebenkläger in dem Prozess und hatten vehement eine Verurteilung verlangt. Der Verteidiger hatte stets betont, dass es nicht nachgewiesen sei, dass der Angeklagte je in Sobibor war (wir berichteten). Demjanjuks Schuld oder Unschuld wird nun nie abschließend juristisch geklärt werden.

Die Familie des 91-Jährigen strengte im Herbst die Wiederaufnahme Demjanjuks in den USA an. Diesem Antrag gab das Gericht in Ohio jedoch nicht statt. Damals erhielt Demjanjuk Besuch von seinem Sohn, John Demjanjuk junior. "Es war das letzte Mal dass sie sich sahen", so Verteidiger Busch. Er informierte die Angehörigen seines Mandanten in Amerika über dessen Tod. Er selbst hatte von der Heimleitung vom Ableben Demjanjuks erfahren.

"Weder Todesursache noch genauer Todeszeitpunkt wurden mir bis dato von der Polizei mitgeteilt", kritisierte Busch die Behörden. Ihm zufolge wurden seinem Mandanten durch den Prozess die letzten drei Lebensjahre genommen: "Deutschland kann alles andere als stolz auf diese Handhabung sein."

Silvia Mischi/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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