An Delikte wegen Rausch nicht erinnert

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Rosenheim - Der Alkohol ist der Fluch des Angeklagten, der sich nicht zum ersten Mal vor dem Amtsgericht Rosenheim zu verantworten hatte.

Nahezu regungslos und ohne erkennbare Teilnahme saß der Angeklagte neben seinem Verteidiger.

Als er mit 24 Jahren 1993 aus Kasachstan nach Rosenheim kam, war er schon erheblich alkoholabhängig. So wurde der gelernte Schlosser bereits 1995 auffällig. Siebenfach ist er vorbestraft und dabei war keine Straftat, die er nicht unter Alkoholeinfluss begangen hätte. So hatte er bei allen hier vorgeworfenen Vergehen einen Blutalkoholgehalt zwischen 2,2 und 4,0 Promille.

Den Vogel hatte er abgeschossen, als er mit 4,64 Promille in das Krankenhaus in Prien eingeliefert wurde. Jeder Normalbürger würde dabei an Alkoholvergiftung sterben. Von wenigen Einsätzen bei Leihfirmen abgesehen lebt der Angeklagte im Wesentlichen von Arbeitslosengeld II.

Ob er eine Polizistin "blöde Kuh" nannte, einem Ordnungshüter den Stinkefinger zeigte, in einem Einkaufsmarkt eine Flasche Wodka entwendete oder um 7.30 Uhr mit einem gestohlenen Fahrrad unterwegs war, immer war er "unter Strom". An keine der vorgeworfenen Taten konnte er sich erinnern. Aber er konnte und wollte nicht ausschließen, dass sich das alles so ereignet hatte wie in den vier Anklagen aufgeführt.

Der Gutachter Rainer Gerd vom Inn-Salzach-Klinikum beschrieb den Angeklagten als "alten Bekannten", der sich in Gabersee immer wieder zu Entzug und Entgiftung aufhielt. 2007 und 2008 habe sich der Angeklagte bereits zur Therapie dort befunden. Diese sei aber wegen Erfolglosigkeit abgebrochen worden. Weil er zu den Tatzeiten immer erheblich unter Alkoholeinfluss gestanden habe sei ihm eine "eingeschränkte Schuld- und Einsichtsfähigkeit" zu bescheinigen. Gerd führte weiter aus, dass eine erfolgreiche Therapie für den 41-Jährigen möglich sei. Jedoch müsse man dazu einen Zeitraum von 18 Monaten ansetzen und eine gerichtliche Maßregel sei von Nöten, um eine Zwangs- und Hilfesituation herbeizuführen.

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft führte aus, dass neben der fälligen Strafe, sie beantragte zwölf Monate Haft, viel wichtiger wäre, die Ursache für die Straftaten des Angeklagten zu beseitigen. Deshalb beantragte sie zusätzlich den Maßregelvollzug. Nur damit habe der Angeklagte eine, wenn auch geringe, Chance in ein "normales" Leben zurückzufinden.

Verteidiger Dr. Markus Frank stimmte der Staatsanwältin im Wesentlichen zu, hielt aber eine Gefängnisstrafe von sechs Monaten für ausreichend. Diese sei mit dem Maßregelvollzug dann ohnehin abgegolten.

Der Vorsitzende Richter Christian Merkel hielt den Antrag der Staatsanwaltschaft für angemessen, zumal noch eine Reihe weiterer Anklagen, diese rührten von Diebstahl und Ungehorsam her, wegen Geringfügigkeit eingestellt worden seien. Wichtiger war Merkel, dass der Verurteilte tatsächlich eine wohl letzte Chance bekäme, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen.

au/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser