So erleben unsere Leser die Coronakrise

Virtueller Stammtisch im Chiemgau, Geschenk an Hausärztin und nuschelnde Kunden

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Zahlreiche Leser haben der OVB24-Redaktion ihre persönlichen Geschichten in der Coronakrise erzählt. Unser Leser Toni aus Traunstein hat uns von seinem virtuellen Stammtisch berichtet.

Landkreis - Es ist eine Ausnahmesituation, wie sie bisher fast noch niemand erlebt hat. Doch wie geht ihr mit der aktuellen Coronakrise um? Zahlreiche Leser/-innen haben der Redaktion ihre persönlichen Erlebnisse geschildert.

Die Corona-Pandemie schränkt zunehmend den Alltag der Menschen ein und bringt das öffentliche Leben allmählich zum Erliegen. Doch wie erlebt Ihr die Coronakrise? Wir haben Euch gefragt und gebeten, uns Eure positiven oder negativen Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen zu erzählen. Zahlreiche Leser/-innen haben sich auf unseren Aufruf gemeldet:


Wir haben Eure Geschichten gesammelt

Anonym aus Prutting


Ich bin im Sicherheitsgewerbe bei einem Unternehmen in Rosenheim tätig und meine Frau arbeitet bei einer großen Supermarktkette. Wenn sie abends völlig erschlagen nach Hause kommt, bin ich oftmals entsetzt über die Ignoranz und Aggressivität vieler ihrer Kunden. Ich habe ihr schon angeboten, mich in meiner Freizeit als Sicherheitsmann in den Markt zu stellen, da die Konzernleitung für Security keine Notwendigkeit sieht. Leider ist dies jedoch aus rechtlichen Gründen nicht möglich.

Ebenso berichtet sie aber auch von vielen netten Kunden, welche selbst genähte Masken oder Handschuhe vorbeibringen, da diese der Arbeitgeber nicht stellt. Die vielen Dankesworte, Gesundheitswünsche und auch Selbstgebackenes der Kunden, bauen sie immer wieder auf. Dafür ein großes Dankeschön von mir. Meine Frau und ihre Kollegen brauchen genau das.

An meinem eigenen Arbeitsplatz sieht es ähnlich aus. Der Laden brummt, daher gilt hier: Wer Kontakt mit einem Corona-Infizierten hatte, muss drei Tage lang in Quarantäne. Als es dann soweit war und es die ersten positiv Getesteten gab, hieß es plötzlich aus der Führungsetage, welche sich im Homeoffice befindet, dass eine Quarantäne doch nicht notwendig sei. Als Grund gaben die Vorgesetzten an, dass die Kontaktpersonen nicht näher als 40 Zentimeter am positiv Getesteten dran und auch nicht länger als 15 Minuten im gleichen Raum gewesen seien. 

Unfassbar in meinen Augen. Man gewinnt den Eindruck, der Rubel muss rollen, egal um welchen Preis. In der Belegschaft passen wir jedoch aufeinander auf, helfen und mit Desinfektionsmitteln gegenseitig aus oder verteilen Masken an diejenigen, welche noch keine haben bzw. keine selbst nähen können. 

Toni aus Traunstein

Ein Stammtisch ist ein geselliges Zusammenkommen von weitgehend den gleichen Personen in einem bestimmten Wirtshaus, zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem reservierten Tisch. Im Gegensatz zu früheren Zeiten ist der Stammtisch nicht mehr eine reine Männersache - Stammtischschwestern sind eine Selbstverständlichkeit. Im Mittelpunkt stehen Geselligkeit, lokale und überregionale Politik und manchmal auch lebensphilosophische Themen. Der Stammtisch gibt den Stammtischschwestern und Brüdern eine Struktur im Wochengeschehen. Man fiebert geradezu dem Stammtisch entgegen. 

Toni und seine Stammtischschwestern und Stammtischbrüder veranstalten nun jeden Donnerstag, pünktlich um 12 Uhr, ihren virtuellen Stammtisch. 

Der "Corona Shutdown" hat den vielen Stammtischlern schmerzlich vor Augen geführt wie wichtig er in ihrem Leben geworden ist, manche sprechen von regelrechten Entzugserscheinungen mit depressiven Anwandlungen. In dieser Notlage hat eine energische Stammtischschwester des Donnerstag-Stammtisches des Auerwirtes in Surberg die Initiative ergriffen und einen virtuellen Stammtisch ins Leben gerufen. Unter ihrer Anleitung luden sich die einzelnen Stammtischler mühsam eine App herunter und so findet jeden Donnerstag pünktlich um 12 Uhr in Konferenzschaltung ein "Virtueller Stammtisch" statt. Um authentisch zu sein trinkt man Traunstein Hofbräu, das Bier des Auerwirts.

Weitere Geschichten unserer Leser, Reportagen und Service-Artikel zum Coronavirus findet Ihr in unserem großen Wegweiser durch die Berichterstattung

Mary aus Oberbayern

Ich bin im Einzelhandel tätig und muss echt sagen, dass es viele Menschen gibt, die sich an die Abstandsregeln halten. Wiederum gibt es aber auch leider Kundschaften, wie ich sie regelmäßig habe. Es is ja recht schön und gut, wenn Kunden - vor allem ältere Menschen - Mundschutz tragen. 

Aber wenn man dann erstens so nuschelt, dass man als Verkäuferin drei Mal nachfragen muss und zweitens dann auch noch eine unverschämte Antwort zurückbekommt, geht das wirklich nicht. Wir geben unser Bestes, um unsere Kunden zufriedenzustellen! Seid also ein bisschen nachsichtig! 

Anonym aus dem Landkreis Mühldorf am Inn

Meine Familie und ich haben unserer Hausärztin Desinfektionsmittel für die Hände und extra noch eins zum Putzen geschenkt. Insgesamt waren es circa zehn Liter. Der Grund war, dass es unsere Hausärztin sicherlich besser gebrauchen kann, als meine Familie und ich. 

Der schönste Dank war, dass die Arzthelferinnen und die Ärztin selbst Tränen in den Augen hatten, weil sie mit sowas gar nicht gerechnet haben. Also Leute, wenn ihr Desinfektionsmittel übrig habt, so spendet es doch bitte an Altenheime, Arztpraxen und an andere Einrichtungen, die es wirklich benötigen! 

Manuela aus Schönberg

Bisher haben meine Einkäufe immer super geklappt. Mein Mann hat auf unser Kind aufgepasst, während ich schnell in ein Geschäft gefahren bin. Leider ist mir vor einigen Tagen eine derart schlimme Situation passiert, die mir keine Ruhe mehr lässt. Ich ging nach der Arbeit in einen Supermarkt. Bereits am Eingangsbereich bin ich von einer Frau angeschrien worden, ob ich denn schon mal was von Abstand gehört hätte. Ich schob meinen Einkaufswagen vor mir her und es war meiner Meinung nach genug Platz. 

Sie lief sofort zu einem Security-Mann und hat mit dem Finger auf mich gezeigt: "Da, die wars!". Alles in einer Lautstärke, dass die andern Leute mich bereits angeschaut haben. Die Situation ging noch weiter, aber ich lasse das jetzt mal. Leider passiert es mir in meinem Beruf als Arzthelferin mehrmals täglich, dass man von Leuten wirklich unangebracht angesprochen wird. Aber diese Situation hat mich wirklich fast vom Glaube abfallen lassen. Ich wünsche mir, dass der Spuk sehr bald vorbei ist. 

Die nächsten persönlichen Geschichten werden am Donnerstag, 16. April, in einem neuen Artikel veröffentlicht 

Wie erlebt Ihr die Coronakrise? Erzählt uns Eure Geschichte

Erzählt uns, was Euch bewegt und schickt eine Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: "Corona" im Betreff). Die OVB24-Redaktion freut sich über Eure Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen. 

Natürlich könnt Ihr uns auch mitteilen, was Euch sorgt und ängstigt in diesen Tagen und gerne auch, was Euch in dieser Zeit Freude macht. Bitte sendet uns neben Euren Zeilen, Fotos oder Videos auch unbedingt Euren kompletten Namen und Euren Wohnort.

Wir wollen unsere Reichweite aber auch nutzen, um Menschen miteinander zu verbinden und zur Nachbarschaftshilfe aufrufen. Deswegen haben wir sechs Facebook-Gruppen ins Leben gerufen: #rosenheim24 / #chiemgauhältzusammen / #innsalzachhältzusammen / #bglandhältzusammen / #wasserburghältzusammen / #mangfallhältzusammen

Coronavirus im Freistaat Bayern

Das Coronavirus breitet sich rasant aus. Im Freistaat Bayern hat das Virus 995 Todesfälle (Stand: Mittwoch, 15. April, 15.30 Uhr) gefordert. Auch in den Landkreisen Rosenheim, Traunstein, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Altötting gibt es bereits mehrere Todesfälle. Restaurants bleiben geschlossen, ausgenommen ist die Lieferung und Ausgabe von Speisen für zu Hause. 

Zudem hat Ministerpräsident Markus Söder, die am Freitag, 20. März, beschlossene weitreichende Ausgangsbeschränkung in Bayern, am Montag, 30. März verlängert. Die Maßnahmen gelten nun bis mindestens Sonntag, 19. April. Das Verlassen der eigenen Wohnung ist also nur bei Vorliegen triftiger Gründe erlaubt. Dazu zählen unter anderem der Weg zur Arbeit, notwendige Einkäufe, Arzt- und Apothekenbesuche, Hilfe für andere, Besuche von Lebenspartnern, aber auch Sport und Bewegung an der frischen Luft - dies aber nur alleine oder mit den Personen, mit denen man zusammenlebt.

Bleibt gesund! #wirhaltenzusammen

jg

Quelle: rosenheim24.de

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