So erleben unsere Leser die Coronakrise

Sorgen um Vater im Pflegeheim und Wunsch nach strengeren Maßnahmen

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Zahlreiche Leser haben der OVB24-Redaktion ihre persönlichen Geschichten in der Coronakrise erzählt.

Landkreis - Es ist eine Ausnahmesituation, wie sie bisher fast noch niemand erlebt hat. Doch wie geht Ihr mit der aktuellen Coronakrise um? Zahlreiche Leser/-innen haben der Redaktion ihre persönlichen Erlebnisse geschildert.

Die Corona-Pandemie schränkt weiter den Alltag der Menschen ein und bringt das öffentliche Leben allmählich zum Erliegen. Doch wie erlebt Ihr die Coronakrise? Wir haben Euch gefragt und gebeten, uns Eure positiven oder negativen Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen zu erzählen. Zahlreiche Leser/-innen haben sich auf unseren Aufruf gemeldet:


Wir haben Eure Geschichten gesammelt

Anonym aus Bayern

Diese Lockerung, dass man sich mit einer Person außerhalb des eigenen Haushalts wieder treffen darf, finde ich nicht gut. Denn viele Menschen, vor allem Jugendliche, haben damit wieder den Freibrief, um sich draußen zu treffen und das Ganze wieder in Fahrt zu bringen. Ich finde, es sollten viel strengere Einschränkungen durchgeführt werden. Es sollten mehr Ausgangssperren verhängt werden und keine Lockerung, denn wir sind noch lange nicht am Höhepunkt der Infektionen angelangt. Es sollten auch viel höhere Strafen und auch schärfere Kontrollen durchgeführt werden, damit die besonders egoistischen Menschen, die nur auf Spaß und Party aus sind, erreicht werden. Die Schulen bleiben geschlossen, aber das öffentliche Leben nimmt wieder mehr zu. Vor allem sollte der Mundschutz bereits dann verpflichtend sein, sobald man das Haus verlässt, und uneinsichtige Menschen wegsperren.


Es hört sich zwar hart an, aber ich sehe es einfach nicht ein, dass die Menschen bestraft werden, die diese Erkrankung ernst nehmen, sich zu Hause aufhalten und alles dafür tun, um dieses Virus einzudämmen. Denn gleichzeitig ist die andere Gruppe der Menschen so egoistisch und unverschämt, will sich nicht einschränken lassen und bringt dadurch die Risikogruppen ständig in Gefahr. 

Ich bin alleinerziehend mit minderjährigen Kindern und gehöre zur Risikogruppe. Wir halten uns schon seit 6 Wochen im Haus auf und begeben uns nur für den notwendigen Einkauf raus. Ich möchte auf diesem Weg bitten, die Ausgangsbeschränkungen und Kontrollen zu verschärfen und den Mundschutz in der Öffentlichkeit zur Pflicht zu erklären. Nur dann haben wir wirklich eine Chance, dieses Virus in den Griff zu bekommen. Menschen, die gesund sind, wissen gar nicht, was sie uns Kranken damit antun. Diese Menschen jammern schon, wenn sie mal einen oder zwei Tage im Haus verbringen müssen, weil sie Symptome haben und getestet werden. Andere sitzen schon wochenlang im Haus, um nichts abzubekommen, weil sie zur Risikogruppe gehören. Diejenigen nehmen das hin. Was sind ein paar Wochen Ausgangsbeschränkungen gegen ein langes gesundes Leben nach dem Virus? Den Menschen auf der Welt geht es immer noch viel zu gut. Was muss noch alles passieren? Wie viele Leute müssen noch sterben, damit alle kapieren, dass sie nicht alleine auf der Welt sind?

Nützliche Links zu Corona:

Angela aus Mühldorf

Mein Vater ist mit fortgeschrittenem Alzheimer seit Ende Januar im Pflegeheim und meine Mutter ist jeden Tag hingefahren. Das geht nicht mehr. Alle zwei bist drei Tage fährt sie nun hin, bringt ihm frisches Obst und wechselt die Wäsche. Mein Vater steht hinter der Glastür, schaut nach draußen, aber reagiert nicht. Und meine Mutter steht auf der anderen Seite, winkt und heult. Telefonieren kann man auch nicht mehr mit ihm. 

Die beiden sind seit 52 Jahren verheiratet und haben die letzten 30 Jahre zusammen gearbeitet, waren also Tag und Nacht zusammen. Und jetzt das! Auch wenn ich das kopfmäßig verstehe, tut es trotzdem sehr weh. Ich telefoniere alle zwei Tage mit meiner Mutter und mach ihr Mut durchzuhalten.

Weitere Geschichten unserer Leser, Reportagen und Service-Artikel zum Coronavirus findet Ihr in unserem großen Wegweiser durch die Berichterstattung

Margit aus Oberbayern

Man hat den Eindruck, dass Verbote ignoriert werden. Leute besuchen sich gegenseitig, es gibt Partys, Gruppentreffen, gemeinsame Sportgruppen, man spaziert dicht an dicht, verweilt auf den Wiesen und sehr selten greift die Polizei ein. Meistens nur, wenn sich jemand beschwert und es meldet - dann müssen sie ja eingreifen. Daher drängt sich bei mir die Vermutung auf, dass diese Dinge nicht so tragisch sind und ins Gewicht fallen. Denn es wird kaum dagegen angegangen und Strafen nur in seltenen Fällen verteilt. 

Selber habe ich beobachtet, dass in drei Fällen von Picknick auf der Wiese nur freundlich um Unterlassung gebeten wird ohne zu bestrafen. Es werden wohl nur die Großveranstaltungen als Problem gesehen. Man erlässt zwar einen Maßnahmenkatalog, um das Coronavirus einzudämmen, aber im Grunde scheinen die Politiker zu wissen, dass  sie die Bildung dieser Kleingruppen nicht verhindern können. Sei es wegen der Ignoranz oder Frechheit der Leute oder weil es eben kaum ins Gewicht fällt von der Verbreitung her. Es ist halt bei uns nicht so tragisch wie im Ausland. Ich jedenfalls werde nichts mehr melden.

Klaus aus Rosenheim

Wo soll man anfangen? Ich bin alleinerziehender Vater und wohne in dem drittstärksten betroffenen Landkreis. Seit der Corona-Krise lebe ich mit meiner Tochter und meinen Eltern sehr zurück gezogen, da wir zu den Risikogruppen gehören. Man muss aber trotzdem zum Einkaufen und Erledigungen machen. Meine kleine Tochter sehe ich seit der Krise gar nicht mehr, da sie auch zu der Risikogruppe gehört. Wir können nur noch miteinander telefonieren. 

Ich bin froh über die Maskenpflicht, weil sich die Leute sonst nur sehr wenig daran halten, geschweige denn an den Sicherheitsabstand. Ich fange ab Montag eine Umschulung von zuhause aus an, aber meine große Tochter muss wieder in die Schule. Dabei weiß der Lehrer selbst noch gar nicht, wie das alles hinhauen soll mit Desinfektion, Mundschutz und Abstand. Ich hoffe, die Menschen wachen endlich auf und kapieren es. 

Umfrage

Dodo aus Bayern

Ich bin entsetzt, was aus den Menschen mittlerweile geworden ist. Jung schimpft über Alt, Alt über Jung. Da wird genau beobachtet, wer bei den Nachbarn aus- und eingeht. Die Leute machen einen auf hilfsbereit. Es wird nur noch kritisiert, wer was macht oder auch nicht. Auch das Verhalten in den Geschäften ist zum Teil sehr negativ geworden: aggressive und gereizte Kunden. Die Situation ist für keinen leicht, aber kommt mal alle ein bisschen runter!

Die nächsten persönlichen Geschichten werden am Samstag, 25. April, in einem neuen Artikel veröffentlicht.  

Wie erlebt Ihr die Coronakrise? Erzählt uns Eure Geschichte

Erzählt uns, was Euch bewegt und schickt eine Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: "Corona" im Betreff). Die OVB24-Redaktion freut sich über Eure Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen. 

Natürlich könnt Ihr uns auch mitteilen, was Euch sorgt und ängstigt in diesen Tagen und gerne auch, was Euch in dieser Zeit Freude macht. Bitte sendet uns neben Euren Zeilen, Fotos oder Videos auch unbedingt Euren kompletten Namen und Euren Wohnort.

Wir wollen unsere Reichweite aber auch nutzen, um Menschen miteinander zu verbinden und zur Nachbarschaftshilfe aufrufen. Deswegen haben wir sechs Facebook-Gruppen ins Leben gerufen: #rosenheim24 / #chiemgauhältzusammen / #innsalzachhältzusammen / #bglandhältzusammen / #wasserburghältzusammen / #mangfallhältzusammen

Coronavirus im Freistaat Bayern

Das Coronavirus breitet sich rasant aus. Im Freistaat Bayern hat das Virus bereits mindestens 1.566 Todesfälle (Stand: Samstag, 25. April, 10 Uhr) gefordert. Auch in den Landkreisen Rosenheim, Traunstein, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Altötting gibt es bereits mehrere Todesfälle. Restaurants bleiben weiterhin geschlossen, ausgenommen ist die Lieferung und Ausgabe von Speisen für zu Hause. 

Ministerpräsident Markus Söder hat die am Freitag, 20. März, beschlossene Ausgangsbeschränkung in Bayern, am Donnerstag, 16. April nochmal verlängert. Die Maßnahmen gelten nun bis mindestens Sonntag, 3. Mai. Doch es wurden auch Lockerungen beschlossen: Ab Montag, 20. April, darf man wieder Kontakt zu EINER anderen Person außerhalb des eigenen Haushalts/der eigenen Familie haben. Damit soll vor allem Alleinstehenden geholfen werden, wie Söder in einer Pressekonferenz mitteilte. 

Ebenso dürfen seit Montag, 20. April, Bau- und Gartenmärkte und ab Montag, 27. April, auch Geschäfte mit einer Fläche bis zu 800 Quadratmetern sowie Buchhandlungen wieder aufsperren. Ebenfalls ab 27. April herrscht in Bayern eine Maskenpflicht in allen Geschäften und im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) - in Stadt und Landkreis Rosenheim gilt die Maskenpflicht bereits seit Mittwoch, 22. April. Friseure können ab Montag, 4. Mai, wieder öffnen, allerdings nur unter strengen Hygieneauflagen. 

Bleibt gesund! #wirhaltenzusammen

jg/ha

Quelle: rosenheim24.de

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