So erleben unsere Leser die Coronakrise

Verkäuferin aus Bad Reichenhall: "Manche Kunden beschimpfen uns aufs Übelste"

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Zahlreiche Leser haben der OVB24-Redaktion ihre persönlichen Geschichten in der Coronakrise erzählt. 

Landkreis - Es ist eine Ausnahmesituation, wie sie bisher fast noch niemand erlebt hat. Doch wie geht ihr mit der aktuellen Coronakrise um? Zahlreiche Leser/-innen haben der Redaktion ihre persönlichen Erlebnisse geschildert.

Die Corona-Pandemie schränkt zunehmend den Alltag der Menschen ein und bringt das öffentliche Leben allmählich zum Erliegen. Doch wie erlebt Ihr die Coronakrise? Wir haben Euch gefragt und gebeten, uns Eure positiven oder negativen Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen zu erzählen. Zahlreiche Leser/-innen haben sich auf unseren Aufruf gemeldet:


Wir haben Eure Geschichten gesammelt

Anonym aus Bayern

In dieser außergewöhnlichen Zeit möchte ich auf einen Personenkreis hinweisen, der bis jetzt eher vergessen wurde. Seit circa zwei Wochen sind die Werkstätten für Menschen mit Behinderung und Förderstätten geschlossen. Da viele Menschen aus diesem Personenkreis auch zu der Risikogruppe gehören, ist dieser Schritt sehr sinnvoll und wichtig um eine Ansteckung und Ausbreitung zu verhindern. 


Die Menschen mit Behinderung müssen nun zuhause oder in ihren Wohngruppen bleiben, ohne ihre wichtigen sozialen Kontakte, Aktivitäten und Therapien und viele von ihnen können das alles nicht verstehen oder haben sehr viel Angst. Die Einrichtungen für Menschen mit Behinderung stehen vor einer sehr großen Herausforderung und das Personal tut ihr Möglichstes, um die Menschen mit Behinderung gut durch diese Krise zu begleiten und zu betreuen. "Bleibts gesund!"

Isabell aus Bad Reichenhall

Ich arbeite im Verkauf und auch wir geben unser Bestes, um unsere Kunden optimal zu schützen. Halbstündlich desinfizieren wir die Einkaufswagen und die Kassenzone. In steigender Tendenz passiert es nun, dass wir uns von manchen Kunden aufs Übelste beschimpfen lassen müssen. Wir werden oft wie Aussätzige behandelt und auch als "die größten Virenschleudern und Überträger" beschimpft. Einige Kunden ignorieren die Sicherheitsabstände und keifen uns Verkäufer an, wenn wir sie auf das kontaktlose Bezahlen hinweisen, da sie "mit dem verkeimten Kartenleser" nicht in Berührung kommen wollen. 

Erstaunlicherweise stellen wir dabei fest, dass es genau die Personen sind, die am respektlosesten mit uns umgehen, die mit den ganzen Maßnahmen geschützt werden sollen. Auch stelle ich persönlich fest, dass es größtenteils die alten Leute sind, die sich nicht wirklich an die Ausgangsbeschränkung halten. 

Weitere Geschichten unserer Leser, Reportagen und Service-Artikel zum Coronavirus findet Ihr in unserem großen Wegweiser durch die Berichterstattung

Tanja aus dem Landkreis Mühldorf

Ich habe große Angst vor dem, was nach der Coronakrise kommt. Seit drei Wochen kann ich nicht mehr arbeiten gehen, weil auch meine Arbeitsstelle wegen der Pandemie schließen musste. Ich arbeite in einem Schullandheim in Oberbayern, welches vom Bund der Pfadfinder geführt wird. 

Aktuell sind wir alle in Kurzarbeit oder krankgeschrieben. Aber da wir Stornierungen bis September haben und ein Ende der Pandemie und damit die Rückkehr zur Normalität nicht absehbar ist, werden wir eventuell schließen müssen. Ich weiß gerade nicht mehr weiter, denn ich liebe meinen Job, das alte wunderbare Haus und auch das Team. Ein Leben ohne all das, kann ich mir gerade nicht vorstellen.

Attaullah aus Bad Reichenhall

Ich bin 39 Jahre alt und Vater von fünf Schulkindern. Ursprünglich kommen wir aus Afghanistan, aber derzeit wohnen wir in Bad Reichenhall. Ich mache momentan eine Ausbildung zum Lageristen in einer Speditionsfirma. Normalerweise müsste ich je zwei Tage in der Woche zur Berufsschule nach Traunstein und drei Tage nach Freilassing zu meiner Arbeit fahren. Da die Berufsschule aufgrund der aktuellen Coronakrise geschlossen hat, muss ich nun Montag bis Freitag zur Arbeit. 

Leider haben wir noch keine Desinfektionsmittel in der Firma, aber wir Mitarbeiter müssen manche Maschinen zusammen benutzen. Auch meine Handschuhe muss ich bei manchen Tätigkeiten ausziehen. In Drogeriemärkten und Apotheken gibt es leider fast keine Desinfektionsmittel und Mundschutze mehr. 

Daher habe ich nun immer mehr Sorge, dass ich das Virus nach Hause mitbringe und meine Kinder anstecken könnte. Ich hoffe, dass diese schwierige Situation bald vorbei ist und alle Leute der Welt miteinander ohne Angst leben können. "Lieber Gott, beschützte uns."

Anonym aus Österreich

Seit fast drei Wochen vermisse ich meinen Verlobten. Wir arbeiten in derselben Firma in Piding und telefonieren nur alle vier Tage, da die Telefonrechnung sonst zu hoch wird. Ich wohne in Salzburg und mein Schatz in Berchtesgaden. Ich liebe ihn wirklich fürchterlich und möchte ihn auch nächstes Jahr heiraten. 

Durch die Ausgangsbeschränkung und die Sperrung der Grenze können wir uns leider nicht sehen, aber ich vermisse ihn wirklich sehr. Aber wir halten durch und freuen uns schon darauf, wenn wir uns wieder in die Arme nehmen können. Hoffentlich wird alles bald wieder besser. 

Anonym aus Oberbayern

Ich arbeite im Einzelhandel und wir sind seit Wochen am Limit! Es ist nun sicherlich schon die sechste Woche in Folge, in der die Menschen Hamsterkäufe tätigen. Es gibt viele tolle und nette Kunden: "Danke, dass es Euch gibt!" Aber die meisten nehmen die Dringlichkeit der Ausgangsbeschränkung nicht ernst. Es kommen Familien mit Kindern und Babys und viele Kunden ignorieren unsere Warnungen, die wir über Lautsprecher und Plakate verbreiten. 

Wir werden angegangen von Kunden jeden Alters: "Warum kann ich nur eins davon kaufen? Warum habt ihr dies und das nicht?" Es ist schon so, dass ich Leute anschreien muss, die mir ohne Rücksicht auf Abstand sehr nahekommen. Bisher habe ich auch keinen einzigen Polizisten gesehen, der mal durch unseren Laden gehen und Präsenz zeigen könnte. 

Das macht mich wütend! Besonders in größeren Märkten, wie unserer ist, könnte die Polizei Verweise geben wie Sand am Meer. Nicht nur draußen in der Natur treffen sich Leute und machen Familienausflüge - nein, auch in den Supermärkten. Bleibt gesund, denn auch wir wollen gesund bleiben!

Die nächsten persönlichen Geschichten werden am Montag, 6. April, in einem neuen Artikel veröffentlicht 

Wie erlebt Ihr die Coronakrise? Erzählt uns Eure Geschichte

Erzählt uns, was Euch bewegt und schickt eine Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: "Corona" im Betreff). Die OVB24-Redaktion freut sich über Eure Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen. 

Natürlich könnt Ihr uns auch mitteilen, was Euch sorgt und ängstigt in diesen Tagen und gerne auch, was Euch in dieser Zeit Freude macht. Bitte sendet uns neben Euren Zeilen, Fotos oder Videos auch unbedingt Euren kompletten Namen und Euren Wohnort.

Wir wollen unsere Reichweite aber auch nutzen, um Menschen miteinander zu verbinden und zur Nachbarschaftshilfe aufrufen. Deswegen haben wir sechs Facebook-Gruppen ins Leben gerufen: #rosenheim24 / #chiemgauhältzusammen / #innsalzachhältzusammen / #bglandhältzusammen / #wasserburghältzusammen / #mangfallhältzusammen

Coronavirus im Freistaat Bayern

Das Coronavirus breitet sich rasant aus. Im Freistaat Bayern hat das Virus 307 Todesfälle (Stand: Freitag, 3. April, 11 Uhr) gefordert. Auch in den Landkreisen Rosenheim, Traunstein, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Altötting gibt es bereits mehrere Todesfälle. Restaurants bleiben geschlossen, ausgenommen ist die Lieferung und Ausgabe von Speisen für zu Hause. 

Zudem hat Ministerpräsident Markus Söder, die am Freitag, 20. März, beschlossene weitreichende Ausgangsbeschränkung in Bayern, am Montag, 30. März verlängert. Die Maßnahmen gelten nun bis mindestens Sonntag, 19. April. Das Verlassen der eigenen Wohnung ist also nur bei Vorliegen triftiger Gründe erlaubt. Dazu zählen unter anderem der Weg zur Arbeit, notwendige Einkäufe, Arzt- und Apothekenbesuche, Hilfe für andere, Besuche von Lebenspartnern, aber auch Sport und Bewegung an der frischen Luft - dies aber nur alleine oder mit den Personen, mit denen man zusammenlebt.

Bleibt gesund! #wirhaltenzusammen

jg

Quelle: rosenheim24.de

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