So erleben unsere Leser die Coronakrise

"Wird die ganze Situation nur verschärfen": Arzthelferin wütend über Kontaktpersonen-Regelung

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Zahlreiche Leser haben der OVB24-Redaktion ihre persönlichen Geschichten in der Coronakrise erzählt.

Landkreis - Es ist eine Ausnahmesituation, wie sie bisher fast noch niemand erlebt hat. Doch wie geht Ihr mit der aktuellen Coronakrise um? Zahlreiche Leser/-innen haben der Redaktion ihre persönlichen Erlebnisse geschildert.

Die Corona-Pandemie schränkt weiter den Alltag der Menschen ein und bringt das öffentliche Leben allmählich zum Erliegen. Doch wie erlebt Ihr die Coronakrise? Wir haben Euch gefragt und gebeten, uns Eure positiven oder negativen Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen zu erzählen. Zahlreiche Leser/-innen haben sich auf unseren Aufruf gemeldet:


Wir haben Eure Geschichten gesammelt

Anonym aus dem Landkreis Rosenheim

Mich betrübt das Verhalten vieler älterer Menschen und auch Familien. Es ist wirklich auffallend, wie viele alte Ehepaare auf einmal gemeinsam einkaufen gehen. Teilweise mehrmals wöchentlich. Dabei schützen sie weder sich, noch andere. Im Gegenteil, sie verhalten sich sehr egoistisch und unsozial. Vielleicht vergessen sie ja auch die ganzen Vorsichtsmaßnahmen von der Wohnungstür bis zur Haustür.


Ich bin Ü60 und lungenkrank, berufstätig in einem "systemrelevanten" Beruf und trage seit dem ersten Tag einen Mund-Nasenschutz und Handschuhe wenn ich einkaufen gehe, oder eine andere öffentliche Einrichtung betrete. Vor der Maskenpflicht bin ich immer schräg angeschaut worden. Ich wurde auch bewusst bedrängt und als paranoid beschimpft. So einkaufen zu gehen ist ein Spießrutenlauf im LK Rosenheim. Wobei die Herren deutlich toleranter sind und sich auch eher schützen.

Ich bin vor ein paar Tagen ganz bewusst zum Baummarkt gefahren und habe mir den Parkplatz angeschaut. Es ist erschütternd wie voll diese Parkplätze waren. Was gibt es da für überlebenswichtige Produkte? Was machen alte, fast gehunfähige Menschen in einem Baumarkt? Warum muss die ganze Familie in den Baumarkt? Was macht das Girlie mit dem Goldtäschchen im Baumarkt? Macht ruhig so weiter und wir werden deutlich mehr Einschränkungen und Einbußen haben. Diese Einbußen werden nicht nur die Geschäfte und Betriebe haben, nein, wir alle werden sie haben und das über einen langen, sehr langen Zeitraum.

Nützliche Links zu Corona:

Anonym aus dem Chiemgau

Es ist mal Zeit etwas loszulassen: Ich bin im medizinischen Bereich tätig und kann das ganze Vorgehen der Regierung und des Gesundheitsamtes nicht verstehen! Man bekommt von keinem eine richtige Antwort, weil sich definitiv keiner auskennt. Man soll wenn man mit einer positiv getesteten Person zusammenlebt, trotzdem in die Arbeit gehen, weil man ja noch keine Symptome hat und das auch noch als Arzthelferin, wo man so viel Kontakt mit Mitmenschen hat, die eventuell Erkrankungen haben? Da fragt man sich schon warum dann der ganze Aufstand der Regierung, wenn man so handelt.

Immer wird gesagt, dass Pflegekräfte weniger werden, warum schützt man diese dann nicht? Genau in einer solchen Zeit ist es ja wichtig, dass wir nicht noch weniger werden im medizinischen Bereich, weil wir gebraucht werden. Aber wenn dann so fahrlässig gehandelt wird, wundert es mich nicht, dass die ersten Krankenhäuser schließen, weil so viel Personal infiziert ist. Und warum? Weil wir vom Gesundheitsamt in die Arbeit geschickt werden, weil wir ja noch keine Symptome haben, obwohl die Mutter oder der Vater im gleichen Haushalt positiv getestet wurde. Das ergibt für mich keinen Sinn.

Man hat als Arzthelferin oder allgemein im medizinischen Bereich so viel Verantwortung den Menschen gegenüber und der Staat tut einfach viel zu wenig. Ganz im Gegenteil, man verdient schlecht in diesem Beruf obwohl jeder froh sein kann, dass es Menschen wie uns gibt, die einem helfen wollen. Ich bin Arzthelferin aus Überzeugung, weil es nichts Besseres gibt als anderen Mitmenschen zu helfen, das ist das schönste Gefühl überhaupt.

Im Fernsehen und in der Presse wird alles immer beschönigt, wie sehr man sich doch einsetzt, aber was passiert? Jetzt in den Wochen haben sich so viele nicht an die Ausgangsbeschränkung gehalten, waren in Gruppen unterwegs, sind weit weg zum Spazieren gefahren, haben die Zeit genutzt, um Familienangehörige zu besuchen oder sind auf den Bergen unterwegs gewesen, obwohl die Bergwacht gebeten hat es nicht zu tun, aufgrund der vielen Abstürze. Und was ist passiert? Wieder nichts!

Hat es nicht geheißen die Polizei ahndet die Personen, die sich nicht daran halten? Und was ist passiert? Man spricht einer Frau, die wilde Tiere füttert, da sie sonst sterben ein Bußgeld aus? Das ist einfach nur noch traurig! Es sollte Bußgeldverfahren geben, wenn sich Mitbürger nicht an den Mindestabstand halten? Und wer ist dem nachgegangen? Wenn ich einkaufen war haben sich Leute so oft dicht an einen gedrängelt, da frag ich mich, bekommen die keine Nachrichten mit oder sind sie einfach so egoistisch.

Wir als medizinisches Personal haben keine Schutzmasken mehr, weil natürlich die halbe Bevölkerung sich welche zulegen musste, ist das Sinn der Sache? Wir, die Tag und Nacht in Krankenhäusern oder Arztpraxen tätig sind und Menschen helfen, können uns selbst nicht mehr schützen, das kann doch nicht sein. Ist das der Dank dafür? Es passiert einfach nichts!

Es ist nun erlaubt sich mit einer weiteren Person an der frischen Luft aufzuhalten, welcher Sinn steckt dahinter? Das ist Ansteckung hoch tausend. Heute treffe ich mich mit dieser Freundin, morgen mit der anderen, das ist fahrlässig und wird die ganze Situation nur verschärfen, da die Option jemanden anzustecken noch mehr gegeben ist.

Manchmal frage ich mich echt in welcher Gesellschaft wir leben, uns allen geht es zu gut, wir haben Handys, Telefone, Fernseher, Internet und immer genug zu essen und trinken. Warum mussten alle hamstern, ich bin auch normal einkaufen gegangen wie sonst auch und habe alles bekommen. Ich denke uns geht es in Deutschland einfach zu gut und wir haben mittlerweile Luxusprobleme! Ist es zu viel verlangt einfach mal auch an andere zu denken, an die alte Generation. Hätte sich jeder an die Vorschriften gehalten, wäre es bestimmt nicht zu so vielen Infizierten gekommen, aber was wurde unternommen? Eigentlich nichts! Meiner Meinung nach hätte die Regierung viel verschärfter handeln sollen.

Weitere Geschichten unserer Leser, Reportagen und Service-Artikel zum Coronavirus findet Ihr in unserem großen Wegweiser durch die Berichterstattung

Ella aus Altötting

Mein Weg mit dem Hund führt mich sehr oft an der Covid-19-Teststation vorbei, die jetzt im Alt-Neuöttinger Hallenbad eingerichtet ist. Die Abfalleimer dort sind jetzt voll mit chirurgischen Mundschutzen; insbesondere an den Wochenenden scheinen sie nicht geleert zu werden. Wenn man bedenkt, welche Hygieneratschläge für den Hausmüll bei einer Coronavirusinfektion gelten, ist eine mehrfach tägliche Leerung der Abfalleimer am Hallenbad unerlässlich.

Auch sollte man den Parkplatz vor dem Hallenbad mit Schranken nachts und am Wochenende absperren. Er ist zum Party-Hotspot für Jugendliche geworden. Zahlreiche Bierflaschen etc. legen besonders am Sonntagmorgen beredtes Zeugnis ab.

Ulrika aus Salzburg 

Für mich ist die Situation sehr schwierig. Mein Verlobter Andreas lebt in Deutschland und wir können uns seit einen Monat nicht sehen. Telefonieren ist zu teuer, wenn wir reden können dann nur für 10 Minuten. Wir wollen auch heiraten und dazu fehlt uns aber auch das nötige Geld. Wir arbeiten in der Lebenshilfe in derselben Abteilung. Es ist jetzt nicht einfach für uns beide, ich kann nicht über die deutsche Grenze und er auch nicht. Wir hoffen beide auf ein Wiedersehen und dass wir uns in die Arme nehmen können. Ich vermisse meine große Liebe einfach.

Umfrage

Renate aus Oberbayern

Warum gibt es in den Schulen keine Pflicht zum Tragen eines Mundschutzes? Weil es den Lehrern für 4 Stunden Unterricht nicht zugemutet werden kann? Das ist wohl ein bisschen daneben. Anderen Berufsgruppen werden sogar 8 Stunden mit Mundschutz zugemutet und das bei körperlicher Arbeit. Sind in der Schule dann Lehrer und Schüler immun gegen Corona? Das muss man nicht verstehen, das ist unverständlich und wohl noch einmal zu überlegen!

Die nächsten persönlichen Geschichten werden am Donnerstag, 30. April, in einem neuen Artikel veröffentlicht.  

Wie erlebt Ihr die Coronakrise? Erzählt uns Eure Geschichte

Erzählt uns, was Euch bewegt und schickt eine Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: "Corona" im Betreff). Die OVB24-Redaktion freut sich über Eure Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen. 

Natürlich könnt Ihr uns auch mitteilen, was Euch sorgt und ängstigt in diesen Tagen und gerne auch, was Euch in dieser Zeit Freude macht. Bitte sendet uns neben Euren Zeilen, Fotos oder Videos auch unbedingt Euren kompletten Namen und Euren Wohnort.

Wir wollen unsere Reichweite aber auch nutzen, um Menschen miteinander zu verbinden und zur Nachbarschaftshilfe aufrufen. Deswegen haben wir sechs Facebook-Gruppen ins Leben gerufen: #rosenheim24 / #chiemgauhältzusammen / #innsalzachhältzusammen / #bglandhältzusammen / #wasserburghältzusammen / #mangfallhältzusammen

Coronavirus im Freistaat Bayern

Das Coronavirus breitet sich rasant aus. Im Freistaat Bayern hat das Virus bereits 1.754 Todesfälle (Stand: Mittwoch, 29. April, 14.30 Uhr) gefordert. Auch in den Landkreisen Rosenheim, Traunstein, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Altötting gibt es bereits mehrere Todesfälle. Restaurants bleiben weiterhin geschlossen, ausgenommen ist die Lieferung und Ausgabe von Speisen für zu Hause. 

Ministerpräsident Markus Söder hat die am Freitag, 20. März, beschlossene Ausgangsbeschränkung in Bayern, am Dienstag, 28. April nochmal verlängert. Die Maßnahmen gelten nun bis mindestens Sonntag, 10. Mai. Doch es wurden auch Lockerungen beschlossen: Seit Montag, 20. April, darf man wieder Kontakt zu EINER anderen Person außerhalb des eigenen Haushalts/der eigenen Familie haben. Damit soll vor allem Alleinstehenden geholfen werden, wie Söder in einer Pressekonferenz mitteilte. 

Seit Montag, 27. April dürfen Geschäfte mit einer Fläche bis zu 800 Quadratmetern sowie Buchhandlungen wieder aufsperren. Ebenfalls seit 27. April herrscht in Bayern eine Maskenpflicht in allen Geschäften und im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Friseure können ab Montag, 4. Mai, wieder öffnen, allerdings nur unter strengen Hygieneauflagen. Auch Gottesdienste und Demonstrationen sind ab 4. Mai in Bayern wieder unter strengen Auflagen wieder erlaubt.

Bleibt gesund! #wirhaltenzusammen

jg/fn

Quelle: rosenheim24.de

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