So erleben unsere Leser die Coronakrise

Thansauerin: "Es ist schon traurig, dass man selbstgenähte Mundschutzmasken klaut"

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Zahlreiche Leser haben der OVB24-Redaktion ihre persönlichen Geschichten in der Coronakrise erzählt. 

Landkreis - Es ist eine Ausnahmesituation, wie sie bisher fast noch niemand erlebt hat. Doch wie geht ihr mit der aktuellen Coronakrise um? Zahlreiche Leser/-innen haben der Redaktion ihre persönlichen Erlebnisse geschildert.

Die Corona-Pandemie schränkt zunehmend den Alltag der Menschen ein und bringt das öffentliche Leben allmählich zum Erliegen. Doch wie erlebt Ihr die Coronakrise? Wir haben Euch gefragt und gebeten, uns Eure positiven oder negativen Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen zu erzählen. Zahlreiche Leser/-innen haben sich auf unseren Aufruf gemeldet:


Wir haben Eure Geschichten gesammelt

Andreas aus Töging

Ich arbeite in einem Baumarkt in Mühldorf und Gott sei Dank sind mein Mann und ich bislang gesund. Besonders froh bin ich über meinen Arbeitgeber, denn ich bekomme weiterhin 90 Prozent meines Nettolohns. Die Woche bevor wir schließen mussten, hatten wir ein Sicherheitsdienst engagiert, der dafür sorgte, dass keine Kinder mit ins Geschäft gebracht und auch der Mindestabstand eingehalten wurde. Doch leider waren einige Kunden sehr uneinsichtig, sodass diese das Geschäft verlassen mussten. Genau durch solch Uneinsichtige mussten wir auch schließen. 


Ein Fall wird mir so schnell nicht in Vergessenheit geraten: Wir hatten die Kasse im Außenbereich geöffnet, aber nur als Ausgang, doch da haben sich einige Kunden nichts draus gemacht und sind hierüber in unseren Baumarkt gekommen. Sie sind am Sicherheitsdienst vorbei, mit den Kindern an der Hand. Als ich sie angesprochen und daraufhin gewiesen habe, dass die Kinder nicht mitgebracht werden dürfen, wurden die Eltern sehr ungehalten und wiesen mich zurecht, dass die Großeltern der Kinder 60 Jahre und älter sein und deswegen nicht aufpassen können/dürfen. Ich gab zur Antwort, dass ich auch 60 Jahre alt bin, und Kollegen habe, die noch älter sind und dass eben der Grund sei, wieso Kinder nicht ins Geschäft gelassen werden. Eine alte Frau mischte sich daraufhin ein und wies mich zurecht, dass Corona auch nicht schlimmer als eine Grippe sei. Mein Gott, wie dumm doch manche Menschen sind. Mir graut es!

Gerlinde aus Thansau

Es ist schon traurig, dass man selbstgenähte Mundschutzmasken klaut. So ist es nämlich in Thansau geschehen. Meine Tochter nähte zehn Masken für die Angestellten einer Arztpraxis. Um die Abwicklung kontaktfrei zu gestalten, wurde vereinbart, die Masken vor der Tür am Morgen abzuholen. Leider wurde die Tüte geklaut. Wir sind zutiefst enttäuscht und können es nicht fassen, wie die Leute ticken.

Weitere Geschichten unserer Leser, Reportagen und Service-Artikel zum Coronavirus findet Ihr in unserem großen Wegweiser durch die Berichterstattung

Werner aus Westaustralien

Hallo nach Bayern. Ich bin 71 Jahre alt und lebe derzeit in Westaustralien. Was ich da bei Euch für Geschichten lese, lässt mich nur den Kopf schütteln. Hier ist auch das Virus verbreitet. Es gibt auch Beschränkungen, aber die Leute hier sehen das wesentlich unverkrampfter. In Deutschland läuft alles typisch deutsch ab. Da kommt die deutsche Art durch, die im Rest der Welt uns Deutsche "so beliebt" macht. 

Ich wollte eigentlich jetzt bald zurück, weil bei uns langsam Sommer wird, aber so wie sich da alle aufführen, reicht es mir schon wieder. Wenn nur diese Gschaftlhuber jemanden denunzieren können... Hier im Supermarkt wird keiner blöd angemacht und die Leute halten Abstand und sind alle freundlich!

Bärbel aus Oberbayern

Ein Gedicht für alle, die wie ich glauben:

"Ostern, de Zeit fürs Neie!

Ostern, mei wie is des sche! 

De Sunn, de kimmt! Da Winter geht!

Mir gfrein uns, dass ois leben ofangt! 

Draußen sein, ois bliad und rankt!

Da Herrgott hods uns zoagt, wias is! 

Nach na dunklen Zeit werds bunt, des is gwiss!

Nu nia hod de Welt mehr auf des ghofft und gwart!

I woas, boid geht's bergauf, es kimmt da Neustart!

Doch lerna soi ma olle drauß! 

Ned wieder schnell schnell und leben in Saus und Braus!

Beinandsei, sich gern hom derfn und einfach a Zfriedenheit bei Gross und Kloa! 

I wünsch ma zu Ostern, dass mein Traum werd woa!"

Andreas aus Oberbayern

Ich bin Lkw-Fahrer und mit einem Hängerzug unterwegs. Wir fahren Hackschnitzel, auch frisch aus dem Wald, in die Heizkraftwerke nach Salzburg, Kufstein und auch nach St. Johann in Tirol. In der Industrie gibt es fast keine Abfälle mehr, was natürlich zu Problemen führt, da manche dieser Anlagen bald kein Material mehr haben. 

Früher mussten wir stundenlang warten, um im Kraftwerk abzuladen. Heute ist man fast der einzige Lkw. Man kann sofort abladen und die Bunker sind fast leer. Aus Polen oder Ungarn kommen gar keine Lkws mehr, es gibt einfach nix mehr. Auch auf den Autobahnen macht sich das bemerkbar. Zum Übernachten gibt es so viele freie Plätze wie noch nie.

Die nächsten persönlichen Geschichten werden am Sonntag, 12. April, in einem neuen Artikel veröffentlicht.  

Wie erlebt Ihr die Coronakrise? Erzählt uns Eure Geschichte

Erzählt uns, was Euch bewegt und schickt eine Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: "Corona" im Betreff). Die OVB24-Redaktion freut sich über Eure Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen. 

Natürlich könnt Ihr uns auch mitteilen, was Euch sorgt und ängstigt in diesen Tagen und gerne auch, was Euch in dieser Zeit Freude macht. Bitte sendet uns neben Euren Zeilen, Fotos oder Videos auch unbedingt Euren kompletten Namen und Euren Wohnort.

Wir wollen unsere Reichweite aber auch nutzen, um Menschen miteinander zu verbinden und zur Nachbarschaftshilfe aufrufen. Deswegen haben wir sechs Facebook-Gruppen ins Leben gerufen: #rosenheim24 / #chiemgauhältzusammen / #innsalzachhältzusammen / #bglandhältzusammen / #wasserburghältzusammen / #mangfallhältzusammen

Coronavirus im Freistaat Bayern

Das Coronavirus breitet sich rasant aus. Im Freistaat Bayern hat das Virus 564 Todesfälle (Stand: Donnerstag, 9. April, 13.30 Uhr) gefordert. Auch in den Landkreisen Rosenheim, Traunstein, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Altötting gibt es bereits mehrere Todesfälle. Restaurants bleiben geschlossen, ausgenommen ist die Lieferung und Ausgabe von Speisen für zu Hause. 

Zudem hat Ministerpräsident Markus Söder, die am Freitag, 20. März, beschlossene weitreichende Ausgangsbeschränkung in Bayern, am Montag, 30. März verlängert. Die Maßnahmen gelten nun bis mindestens Sonntag, 19. April. Das Verlassen der eigenen Wohnung ist also nur bei Vorliegen triftiger Gründe erlaubt. Dazu zählen unter anderem der Weg zur Arbeit, notwendige Einkäufe, Arzt- und Apothekenbesuche, Hilfe für andere, Besuche von Lebenspartnern, aber auch Sport und Bewegung an der frischen Luft - dies aber nur alleine oder mit den Personen, mit denen man zusammenlebt.

Bleibt gesund! #wirhaltenzusammen

jg

Quelle: rosenheim24.de

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