So erleben unsere Leser die Coronakrise

Frühjahrs-Lebkuchen gegen Langeweile und der Wunsch nach mehr Eigenverantwortung und Normalität

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Zahlreiche Leser haben der OVB24-Redaktion ihre persönlichen Geschichten in der Coronakrise erzählt. Unsere Leserin Renate aus Ampfing hat zB. diese "Frühjahrs-Lebkuchen" gebacken. 

Landkreis - Es ist eine Ausnahmesituation, wie sie bisher fast noch niemand erlebt hat. Doch wie geht Ihr mit der aktuellen Coronakrise um? Zahlreiche Leser/-innen haben der Redaktion ihre persönlichen Erlebnisse geschildert.

Die Corona-Pandemie hat auch Bayern fest im Griff. Doch wie erlebt Ihr die Coronakrise? Wir haben Euch gefragt und gebeten, uns Eure positiven oder negativen Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen zu erzählen. Zahlreiche Leser/-innen haben sich auf unseren Aufruf gemeldet:


Wir haben Eure Geschichten gesammelt

Nadine aus dem Landkreis Erding

Es ist einerseits erschreckend, keinen direkten Kontakt zu den Freunden, der Familie und dem Arbeitsumfeld mehr zu haben. Andererseits haben wir uns auf die Situation inzwischen eingestellt. Es gibt für die Kinder ein bis zwei mal wöchentlich Onlineunterricht, das Schulmaterial wird per Email versendet und von den Kids am Vormittag bearbeitet. Die Kontakte werden per Skype, WhatsApp und Telefon gehalten und die Kinder spielen darüber sogar mit ihren Freunden oder üben per Skype für die Schule. Auch der ein oder andere Onlinegeburtstag wurde schon gefeiert. 


Die Familie von Nadine aus dem Landkreis Erding grillt derzeit auch öfters mit der Feuertromel.

Die Freizeitgestaltung ist jetzt anders, die Umgebung wird per Radl und zu Fuß neu entdeckt. Kleinigkeiten wie Grillen mit der Feuertrommel, ein Gemeinschaftsspiel, Basteln oder Spielen mit dem Haustier werden wieder zum Highlight. Einkaufen dagegen wird zum Wagnis. Sorgen macht mir, dass noch kein wirkliches Medikament gefunden wurde und auch keine Impfung greifbar ist. Wenn jetzt alles wieder hochgefahren wird und die Schulen öffnen, was passiert dann, sind wir schon aus dem Schneider?

Nützliche Links zu Corona:

Anonym aus dem Landkreis Rosenheim

Inzwischen habe ich den Eindruck, dass das Leben nur noch aus Corona besteht. Corona beherrscht die Medien: Wo bekommt man Masken her, welche Maske ist für welchen Einsatzzweck geeignet, Fallzahlen, Statistiken, vermeintlich neueste Erkenntnisse von Virologen, freie Bettenkapazitäten in Krankenhäusern. Das Leben besteht nicht mehr aus Bildung, Sport, Gemeinschaft und vielem mehr.

Kaum jemand spricht über andere aktuelle Themen, wie z.B. die Dürre, die derzeit ein großes Problem ist. Die Ausgangsbeschränkungen reduzieren das Leben auf Essen, Schlafen, Einkaufen. Alleine und einsam. Ich erlebe, dass die Menschen dadurch teils sehr aggressiv sind. Ich erlebe eine Bespitzelungsmentalität, die mich stark an das Blockwartwesen der ehemaligen DDR erinnert, auch wenn ich diese nur aus Erzählungen kenne. Misstrauen und Angst prägen die wenigen Begegnungen auf die Ferne. Nachbarn zeigen Nachbarn an, die sie wenige Wochen zuvor noch freundlich gegrüßt haben. 

Das muss ein Ende haben. Schnell. Die Zukunft sind die jungen Menschen, nicht die alten Menschen. So hart das klingen mag: Es ist so. Schulen, Kindergärten, Kitas müssen schnellstens wieder öffnen. Das Virus ist da. Es wird so lange gefährlich bleiben, bis es einen Impfstoff gibt und alle Menschen damit versorgt sind. Bis dahin kann man die Menschheit nicht einsperren. Klaus Püschel, Rechtsmediziner aus Hamburg, obduziert Gestorbene. Sein Fazit ist, dass 99% Vorerkrankungen hatten und sowieso binnen eines Jahres gestorben wären. Wenn bei einem kranken Menschen ein Corona-Test positiv ist, kommt er in die Corona-Statistik und es heißt, dass er an Covid-19 gestorben sei. Das ist falsch. Das Virus ist da, aber die Krankheitssituation ist, wie sie ist.

Niemand spricht über die Toten, die in keiner Corona-Statistik auftauchen. Menschen, die aufgrund der ausweglosen wirtschaftlichen Situation Selbstmord begehen. Menschen, die in ihrer Verzweiflung und Einsamkeit zu Alkohol greifen. Menschen, die an Krebs sterben, weil die Vorsorgeuntersuchungen abgesagt wurden. Menschen, die an Herzproblemen sterben, weil sie Angst haben, in Kliniken zu gehen. Menschen, die sterben, weil (lebens-)notwendige Operationen abgesagt werden. Menschen, die sich zu wenig bewegen, weil sie in Ballungszentren oder Städten leben und kaum eine Chance haben, mit einem Abstand von 1,5 Metern Sport zu treiben, sich mit frischem Sauerstoff zu versorgen oder Sonnenlicht zu tanken. Über die langfristigen physischen und psychischen Folgen und die dramatischen Seiteneffekte wird hartnäckig geschwiegen. Ein fataler Fehler.

Es wird dringend Zeit, dass wir zur Normalität zurückkehren. Der Staat verbietet auch nicht das Autofahren oder den Verkauf von Alkohol im Supermarkt oder zwingt Menschen mit Kontrollen und Bußgeldbescheiden, täglich Sport zu machen. Obwohl es durch Verkehrsunfälle, Alkohol, Bewegungsmangel und den Folgen davon jedes Jahr Tausende von Toten gibt. Das Zauberwort heißt Eigenverantwortung. Auch wenn das für den ein oder anderen unbequem ist, inzwischen weiß jeder, wie er sich schützen kann. Jeder, zum Beispiel auch Menschen, die einer Risikogruppe angehören, kann sich selber schützen. Jeder sollte selber entscheiden, wo er hingeht und welches Risiko er eingeht. Eine ganze Menschheit wegzusperren, bis ein Impfstoff da ist, ist falsch und hat verheerende langfristige Auswirkungen. Denn das Leben besteht nicht nur aus Corona.

Weitere Geschichten unserer Leser, Reportagen und Service-Artikel zum Coronavirus findet Ihr in unserem großen Wegweiser durch die Berichterstattung

Maria aus dem Chiemgau 

Am Freitag, den 13. März hätte nicht mal der schwärzeste Schwarzseher geglaubt, wie sich die Welt innerhalb von 2 Tagen komplett verändert. Ich zweifle ganz stark daran, dass die Politiker nur annähernd eine Vorstellung von den Ausmaß der Schäden, die sich nachziehen werden, berechnet hatten. Man braucht nur eins und eins zusammen zählen, dafür braucht sicher keiner ein Studium. 

Nach fünf Wochen absolutem Gehorsam kann ich mittlerweile sogar verstehen, wenn "gefährdete" Personen die Ausgangssperre ignorieren; wenn mir nur noch eine kurze Zeit zum Leben bliebe, würde ich auch das Leben in Freiheit vorziehen.

Anonym aus Prien am Chiemsee

Ganz ehrlich, mir gehen diese rücksichtslosen Egoisten, die nach Verschärfung der Maßnahmen und höheren Strafen schreien, so dermaßen auf die Nerven. Dann auch noch diese anonyme Person, die hier gefordert hat, man solle gefälligst alle wegsperren, die sich nicht an die Verbote halten. Für wen hält die sich eigentlich? 

An die Menschen, die durch diese wirklich mehr als überzogenen Einschränkungen ihre Existenz verlieren, denken die noch nicht mal den Bruchteil einer Sekunde. Die haben eine wirklich asoziale Einstellung: Mir egal, wenn alle pleite gehen, Hauptsache ich werde nicht krank! Für eine winzig kleine Risikogruppe wird alles zerstört. Dass über 90% (fast) keine Symptome entwickeln, ist doch der beste Beweis dafür, dass es sich um eine normale Grippe handelt! Und: Was nützt Euch Eure Gesundheit, wenn Ihr nichts mehr zum Leben und keine Freiheiten habt? Nichts!

Umfrage

Renate aus Ampfing

Nun wurde das Oktoberfest abgesagt. Schade, denn ich bin eine begeisterte Besucherin des Festes, aber in diesem Falle ist es wirklich mehr als vernünftig. Es wäre ein Ding der Unmöglichkeit, dort den Überblick zu behalten und alles einzuhalten, um nicht eine zweite Krise herauszufordern. Das Modell "Schweden" finde ich ebenfalls nicht gerade gut. Freilich heißt es seit eh und je: "Verbotenes reizt um so mehr." Aber wie man auf Fotos sieht, bewegen sich die Menschen dort doch in sehr enger Zone (Cafe's z.B.) und das kann auch da nicht gut gehen, denn das gehört nicht zur "dort selbstverständlich bezeichnenden Vernunft" der Menschen.

Meine Meinung ist, einfach wirklich eine geraume Zeit zu geben, in der man sich an die Regeln hält. Anders ist diese Situation nicht in den Griff zu bekommen. Corona will ich gar nicht mehr in den Mund nehmen oder schreiben, denn was da alles auf WhatsApp so rumgeht, welcher "Schitt und Schotter", um es nicht schlimmer zu bezeichnen, ist unmöglich!

Ebenfalls pflichte ich anderen Schreiberinnen und Schreibern bei, dass sehr viel Unvernunft herrscht, dass natürlich alle "Dienstleistenden" besser bezahlt werden sollten usw. Übrigens, ich habe schon längere Zeit einen selbstgenähten weiß/blauen Mundschutz, zwar mit Herzchen - und siehe da, Herr Söder präsentierte sich vor einigen Tagen ebenfalls mit weiß/blau! Schön, so soll Bayern wenigstens zusammenhalten und ich bin schon der Meinung, unser Ministerpräsident ist auf dem richtigen Weg.

Unsere Leserin Renate aus Ampfing vertreibt sich die Zeit unter anderem mit Backen. Auf dem Foto trägt sie ihren bayerischen Mundschutz. 

Langeweile kommt bei mir nach wie vor nicht auf, habe von noch "nicht abgelaufenen, weihnachtlichen Backzutaten" kürzlich so richtige Hauslebkuchen gebacken und Freude damit bereitet, indem ich auch welche verschenkte. Ich gehe dann auch immer wieder für mir nahe stehende, liebe Freunde einkaufen, denen es selber nicht möglich ist.

Die nächsten persönlichen Geschichten werden am Sonntag, 3. Mai, in einem neuen Artikel veröffentlicht.  

Wie erlebt Ihr die Coronakrise? Erzählt uns Eure Geschichte

Erzählt uns, was Euch bewegt und schickt eine Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: "Corona" im Betreff). Die OVB24-Redaktion freut sich über Eure Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen. 

Natürlich könnt Ihr uns auch mitteilen, was Euch sorgt und ängstigt in diesen Tagen und gerne auch, was Euch in dieser Zeit Freude macht. Bitte sendet uns neben Euren Zeilen, Fotos oder Videos auch unbedingt Euren kompletten Namen und Euren Wohnort.

Wir wollen unsere Reichweite aber auch nutzen, um Menschen miteinander zu verbinden und zur Nachbarschaftshilfe aufrufen. Deswegen haben wir sechs Facebook-Gruppen ins Leben gerufen: #rosenheim24 / #chiemgauhältzusammen / #innsalzachhältzusammen / #bglandhältzusammen / #wasserburghältzusammen / #mangfallhältzusammen

Coronavirus im Freistaat Bayern

Das Coronavirus breitet sich rasant aus. Im Freistaat Bayern hat das Virus bereits 1.907 Todesfälle (Stand: Samstag, 2. Mai, 10.30 Uhr) gefordert. Auch in den Landkreisen Rosenheim, Traunstein, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Altötting gibt es bereits mehrere Todesfälle. Restaurants bleiben weiterhin geschlossen, ausgenommen ist die Lieferung und Ausgabe von Speisen für zu Hause. 

Ministerpräsident Markus Söder hat die am Freitag, 20. März, beschlossene Ausgangsbeschränkung in Bayern, am Dienstag, 28. April nochmal verlängert. Die Maßnahmen gelten nun bis mindestens Sonntag, 10. Mai. Doch es wurden auch Lockerungen beschlossen: Seit Montag, 20. April, darf man wieder Kontakt zu EINER anderen Person außerhalb des eigenen Haushalts/der eigenen Familie haben. Damit soll vor allem Alleinstehenden geholfen werden, wie Söder in einer Pressekonferenz mitteilte. 

Seit Montag, 27. April dürfen Geschäfte mit einer Fläche bis zu 800 Quadratmetern sowie Buchhandlungen wieder aufsperren. Ebenfalls ab 27. April herrscht in Bayern eine Maskenpflicht in allen Geschäften und im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV)Friseure können ab Montag, 4. Mai, wieder öffnen, allerdings nur unter strengen Hygieneauflagen. Ebenfalls ab 4. Mai sind in Bayern Gottesdienste und Demonstrationen unter strengen Auflagen wieder erlaubt.

Bleibt gesund! #wirhaltenzusammen

jg/ha

Quelle: rosenheim24.de

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