So erleben unsere Leser die Coronakrise

Eine Geste, die zu Tränen rührt und der Wunsch nach Zusammenhalt

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Zahlreiche Leser haben der OVB24-Redaktion ihre persönlichen Geschichten in der Coronakrise erzählt. 

Landkreis - Es ist eine Ausnahmesituation, wie sie bisher fast noch niemand erlebt hat. Doch wie geht ihr mit der aktuellen Coronakrise um? Zahlreiche Leser/-innen haben der Redaktion ihre persönlichen Erlebnisse geschildert.

Die Corona-Pandemie schränkt zunehmend den Alltag der Menschen ein und bringt das öffentliche Leben allmählich zum Erliegen. Doch wie erlebt Ihr die Coronakrise? Wir haben Euch gefragt und gebeten, uns Eure positiven oder negativen Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen zu erzählen. Zahlreiche Leser/-innen haben sich auf unseren Aufruf gemeldet:


Wir haben Eure Geschichten gesammelt

Anonym aus dem Landkreis Traunstein

Meine 96-jährige Mutter lebt in einem Salzburger Altenheim. Sie hat zwar COPD, kommt aber ganz gut damit zurecht. Sie ist im Kopf noch fit und so fuhr ich (am Chiemsee lebend) in den letzten Monaten jeden Samstag nach Salzburg, um mit ihr Kaffee zu trinken und anschließend Karten zu spielen. Das war bis jetzt das Highlight der Woche für sie. Seit der Kontaktsperre fühlt sie sich in ihrem Zimmer eingesperrt und ich habe Angst, dass sie jetzt an der Isolation stirbt. Man könnte sagen, dass sie mit 96 Jahren ihr Leben gelebt hat, aber so ein Ende, bei dem ich sie nicht begleiten kann, wollte ich nie für meine Mutter.


Renate aus Ampfing

Ja, es ist traurig, dass in einer Zeit wie dieser so eine schlimme Krise über die "Welt" hereinbricht. Bloß ist so manches mit ganz normalem Verstand nicht zu verstehen. Zum Beispiel Masken, diese sollen in Geschäften eingeführt werden, die eine Verkaufsfläche ab 400 Quadratmeter haben. Kann bei ca. 300 Quadratmeter das Virus nicht mehr auf den anderen "springen"? Utopisch! 

Kennt Corona eine Maßangabe? Und weiß Corona, dass die Leute in Schweden andere Regeln haben und sagt dann: "Ach, die verschonen wir"? Freilich sind große Menschenansammlungen sehr gefährlich, aber solche Begrenzungen? Ich verstehe vieles nicht, aber ich halte mich jedoch auf alle Fälle an die vorgegebenen Regeln, gehe nur zum Einkaufen, wenn es sein muss und dann eben mit Abstand und desinfiziere sowie wasche meine Hände regelmäßig. Ich habe das Glück, auf dem Lande zu wohnen und kann auch in den Garten, was bei vielen nicht der Fall ist. Dass Kinder in engen Wohnungen nicht raus können und dass kleine und mittelständische Betriebe und auch viele Bedienstete sehr darunter leiden, das ist mir wohl bewusst. 

Auch unsere Leserin Renate aus Ampfing schilderte uns ihre Gedanken zur jetzigen Coronakrise. 

Vor allem bin ich auch dafür, dass man endlich mal das Personal in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen nicht nur mit klatschen und singen belohnt. Was da geleistet wird, ist unwahrscheinlich. Ich habe selber privat zehn Jahre rund um die Uhr gepflegt. Trotzdem möchte ich allen Hoffnung machen. Ich bin ein Nachkriegskind von 69 Jahren - und ich weiß, wie es ist arm aufzuwachsen und damals für eine D-Mark in einer fünfköpfigen Familie am Samstagabend endlich mal Wurstaufschnitt zum Essen zu bekommen - mein Bruder und ich ergatterten jeweils eine Scheibe. Ich könnte ein Buch schreiben. Da kam auch keine Hilfe von der Regierung.

Früher gab es kein Homeoffice, lernen über den PC und auch keinen Fernseher. Ich ging mit meiner Mutter, Oma und Bruder zur Kartoffel- und Rübenernte - und wir freuten uns, als wir uns abends mit an den Tisch beim Bauern zum Abendbrot setzen und natürlich auch durchs Kartoffelfeuer springen konnten!

Vor ein paar Tagen sah ich zufällig im Fernsehen zehn Tipps, wie man sich in Zeiten von Corona beschäftigt, weil bei vielen Langeweile auftritt. Ich selbst kann diese Langeweile nicht nachvollziehen. Man kocht und probiert Neues aus, ich dichte, schreibe selber Geschichten, höre gerne Musik und klopfe mit meiner geliebten Teufelsgeige dazu. Ich würde mich freuen, wenn auch der Zusammenhalt untereinander wieder in den Vordergrund gerät. Denn ich selbst helfe auch gerne meinen Mitmenschen. Nun müssen wir eben aus der Coronakrise das Beste machen. Also Kopf hoch, es muss wieder werden. "Duad a jeder seins dazua", wie es so schön auf bayerisch heißt. 

Weitere Geschichten unserer Leser, Reportagen und Service-Artikel zum Coronavirus findet Ihr in unserem großen Wegweiser durch die Berichterstattung

Beate aus dem Landkreis Mühldorf am Inn

Überall liest man von Zusammenhalt und Gemeinschaft. Leider entdecke ich auch eine ganz andere Seite an den Menschen. Ich wohne in einem kleinen oberbayrischen Dorf. Bis vor drei Wochen, wenn man spazieren ging, grüßten alle freundlich, oft entstand eine kurze, nette Unterhaltung. Mit großer Sorge betrachte ich die Veränderung. Großräumig weichen einem die Menschen aus, sehen zu Boden oder auf die Seite. Kein freundliches "Grias di" mehr. Natürlich soll man Abstand halten. Aber vor allem in schwierigen Zeiten ist ein Lächeln oder ein kurzer Gruß doch so wichtig! 

Auch liest man immer wieder von Menschen, die ihre Nachbarn bei der Polizei melden, da zum Beispiel zwei alleinstehende ältere Menschen gemeinsam essen. Ja, was soll denn das? Kann sich denn keiner vorstellen, wie krank Isolation machen kann? Diese zwei treffen sich doch bestimmt nicht, um andere anzustecken. Es ist doch, wie wenn sie einen gemeinsamen Haushalt haben. Ich appelliere an diese Menschen: "Habt doch Verständnis!" Die Politik und die Medien sollen informieren und aufklären. Aber es sieht so aus, als wenn sie vor allem Angst verbreiten. Ich hoffe, wenn diese Zeit vorbei ist, dass sie die Menschen nicht zu sehr auseinander gebracht hat. Denn sonst sind zwar viele gesund, aber alleine und einsam.

Susanne aus Anger

Mein Opa wohnt aufgrund einer Demenz seit 2017 im evangelischen Pflegezentrum Eichenau bei Fürstenfeldbruck. Das Personal dort ist fachlich unglaublich kompetent, aber was noch viel wichtiger ist: Sie haben alle ihr Herz am rechten Fleck, sind liebevoll mit den Bewohnern und versuchen ihnen das Leben im Alter, dass oft mit Widrigkeiten verbunden ist, so würdevoll und angenehm wie möglich zu gestalten. Dafür gebührt Ihnen schon der größte Respekt und Anerkennung!

Die Coronakrise bringt das Pflegeteam momentan sicher an ihre Grenzen. Und trotzdem versuchen sie den Bewohnern und ihren Familien/Angehörigen das getrennt sein und die Isolation, so angenehm wie möglich zu gestalten. So hat mein Papa heute eine Karte aus dem Pflegeheim bekommen. Geschrieben vom Personal, im Namen seines Vaters/meines Opas.

Mein Papa, der sonst mindestens zweimal wöchentlich meinen Opa besucht, hat das zu Tränen gerührt. Die Trennung und die Sorgen um meinen Opa schmerzen ihn, aber diese herzliche Geste hilft ihm über die schwierige Zeit hinweg. Herzlichen Dank liebes Pflege- und Betreuungsteam für diese tolle Idee, aber auch für euer tägliches Engagement und euer Durchhaltevermögen! Bleibt alle gesund!

Ralf aus Rosenheim

Hier veröffentliche ich ein Gedicht von einer Bewohnerin unseres Seniorenheims:

Sonst geht's uns eigentlich gut.

Knapp 40 Jahre gibt’s jetzt das Küpferling Haus,

hat Freud und Leid gesehen.

Die Zeit vergeht tagein – tagaus,

was kann hier schon geschehen?

Corona wird zur Zeit groß beschrieben,

die gemeinschaftlichen Aktivitäten

werden auf Eis geschrieben. 

Da fällt mir ein Gedichtlein ein …

"Alt machen nicht die Jahre

und auch nicht die grauen Haare.

Du bist erst alt, wenn du den Mut verlierst

und dich für nichts mehr interessierst."

Bis Mittag ist noch Zeit,

im Abstand sitzen, ratschen, lachen, singen …

Schmackhaftes Essen wird nun gereicht.

Ja, so ein Koch hat‘s auch nicht leicht.

Danach ein Stündlein schlafen …

und schon ist wieder Kaffeezeit,

ein Stückchen Kuchen liegt bereit.

Und besser noch das Abendbrot

reichhaltig ist das Angebot.

Vorbei ist wieder mal ein Tag.

Zum Danke sagen da fehlen mir die Worte,

das ist nicht so einfach wie das Backen einer Torte!

Nun möchte ich doch noch ein herzliches Danke sagen,

"Dankeschön allen guten Geistern, die auch in der jetzigen Krise alles so toll meistern."

Die nächsten persönlichen Geschichten werden am Dienstag, 7. April, in einem neuen Artikel veröffentlicht 

Wie erlebt Ihr die Coronakrise? Erzählt uns Eure Geschichte

Erzählt uns, was Euch bewegt und schickt eine Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: "Corona" im Betreff). Die OVB24-Redaktion freut sich über Eure Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen. 

Natürlich könnt Ihr uns auch mitteilen, was Euch sorgt und ängstigt in diesen Tagen und gerne auch, was Euch in dieser Zeit Freude macht. Bitte sendet uns neben Euren Zeilen, Fotos oder Videos auch unbedingt Euren kompletten Namen und Euren Wohnort.

Wir wollen unsere Reichweite aber auch nutzen, um Menschen miteinander zu verbinden und zur Nachbarschaftshilfe aufrufen. Deswegen haben wir sechs Facebook-Gruppen ins Leben gerufen: #rosenheim24 / #chiemgauhältzusammen / #innsalzachhältzusammen / #bglandhältzusammen / #wasserburghältzusammen / #mangfallhältzusammen

Coronavirus im Freistaat Bayern

Das Coronavirus breitet sich rasant aus. Im Freistaat Bayern hat das Virus 437 Todesfälle (Stand: Montag, 6. April, 10 Uhr) gefordert. Auch in den Landkreisen Rosenheim, Traunstein, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Altötting gibt es bereits mehrere Todesfälle. Restaurants bleiben geschlossen, ausgenommen ist die Lieferung und Ausgabe von Speisen für zu Hause. 

Zudem hat Ministerpräsident Markus Söder, die am Freitag, 20. März, beschlossene weitreichende Ausgangsbeschränkung in Bayern, am Montag, 30. März verlängert. Die Maßnahmen gelten nun bis mindestens Sonntag, 19. April. Das Verlassen der eigenen Wohnung ist also nur bei Vorliegen triftiger Gründe erlaubt. Dazu zählen unter anderem der Weg zur Arbeit, notwendige Einkäufe, Arzt- und Apothekenbesuche, Hilfe für andere, Besuche von Lebenspartnern, aber auch Sport und Bewegung an der frischen Luft - dies aber nur alleine oder mit den Personen, mit denen man zusammenlebt.

Bleibt gesund! #wirhaltenzusammen

jg

Quelle: rosenheim24.de

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