Weitere persönliche Geschichten unserer Leser

Corona in Bayern: "Schönrederei", unbelehrbare "Party People" und autarke Versorgung

+
Zahlreiche Leser haben der OVB24-Redaktion ihre persönlichen Geschichten in der Coronakrise erzählt. Auch Daniela aus Altötting hat uns die Geschichte ihrer Großfamilie erzählt.

Landkreis - Es ist eine Ausnahmesituation, wie sie bisher fast noch niemand erlebt hat. Doch wie geht ihr mit der aktuellen Coronakrise um? Zahlreiche Leser/-innen haben der Redaktion ihre persönlichen Erlebnisse geschildert.

Die Corona-Pandemie schränkt zunehmend den Alltag der Menschen ein und bringt das öffentliche Leben allmählich zum Erliegen. Doch wie erlebt Ihr die Coronakrise? Wir haben Euch gefragt und gebeten, uns Eure positiven oder negativen Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen zu erzählen. Zahlreiche Leser/-innen haben sich auf unseren Aufruf gemeldet:


Wir haben Eure Geschichten gesammelt

Anonym aus Bayern

"Ich bin ein aĺleinerziehender Vater von einem elfjährigen Jungen. Durch die Schulschließungen kann ich zur Zeit meiner Arbeit leider nicht mehr nachkommen, da ich auf meinen Sohn aufpassen muss. Ich habe meinen Arbeitgeber darauf angesprochen, dass ich anstatt ohne Lohnfortzahlung freigestellt zu werden, lieber im Homeoffice weiter arbeiten möchte, da ich auf das Geld angewiesen bin. Mein Arbeitgeber ging aber auf dieses Angebot nicht ein. 


Stattdessen wurde mir angeboten, dass ich meinen Sohn mit in die Arbeit nehmen soll. Dies ist für mich persönlich nicht akzeptabel. Da ich in keinem Beruf, der in den Bereich der notwendigen Infrastruktur fällt, arbeite, habe ich auch leider keinen Anspruch auf eine Nofallbetreuung. Unsere Politik hat in diesem Moment nicht an die Leute gedacht, die auf ihr Geld angewiesen sind. Und unsere Arbeitgeber sehen zum Teil nur den Mehraufwand, der bei der Einrichtung des Homeoffices anfällt. Ich hoffe aber, dass wir diese Zeit so gut wie möglich miteinander überstehen."

Stefanie aus Oberbayern

"Das Leben als Großfamilie in dieser Krisenzeit ist auch nicht einfach. Ich, Mama von vier Kindern im Alter von acht, sechs, drei und zwei Jahren, betreue meine Kinder nun zu Hause. Wir machen die Schulaufgaben laut Wochenplan, das ist wahrlich gar nicht so einfach, wenn zwei Kinder ihre Aufgaben erledigen sollen, und die anderen rumhüpfen und natürlich auch bespaßt werden wollen. Im Moment bin ich komplett auf mich allein gestellt, da mein Mann beruflich aufgrund des Katastrophenfalls sehr eingespannt ist und wir ihn fast nicht zu Gesicht bekommen. Aber das ist natürlich notwendig und dafür habe ich auch vollstes Verständnis. 

Das sind natürlich alles keine Probleme von denen ich da schreibe, dessen bin ich mir bewusst, aber ich sorge mich um chronisch kranke Menschen, die zur Risikogruppe zählen. Das sind unter anderem auch unsere Eltern, unsere Uroma, viele Familienangehörige und Bekannte bzw. Freunde der Familie. Das ist der Punkt, der mir meine Kraft raubt - die Angst um liebe Menschen, deren Gesundheit, die komplette Ungewissheit, wie es in ein paar Wochen sein wird. Die Ignoranz und der Egoismus vieler, und das ewige "Schönreden" machen mich komplett fassungslos und nur noch wütend. Ich persönlich kann es alleine nicht ändern, aber ich wünsche mir von Herzen, dass der ein oder andere einmal kurz inne hält und überlegt, um was es gerade geht - nicht um Ausgangssperren, nicht um Hamsterkäufe und um Himmels Willen nicht um Klopapier und Nudeln. Es geht um Menschenleben! Es geht um Familien! Es geht um unsere Zukunft."

Valerie aus Rosenheim

"Ich bin eine 68-jährige Risikopatientin und daher statistisch eher gefährdet als die jungen Leute. Ich würde gerne noch etwas leben, auch wenn meine Zeit sowieso begrenzter ist als die der jungen "Party People". Ihr habt noch alles vor Euch. Ist Euch eigentlich bewusst, dass ihr gerade mit eurem rücksichtslosen Verhalten eure eigene Zukunft zerstört? Ihr seid die eigentliche Risikogruppe! Alle Ermahnungen, Bitten, Appelle haben nichts genutzt. 

Immer wieder sehe ich noch junge Leute in Gruppen in den Mangfallpark marschieren. Die Wirtschaft kämpft derzeit ums Überleben, so wie viele Menschen in den Kliniken. Viele, viele Menschen reißen sich den A.... auf und helfen. Ihr werdet bitter aufwachen - wenn Ihr demnächst auf Lehrstellensuche geht, mit dem Studium abschließt und keiner mehr euren tollen Abschluss braucht. Kommt endlich runter, die Party ist over, meine Lieben. Für lange, lange Zeit. Ihr hättet das verhindern können." 

Anonym aus dem Landkreis Traunstein

"Ich arbeite in einem Wohnheim für Menschen mit Behinderung. Ja, wir arbeiten jeden Tag. Und keiner weiß, wie unsere Bewohner die Situation verstehen. Von heute auf morgen wurde ihr komplettes Leben geändert - zu ihrem Schutz. Förderstätten sind geschlossen und es gibt keine Besuche mehr von der Familie. Aber das Schlimmste daran ist, dass unsere Bewohner zur Risikogruppe zählen, da sie Vorerkrankungen besitzen. Im Moment haben sie nur uns Mitarbeiter. 

Und dann sehe ich Leute, die leichtsinnig sind und sich in großen Gruppen treffen oder ähnliches. Ich selber habe meine Kontakte aus Liebe zu meiner Arbeit eingestellt - um die Bewohner zu schützen. Auch wenn es mir schwer fällt, da ich meine Eltern derzeit nicht sehen kann. Es trifft mich sehr, aber die Angst, dass meinen Bewohnern etwas passieren und ich sie anstecken könnte, überwiegt. Leute hört auf, raus zu gehen, wenn es nicht wichtig ist. Achtet auf eure Mitmenschen und euch. Auch wenn es dir gut geht, heißt das nicht, dass du vielleicht nicht schon erkrankt bist. Muss es denn wirklich zu einer kompletten Ausgangssperre für alle kommen? Zeigt endlich mal Nächstenliebe und beweist, dass ihr keine Egoisten seid." 

Jacqueline-Sophie aus Oberbayern

"Ich bin 24 Jahre alt und Mutter von zwei Kindern. Mein Vater, also der Opa meiner Kinder, hat Probleme mit seinem Immunsystem. Ich mache nun alles, um ihn zu schützen. Ich gehe für ihn teilweise einkaufen, obwohl wir 40 Kilometer getrennt voneinander wohnen. Die Einkäufe stelle ich ihm dann immer vor die Haustür. Meine Kinder müssen derweil dann im Auto warten. Wenn wir uns dann trotz allem sehen, halten wir immer mindestens drei Meter Abstand. Meine Kinder verstehen es schwer bis gar nicht, wieso sie nicht zu ihrem geliebten Opa dürfen. Besonders für meine zweijährige Tochter ist das schwer, da sie ein absolutes Opa-Kind ist. 

Aber allein zur Sicherheit halten wir den Abstand ein. Es ist zwar schwer mit zwei kleinen Kindern, aber machbar. Wir alle sollten, so gut es geht, zuhause bleiben. Wir alle besitzen ein Handy, mit dem wir ganz einfach Kontakt zu unseren Liebsten halten können. Bitte haltet euch an die Ausgangsbeschränkungen, damit bald jeder wieder seine Lieblingsmenschen in den Arm nehmen und wieder ein "normales" Leben stattfinden kann. Bitte bleibt alle gesund!"

Daniela aus Altötting

"Ein Kilo Nudeln oder auch ein Kilo Hackfleisch in der Metzgerei und zwei Liter Milch - das ist für uns eine Tagesration. Für Großfamilien wird der wöchentliche Großeinkauf zum Spießrutenlauf. Die Rationierung verschiedener Artikel ist besonders für Familien wie uns problematisch. Und keine Familie möchte sich der Gefahr aussetzen, deshalb die Kinder mitzunehmen oder in mehrere Geschäfte zu gehen. In verschiedenen Gruppen kann man zur Zeit traurige Geschichten lesen. Viele Großfamilien müssen sich unmögliche Kommentare anhören, wenn sie einen Einkauf für ein paar Tage tätigen. Eine weitere Folge unserer egoistischen Ellenbogengesellschaft, die oft nicht weiter denkt, als über den eigenen Tellerrand.

Wir sind eine Großfamilie mit fünf Kindern und ich bin dankbar, mich auch schon vor der Coronakrise ziemlich autark versorgt zu haben. Mehl wird in größeren Mengen hier an der örtlichen Mühle gekauft und Brot selbst gebacken. Gibt es momentan kaum Hefe, ist das auch kein großes Problem. Denn Sauerteig lässt sich ganz einfach aus Roggenmehl und Wasser herstellen. Ansonsten haben wir einiges aus unserem großen Garten eingefroren bzw. eingekocht wie zum Beispiel Gemüse, Marmelade oder Obst. 

Daniela aus Altötting ist Mama von fünf Kindern. In der aktuellen Coronakrise ist sie dankbar dafür, dass sich ihre Großfamilie auch gut selbst versorgen kann. 

Wir haben eine Imkerei und sind somit auch gut mit Honig versorgt. Zusätzlich nutzen wir den wöchentlichen Bauernmarkt sowie Hofläden. Regional und saisonal wird natürlich bevorzugt. So ist es eine Erleichterung, dass momentan keine großen Mengen im Supermarkt gekauft werden müssen. Ein großes Danke an die Landwirte und Erzeuger in unserer Region, die uns mit hochwertigen Lebensmitteln versorgen! Vielleicht erkennen jetzt auch andere Verbraucher, wie wichtig unsere regionale Versorgung ist, die ihr Erzeuger uns gewährleistet. Und das oft unter schwierigen Bedingungen wie trockene Sommer, sinkende Milchpreise, erschwerte Auflagen, 365 Tage Arbeit im Jahr! 

Ebenfalls liebe Grüße an meine Imker-Kollegen, die die Bestäubung unserer Lebensmittel gewährleisten - auch unsere Bedingungen sind oft erschwert. Auch nach der Coronakrise sollten unsere regionalen Erzeuger weiter gestärkt werden, indem man regional und saisonal einkauft!

Und wenn ihr das nächste Mal einkaufen geht, dann urteilt nicht vorschnell. Vielleicht ist es einfach nur eine Familie mit drei Kindern oder mehr, die ihren Einkauf für ein paar Tage tätigt. Einen Großfamilien-Einkauf kann man von einem Hamsterkauf eigentlich gut unterscheiden. Man muss nur etwas genauer hinsehen. Aber dieses Gespür für andere haben viele Menschen in unserer Gesellschaft leider verloren.

Stephi aus Rosenheim

"Ich bin eine alleinerziehende Mama von drei Kindern und derzeit in Elternzeit. Ich muss sagen, dass ich die Menschen nicht verstehe, die Hamsterkäufe tätigen. Auch ältere und hilfsbedürftige Menschen benötigen doch Klopapier und Essen. Die Personen, die jetzt alles weg kaufen, denken wohl nicht an die Personen, die sich keine so großen Einkäufe leisten können. Ich persönlich kann jetzt nicht für Wochen im voraus die Windeln für mein Kind kaufen, da mir dazu das Geld fehlt. Ich bitte die Menschen, die gerade viel Fleisch, Eier und Milch kaufen, dass sie auch an die Personen denken, die weniger Geld haben. Die teuren Produkte, die es weiterhin zu kaufen gibt, kann ich mir leider nicht leisten. Denkt bitte an eure Mitmenschen."

Die nächsten persönlichen Geschichten werden am Mittwoch, 25. März, in einem neuen Artikel veröffentlicht 

Weitere persönliche Geschichten unserer Leser: 

-> Corona in Bayern: Getrennte Familien, komplette Isolation und eine Frau namens "Korona"

-> Corona in Bayern: Wunsch nach Ausgangssperre und der Appell einer Schwangeren

-> Traumjob verloren, Existenzangst und gemischte Gefühle zum Coronavirus in Bayern

-> Corona in Bayern: Getrennte Liebespaare und Unverständnis für Hamsterkäufer

-> Corona in Bayern: Ignorante Rentner, Proben für die Liebe und Wunsch nach Wasserwerfern

-> Coronakrise in Bayern: Der Spagat im Homeoffice und Angst vor der Ungewissheit

Wie erlebt Ihr die Coronakrise? Erzählt uns Eure Geschichte

Erzählt uns, was Euch bewegt und schickt eine Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: "Corona" im Betreff). Die OVB24-Redaktion freut sich über Eure Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen. 

Natürlich könnt Ihr uns auch mitteilen, was Euch sorgt und ängstigt in diesen Tagen und gerne auch, was Euch in dieser Zeit Freude macht. Bitte sendet uns neben Euren Zeilen, Fotos oder Videos auch unbedingt Euren kompletten Namen und Euren Wohnort.

Wir wollen unsere Reichweite aber auch nutzen, um Menschen miteinander zu verbinden und zur Nachbarschaftshilfe aufrufen. Deswegen haben wir sechs Facebook-Gruppen ins Leben gerufen: #rosenheim24 / #chiemgauhältzusammen / #innsalzachhältzusammen / #bglandhältzusammen / #wasserburghältzusammen / #mangfallhältzusammen

Coronavirus im Freistaat Bayern

Das Coronavirus breitet sich rasant aus. Im Freistaat Bayern hat das Virus 31 Todesopfer (Stand: Dienstag, 24. März, 14 Uhr) gefordert. Auch im Kreis Rosenheim und im Kreis Traunstein gibt es bereits je einen Todesfall. Restaurants bleiben geschlossen, ausgenommen ist die Lieferung und Ausgabe von Speisen für zu Hause. 

Zudem hat Ministerpräsident Markus Söder am Freitag, 20. März, eine weitreichende Ausgangsbeschränkung in Bayern verkündet. Seit Samstag, 21. März, ist das Verlassen der eigenen Wohnung nur noch bei Vorliegen triftiger Gründe erlaubt. Dazu zählen unter anderem der Weg zur Arbeit, notwendige Einkäufe, Arzt- und Apothekenbesuche, Hilfe für andere, Besuche von Lebenspartnern, aber auch Sport und Bewegung an der frischen Luft - dies aber nur alleine oder mit den Personen, mit denen man zusammenlebt.

Bleibt gesund! #wirhaltenzusammen

jg

Quelle: rosenheim24.de

Kommentare