So erleben unsere Leser die Coronakrise

Verkäuferin aus Rosenheim: "Bin geschockt, wie viele sich immer noch ignorant verhalten"

+
Zahlreiche Leser haben der OVB24-Redaktion ihre persönlichen Geschichten in der Coronakrise erzählt.

Landkreis - Es ist eine Ausnahmesituation, wie sie bisher fast noch niemand erlebt hat. Doch wie geht ihr mit der aktuellen Coronakrise um? Zahlreiche Leser/-innen haben der Redaktion ihre persönlichen Erlebnisse geschildert.

Die Corona-Pandemie schränkt zunehmend den Alltag der Menschen ein und bringt das öffentliche Leben allmählich zum Erliegen. Doch wie erlebt Ihr die Coronakrise? Wir haben Euch gefragt und gebeten, uns Eure positiven oder negativen Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen zu erzählen. Zahlreiche Leser/-innen haben sich auf unseren Aufruf gemeldet:


Wir haben Eure Geschichten gesammelt

Tim aus Rosenheim 

Ich weiß ehrlich nicht so genau, wo ich anfangen soll. Ich arbeite im Kundendienst und nach acht Wochen daheim, wegen meines Knies, kam mir bei der Wiedereingliederung Corona in die Quere! Ich trage momentan immer Maske und Handschuhe. Da ich sie zum Schutz auch beim Einkaufen trage, könnte ich mich regelmäßig über die ignoranten Menschen aufregen, die mich deswegen auslachen. 


Es wird höchste Zeit für klare Regeln! Ich finde es auch traurig, dass ich erst einmal Security gesehen habe! Die Verkäufer tun mir einfach nur noch leid. Und von Zusammenhalt spüre ich in Rosenheim leider nichts. Meine Frau war heute fast fünf Stunden lang im Krankenhaus, weil sie seit zwei Wochen krank ist und nicht zum Arzt kommen durfte. Sie hat eine abklingende Lungenentzündung und erst vergangene Woche endlich Antibiotika bekommen. Es gibt auch noch "normale kranke" Menschen. Schützt euch und andere und bleibt gesund!

Amalia aus Bayern

Ich möchte mal allen Postboten und Postbotinnen herzlich danken. Denn die werden in dieser Krisenzeit fast nie erwähnt. Sie müssen jetzt, da bis auf Ausnahmen alle Geschäfte geschlossen sind, deutlich mehr leisten und vor allem schwere Pakete schleppen. Zudem sind sie der Gefahr ohne Ende ausgesetzt. 

Ich akzeptiere das Pflegepersonal, Ärzte und Krankenschwestern und alle, die in dieser schwierigen Zeit einen Bonus kriegen. Aber das sollten auch die Angestellten der Post bekommen. Denn die leisten auch großartige Arbeit! 

Weitere Geschichten unserer Leser, Reportagen und Service-Artikel zum Coronavirus findet Ihr in unserem großen Wegweiser durch die Berichterstattung

Kerstin aus Rosenheim

Ich arbeite im Verkauf hinter der Wursttheke und ich bin geschockt, wie viele Menschen sich nach all den Berichten und Infektionen immer noch super ignorant und egoistisch verhalten. Da ist die Rentnerin die nahezu zwei Mal täglich im Laden flaniert als wären wir ein Garten. Ohne irgendwelchen Schutz für sich oder andere natürlich. Dann der alte Herr, der fünf Mal den Käse anfasst, während er in derselben Hand sein benutztes Taschentuch hält, aber natürlich wird kein Stück genommen, weil scheinbar keines schön genug ist!

Und dann die unzähligen Paare, die gemeinsam turtelnd durch den Laden schleichen und sich erst mal überlegen, was sie eigentlich brauchen. Abstand, warum Abstand? Und dann gibts noch jene, die tierisch genervt von allem sind und das dann an uns auslassen. Ich bin auch genervt, aber von all diesen ignoranten Menschen! Es macht mich traurig und entsetzt mich, dass bei uns in Rosenheim scheinbar so viele von dieser Sorte leben.

Aber unser Lichtblick sind jene, die uns Gesundheit wünschen und manchmal sogar ein Lächeln schenken. Ich wünsche mir nicht viel, nur dass mehr Rücksicht und Einsicht genommen wird. Jeder sollte nur noch einkaufen gehen, wenn man weiß, was man braucht und nicht nur, weil einem langweilig ist. Seid mal etwas aufmerksamer! Diese Linien auf dem Boden sind nicht zur Deko da. Ihr sollt dahinter bleiben! Es macht derzeit echt keinen Spaß, im Verkauf zu arbeiten.

Sandra aus Ainring

Ich bin Mutter von drei Kindern. Nach anfänglichen Schwierigkeiten beim "Homeschooling", hat sich mittlerweile alles irgendwie eingespielt. Jetzt versuchen wir, die Ferien zu Hause so schön wie es geht zu verbringen. Mit Sorge blicke ich dem Ferienende entgegen. Es gibt auch Eltern, nicht nur Großeltern, mit Vorerkrankungen. Wie können wir uns schützen, wenn unsere Kinder wieder in die Schule müssen? Ich hoffe, die Verantwortlichen haben diese Problematik im Blick.

Petra aus Bad Aibling

Die Kinder von unserer Leserin Petra aus Bad Aibling haben Steine mit Schutzengeln bemalt und diese dann verteilt. 

Meine Kinder haben jetzt zum zweiten Mal selbst gemachte Schutzengel-Steine gestaltet und in Bad Aibling verteilt. Die Idee stammt von meinen drei Kindern. Wir sind kurz darauf losgezogen und haben an der Mangfall flache Steine gesucht. Dann haben wir sie gesäubert und verschiedene Schutzengel darauf gemalt. 

Einer der Schutzengel-Steine, der in Bad Aibling verteilt wurde. 

Verteilt haben wir sie im Kurpark, am oberen Rathaus, an der Luitpoldschule und auch am Krankenhaus. Jeder, der einen findet, darf ihn gerne behalten. Die Absicht meiner Kinder war die, dass der Schutzengel-Stein dem Finder die Angst nehmen soll - vor allem vor dem alleine sein. 

Harry aus Ampfing

Ich muss feststellen, dass viele Menschen noch immer Besuch empfangen. Ausgangsbeschränkung und Kontaktverbot gibt es für manche nicht. In einigen Geschäften in Mühldorf am Inn werden Kinder ausgesperrt, ohne auf die Alleinerziehenden zu achten. Denn nicht jeder hat eine Person, die auf die Kleinen aufpassen kann. 

Die Hauptsache ist, dass die alten Leute alles ignorieren und weiterhin zu zweit zum Einkaufen gehen. Ich wünsche mir viel mehr Kontrollen in den Supermärkten. 

Bärbel aus Oberbayern

Ich bin im Einzelhandel tätig und es hat mir immer Spaß gemacht, aber bei der jetzigen Situation ist es anders geworden. Wir, die Verkäuferinnen und Verkäufer, die die Leute mit Lebensmittel versorgen, bekommen keinen Mundschutz oder ähnliches - lediglich Handschuhe und einen Kassenschutz. 

Trotzdem sind wir den Kunden ausgesetzt, wenn wir die Ware in die Regale einräumen. Abstand halten ist hier schwierig. Wie denn auch? Zwischen den Regalen ist nur Platz für zwei Einkaufswagen. Wir sind schon seit Wochen entsetzt darüber, dass da noch nicht reagiert wurde. Ich will nur hoffen, dass wir alle gesund bleiben. 

Die nächsten persönlichen Geschichten werden am Mittwoch, 15. April, in einem neuen Artikel veröffentlicht 

Wie erlebt Ihr die Coronakrise? Erzählt uns Eure Geschichte

Erzählt uns, was Euch bewegt und schickt eine Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: "Corona" im Betreff). Die OVB24-Redaktion freut sich über Eure Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen. 

Natürlich könnt Ihr uns auch mitteilen, was Euch sorgt und ängstigt in diesen Tagen und gerne auch, was Euch in dieser Zeit Freude macht. Bitte sendet uns neben Euren Zeilen, Fotos oder Videos auch unbedingt Euren kompletten Namen und Euren Wohnort.

Wir wollen unsere Reichweite aber auch nutzen, um Menschen miteinander zu verbinden und zur Nachbarschaftshilfe aufrufen. Deswegen haben wir sechs Facebook-Gruppen ins Leben gerufen: #rosenheim24 / #chiemgauhältzusammen / #innsalzachhältzusammen / #bglandhältzusammen / #wasserburghältzusammen / #mangfallhältzusammen

Coronavirus im Freistaat Bayern

Das Coronavirus breitet sich rasant aus. Im Freistaat Bayern hat das Virus 891 Todesfälle (Stand: Dienstag, 14. April, 15.30 Uhr) gefordert. Auch in den Landkreisen Rosenheim, Traunstein, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Altötting gibt es bereits mehrere Todesfälle. Restaurants bleiben geschlossen, ausgenommen ist die Lieferung und Ausgabe von Speisen für zu Hause. 

Zudem hat Ministerpräsident Markus Söder, die am Freitag, 20. März, beschlossene weitreichende Ausgangsbeschränkung in Bayern, am Montag, 30. März verlängert. Die Maßnahmen gelten nun bis mindestens Sonntag, 19. April. Das Verlassen der eigenen Wohnung ist also nur bei Vorliegen triftiger Gründe erlaubt. Dazu zählen unter anderem der Weg zur Arbeit, notwendige Einkäufe, Arzt- und Apothekenbesuche, Hilfe für andere, Besuche von Lebenspartnern, aber auch Sport und Bewegung an der frischen Luft - dies aber nur alleine oder mit den Personen, mit denen man zusammenlebt.

Bleibt gesund! #wirhaltenzusammen

jg

Quelle: rosenheim24.de

Kommentare