So erleben unsere Leser die Coronakrise

Baumarkt verwehrt Mutter mit Kindern den Zutritt - "Mal eben bei Papa lassen ist nicht"

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Zahlreiche Leser haben der OVB24-Redaktion ihre persönlichen Geschichten in der Coronakrise erzählt.

Landkreis - Es ist eine Ausnahmesituation, wie sie bisher fast noch niemand erlebt hat. Doch wie geht Ihr mit der aktuellen Coronakrise um? Zahlreiche Leser/-innen haben der Redaktion ihre persönlichen Erlebnisse geschildert.

Die Corona-Pandemie hat auch Bayern fest im Griff. Doch wie erlebt Ihr die Coronakrise? Wir haben Euch gefragt und gebeten, uns Eure positiven oder negativen Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen zu erzählen. Zahlreiche Leser/-innen haben sich auf unseren Aufruf gemeldet:


Wir haben Eure Geschichten gesammelt

Anneliese aus dem Chiemgau

Ich habe schon einmal berichtet, wie in unserem Dorf nähe Chiemsee die Corona-Vorschriften befolgt werden. In Seebruck stehen auf den Parkplätzen nach wie vor Autos mit Kennzeichen, deren Zulassung mindestens 50 km entfernt erstellt wurden. Bei unseren Nachbarn, einer Arztfamilie, hat sich die letzten sechs Wochen nichts verändert, jeden Tag kommt nach wie vor die Oma, obwohl die Mutter des Kindes nicht berufstätig ist und nicht nur sie, nein auch die Nachbarskinder kommen täglich zum Spielen und Freunde gehen aus und ein.


Die anderen Nachbarn treffen sich zum Essen und bei anderen wiederum kommt der studierende Sohn, obwohl schon lange nicht mehr hier wohnhaft, um sein Auto zu reparieren. Ich hasse Ignoranz, Egoismus und asoziales Verhalten. Ständig liest man über Strafen die verhängt werden aber auf dem Land tun viele was sie wollen und niemand kümmert es. Wo ist die Polizei, die diese Vergehen kontrolliert? Wann kapiert der Letzte endlich, dass es um unser aller Gesundheit geht?

Kathrin aus Freilassing

Nachdem ich, Mutter zweier Kinder im Kita/KiGa Alter, kürzlich an dem Versuch scheiterte, mit den beiden Sprösslingen den nahegelegenen Baumarkt zu betreten, finde ich es nun doch dringend notwendig und an der Zeit, die aktuelle Situation kritisch zu hinterfragen. Der Zutritt wurde mir am Eingang von einer Mitarbeiterin des Baumarkts verweigert. Grund für die Absage war wortwörtlich "mit zwei Kindern kann ich Sie nicht reinlassen. Eines wäre noch ok, aber beide ..." Da brauchte ich doch einen kurzen Moment, um die Fassung wieder zu gewinnen. "Bitte was? Wäre es Ihrer Meinung nach besser den 1,5-Jährigen oder den 3-Jährigen alleine zu Hause lassen? Oder gibt es denn einen Babysitter am Parkplatz, der sich während der Zeit des Einkaufs um eines der beiden Kinder kümmern könnte?"

Denn mal eben bei Papa lassen ist nicht. Dieser arbeitet. Nicht in Kurzarbeit und nicht zeitreduziert sondern Vollzeit. Um als solidarischer Bürger dieses Landes mitzuwirken, die Wirtschaft einigermaßen am Laufen zu halten. Demnach wird es auch zukünftig noch diverse Besorgungen geben, die ich mit unseren beiden Kindern erledigen muss, die wie allseits bekannt seit nunmehr sieben Wochen keine Betreuungsstätte besuchen dürfen und diese möglicherweise bis zum Sommer nicht mehr besuchen werden. Abgesehen davon, dass uns der Einkauf verwehrt blieb, fühlte ich mich vor dem Eingang mit den beiden Kindern stehend ehrlich diskriminiert.

Und während ich versuchte, dem 3-Jährigen die Situation zu erklären, bot sich mir wie in den vergangenen Wochen ein vertrautes Bild. In den heranfahrenden und parkenden Autos sowie in der Schlange an der Kasse tummeln sich größtenteils (ich würde sogar wagen zu sagen, etwa 80 Prozent) Mitmenschen in hohen bzw. sehr hohen Altersklassen. Also eben die, die den bisherigen Erkenntnissen zufolge als Risikogruppe eingestuft werden, die es zu schützen gilt.

Und da stelle ich mir nun doch langsam die Frage: "Ist das denn wirklich so gewollt? Wo ist denn als junge Familie mittlerweile unser Platz in der Gesellschaft? Zwischen Homeoffice, Kinderbetreuung, am Zahnfleisch nagend, zu Hause eingesperrt? Wird es in Kürze so sein, dass ich den Studenten nebenan bitten muss, meine Einkäufe zu erledigen, weil ich mit meinen Kindern keinen Laden mehr betreten kann? Und wie überflüssig und lächerlich ist es, zu erwähnen dass die Maskenpflicht erst ab 6 Jahren gilt, wenn Kindern ohnehin jeglicher Zugang verweigert wird? Wie kann es sein, dass sich der Teil der Gesellschaft, der sich besonders schützen sollte, tagtäglich in den Geschäften tummelt und uns als junger Familie der Zugang verwehrt bleibt? Wie kann es sein, dass in Kürze Gottesdienste, also Veranstaltungen von bis zu 50 Personen im geschlossenen Raum, stattfinden und wir unsere Kinder nicht auf eine Schaukel setzen dürfen?

Die Ermöglichung des Grundrechts auf Religionsausübung ist offensichtlich besonders wichtig, aber wo steht denn das Recht der Kinder auf Spiel und Freizeit? Und an dieser Stelle sei gesagt, dass wir das Glück haben in einem kleinen Reihenhaus mit Garten zu leben - und eben nicht im 6. Stock eines Plattenbaus in der Großstadt - und trotz alledem langsam aber sicher an unsere Grenzen kommen. Es reicht! Lockerungen schön und gut, aber wohl überlegt und fair!

Nützliche Links zu Corona:

Weitere Geschichten unserer Leser, Reportagen und Service-Artikel zum Coronavirus findet Ihr in unserem großen Wegweiser durch die Berichterstattung

Anonym aus Bayern

Es gibt zwei Sachen die ich loswerden möchte: Irgendwie sehe ich es mit Zufriedenheit, dass in unserer Gegend die Beschränkungen zum größten Teil eingehalten werden und auch deutlich weniger Leute beim Einkaufen sind. Und was ich schon bald nicht mehr hören kann, ist das ständige Genörgle und Gejammere und das ewige Kritisieren und Besserwissen!  Ich finde auch, unsere Regierung (Herr Söder) hat bisher einen guten Job gemacht!

Anonym aus Bayern

Ich persönlich finde, dass die Maßnahmen viel zu schnell gelockert werden und ggf. die Zahlen wieder steigen. Auch befürchte ich, dass es im Berchtesgadener Land und den anderen Gemeinden eine sehr hohe Dunkelziffer gibt. Wenn ich unterwegs bin, habe ich bisher wenig Polizeipräsenz gesehen. 

Auch kann ich einige Maßnahmen nicht nachvollziehen. Eben habe ich gelesen, dass Spielplätze wieder öffnen - allerdings wird dort die Entfernung von 1,5 Meter kaum eingehalten werden können, da die Kinder die Thematik nicht verstehen und auch nicht beachten werden.

Umfrage

Ingrid aus Bayern

Ich wohne in einer Wohnanlage mit ca. 120 Wohnungen, davon sind ca. 65 % der Bewohner älter als 60 Jahre. Es geht unter ihnen sehr diszipliniert zu. Die Einkäufe werden auf ein Minimum beschränkt und viele gehen schon um 7.30 Uhr in den Supermarkt. Dagegen haben wir viele junge Muttis, die zusammen auf einer Bank sitzen und rundum spielen ca. fünf bis sieben Kinder. Am Abend kommen dann noch die Papis dazu. Jeder hat mindestens eine Flasche Bier in der Hand und einer spuckt pro Minute ca. fünf Mal auf den Boden, natürlich muss das sein. 

Das wollte ich mal loswerden, weil immer wir Alten angekreidet werden. Wir sind mit Sicherheit genauso wenig oder soviel wie alle anderen an dieser Pandemie schuld. Beim Einkaufen müssen zum Teil die Kinder mitgenommen werden, sie sitzen dann in den Einkaufswagen mit laufender Nase, Mutti muss ja den Wagen schieben und nebenbei das Handy bedienen.

Die nächsten persönlichen Geschichten werden am Donnerstag, 7. Mai, in einem neuen Artikel veröffentlicht.  

Wie erlebt Ihr die Coronakrise? Erzählt uns Eure Geschichte

Erzählt uns, was Euch bewegt und schickt eine Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: "Corona" im Betreff). Die OVB24-Redaktion freut sich über Eure Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen. 

Natürlich könnt Ihr uns auch mitteilen, was Euch sorgt und ängstigt in diesen Tagen und gerne auch, was Euch in dieser Zeit Freude macht. Bitte sendet uns neben Euren Zeilen, Fotos oder Videos auch unbedingt Euren kompletten Namen und Euren Wohnort.

Wir wollen unsere Reichweite aber auch nutzen, um Menschen miteinander zu verbinden und zur Nachbarschaftshilfe aufrufen. Deswegen haben wir sechs Facebook-Gruppen ins Leben gerufen: #rosenheim24 / #chiemgauhältzusammen / #innsalzachhältzusammen / #bglandhältzusammen / #wasserburghältzusammen / #mangfallhältzusammen

Coronavirus im Freistaat Bayern

Das Coronavirus breitet sich rasant aus. Im Freistaat Bayern hat das Virus bereits 2.001 Todesfälle (Stand: Mittwoch, 6. Mai, 14 Uhr) gefordert. Auch in den Landkreisen Rosenheim, Traunstein, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Altötting gibt es bereits mehrere Todesfälle

Die von Ministerpräsident Markus Söder beschlossene Ausgangsbeschränkung wird ab Mittwoch, 6. Mai, in eine "Kontaktbeschränkung umgewandelt. Das heißt, man darf seine Wohnung nun auch wieder ohne triftigen Grund verlassen. Zudem sind Treffen von Familien (Eltern, Großeltern, Enkel) wieder erlaubt. Allerdings darf man sich weiter nur mit einer haushaltsfremden Person treffen.

Ab Montag, 11. Mai, dürfen wieder große Kauf- und Möbelhäuser sowie Shopping-Malls vollständig öffnen. Die Maskenpflicht besteht aber weiterhin. Ab Montag, 18. Mai, können dann auch Biergärten bis 20 Uhr und ab Montag, 25. Mai, auch wieder Speiselokale aufsperren (bis 22 Uhr) - allerdings unter sehr strengen Hygienekonzepten. 

Bleibt gesund! #wirhaltenzusammen

jg/fn

Quelle: rosenheim24.de

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