So erleben unsere Leser die Coronakrise

Sorgen und Bedenken von Lehrern und Eltern - Tochter komponiert ersten Corona-Song

+
Zahlreiche Leser haben der OVB24-Redaktion ihre persönlichen Geschichten in der Coronakrise erzählt.

Landkreis - Es ist eine Ausnahmesituation, wie sie bisher fast noch niemand erlebt hat. Doch wie geht Ihr mit der aktuellen Coronakrise um? Zahlreiche Leser/-innen haben der Redaktion ihre persönlichen Erlebnisse geschildert.

Die Corona-Pandemie schränkt weiter den Alltag der Menschen ein und bringt das öffentliche Leben allmählich zum Erliegen. Doch wie erlebt Ihr die Coronakrise? Wir haben Euch gefragt und gebeten, uns Eure positiven oder negativen Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen zu erzählen. Zahlreiche Leser/-innen haben sich auf unseren Aufruf gemeldet:


Wir haben Eure Geschichten gesammelt

Herbert aus Bayern

Ich bin leidenschaftlicher Lehrer und würde am liebsten morgen wieder mit Vollgas starten. Aber wie sieht es in der Realität aus? Unser Kultusminister gewährt jedem Schüler bei halber Belegung 1,5 Meter Abstand zum nächsten Schüler bzw. Lehrer, OHNE verpflichtenden Mundschutz. Soweit die Theorie. Nun zur Realität:


1) Halbe Belegung bedeutet doppelt so viele Räume und Lehrer. Spätestens wenn ab 11.5. die zweite Jahrgangsstufe in die Schulen gelassen wird, stoßen Schulen wie zum Beispiel die FOS an ihre Grenzen, weil die Räume und Lehrkräfte nicht ausreichen. Hier sind dann 70 Prozent der Schüler anwesend, aber keine 140 Prozent der Räume und Lehrer vorhanden. Wie soll das gehen? Andere Jahrgangsstufen können dann sowieso nicht mehr gleichzeitig betreut werden. Für sie ist das Schuljahr definitiv zu Ende.

2) Im Baumarkt werden den Kunden 20 Quadratmeter mit Mundschutz gewährt. In bayerischen Schulen sind es ganze 7 Quadratmeter (bei 1,5 Meter Abstand) ohne Mundschutz. Zudem ist man im Baumarkt kaum länger als eine halbe Stunde. In den Schulen soll man 4 bis 5 Stunden zusammen sitzen und in der Pause zudem in den Räumen bleiben.

3) Zieht man Kollegen ab, die über 60 sind (diese müssen nicht in den sogenannten Präsenzunterricht) und diejenigen, die Vorerkrankungen haben, kann diese unüberlegte Idee unseres Kultusministers nicht funktionieren. Es ist sogar für Eltern zu überlegen, ob sie ihre Kinder guten Gewissens in die Schule schicken können. ("Haben andere Familien die Schutzmaßnahmen berücksichtigt? Nun sitzen meine Kinder direkt daneben!")

So schwer es ist, hier ist zur aktuellen Zeit "Online-Schooling" weitaus sinnvoller. Aber das Kultusministerium eröffnet ab Montag lieber 1000 "Starkbierfeste", wo Schüler und Lehrer dicht gedrängt nebeneinander sitzen. Am Montag werden sich Schüler an der Bushaltestelle oder an der Eingangstüre zur Schule wieder umarmen und knuddeln. (Was auch verständlich ist!)

Nützliche Links zu Corona:

Antje aus dem Landkreis Altötting

Ich habe zum Nähen von Mundschutzmasken aufgerufen. Wer das nicht kann oder keine Zeit hat, den bitte ich um Stoff- oder Gummibandspenden für die Alten- und Pflegeheime in Burghausen. Wir haben mittlerweile schon einige hundert Masken sogar nach Haiming, Burgkirchen, Traunstein und München geschickt. Daneben haben dankenswerterweise bereits viele Leute Stoff oder Gummibänder gespendet. Einige nähen immer noch, weil die Nachfrage aller Mitbürger immer größer wird. Ich hoffe, dass sich noch weitere finden, die sich am Nähen beteiligen. Außerdem könnten wir weitere Gummibandspenden gut verwenden. Kontaktdaten: Tel. 086778819398

Weitere Geschichten unserer Leser, Reportagen und Service-Artikel zum Coronavirus findet Ihr in unserem großen Wegweiser durch die Berichterstattung

Jenny aus Schweinfurt

Ich bin Pflegefachhelferin und im ersten Ausbildungsjahr zur examinierte Altenpflegerin (generalistisch ausgebildet) und zudem alleinerziehende Mutter von drei Kindern. Ich arbeite, muss mich um die Schulsachen zwei meiner Kinder kümmern und zusätzlich meine eigenen Schularbeiten auch noch erledigen. Teilweise geht mein Tag bis morgens 2 Uhr und fängt um 5 Uhr wieder an. Aber ich beschwere mich nicht. Im Gegensatz zu vielen anderen Eltern: Sie jammern, sie jaulen und sie schimpfen. Kann ich nicht verstehen. Ich versuche das beste aus der Situation zu machen.

Den Bewohnern, mit denen ich zu tun habe, fällt die Isolation sehr schwer. Teilweise weinen sie bitterlich, weil sie nicht raus können zum Einkaufen oder spazieren. Sie sind quasi "gefangen", aber sie machen es letztendlich ganz toll. Die jüngeren Generationen (damit meine ich quasi alle anderen Erwachsenen) hingegen sind egoistisch: Sie treffen sich mit Freunden oder bekommen zu Hause Besuch. Und dann sind da noch die Menschen, die jedes Mal schimpfen, wenn ihrem Beruf nicht gedankt wird. Die Menschen, die total wild darauf sind, dass überall steht, dass auch sie arbeiten und dadurch gefährlich leben. Menschen, die jetzt aufschreien, dass sie auch einen Bonus verdient haben. Ich verstehe es nicht. Wir alle tragen einen Teil zu diesem System bei, ganz egal ob wir Pflegekräfte, die Reinigungskraft, die Mama, die zu Hause ihre Kinder bei Laune hält oder sonst wer. Nur zusammen klappt das ganze System. Ich verstehe die Menschen einfach nicht mehr und finde, dass Deutschland ganz klar versagt in der Coronakrise. Deutschland versagt an Menschlichkeit. Viele denken nur an sich und das finde ich unheimlich schade.

Angela aus Nürnberg

Ich habe Angst, wenn sie Schulen wieder öffnen. Es gibt viele Eltern und Kinder, die Vorerkrankungen haben. Ich selbst habe Vorerkrankungen und einen Sohn, der in die vierte Klasse geht. Es wurde gesagt, dass die Lehrer mit Vorerkrankungen nicht eingesetzt werden, finde ich auch gut. Aber was ist mit den Eltern und Kindern, die krank sind? Das wird kaum in der Öffentlichkeit diskutiert. Wie sollen wir uns da noch schützen? Nur die Hygienemaßnahmen können richtig eingehalten werden. Viele sitzen jetzt mit großer Angst da. Es muss was gemacht werden für die betroffenen Eltern und Kinder.

Umfrage

Elfi aus Bayern

Ich wohne in einem Mehrfamilienhaus. Da spielen sieben Kinder aus vier Familien seit Wochen miteinander. Eine Mutter wurde darauf angesprochen und als Antwort kam, sie könne sich nicht den ganzen Tag um ihre Kinder kümmern. Die aktuelle Lage ist dieser Mutter und den Müttern der anderen Kinder vollkommen egal. Man wird sogar noch beschimpft und beleidigt, wenn man sie auf das Kontaktverbot hinweist. Und was mich so besonders ärgert: Dies geschieht alles direkt neben der Leitstelle der Polizei.

Beatrix aus Bayern

Meine Tochter Linda hat ein Lied über die Corona-Zeit geschrieben. Ich denke, es erzählt gut die Situation, wie es vielen Leuten gerade so geht. 

Die nächsten persönlichen Geschichten werden am Montag, 27. April, in einem neuen Artikel veröffentlicht.  

Wie erlebt Ihr die Coronakrise? Erzählt uns Eure Geschichte

Erzählt uns, was Euch bewegt und schickt eine Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: "Corona" im Betreff). Die OVB24-Redaktion freut sich über Eure Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen. 

Natürlich könnt Ihr uns auch mitteilen, was Euch sorgt und ängstigt in diesen Tagen und gerne auch, was Euch in dieser Zeit Freude macht. Bitte sendet uns neben Euren Zeilen, Fotos oder Videos auch unbedingt Euren kompletten Namen und Euren Wohnort.

Wir wollen unsere Reichweite aber auch nutzen, um Menschen miteinander zu verbinden und zur Nachbarschaftshilfe aufrufen. Deswegen haben wir sechs Facebook-Gruppen ins Leben gerufen: #rosenheim24 / #chiemgauhältzusammen / #innsalzachhältzusammen / #bglandhältzusammen / #wasserburghältzusammen / #mangfallhältzusammen

Coronavirus im Freistaat Bayern

Das Coronavirus breitet sich rasant aus. Im Freistaat Bayern hat das Virus bereits 1.596 Todesfälle (Stand: Sonntag, 26. April, 10.30 Uhr) gefordert. Auch in den Landkreisen Rosenheim, Traunstein, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Altötting gibt es bereits mehrere Todesfälle. Restaurants bleiben weiterhin geschlossen, ausgenommen ist die Lieferung und Ausgabe von Speisen für zu Hause. 

Ministerpräsident Markus Söder hat die am Freitag, 20. März, beschlossene Ausgangsbeschränkung in Bayern, am Donnerstag, 16. April nochmal verlängert. Die Maßnahmen gelten nun bis mindestens Sonntag, 3. Mai. Doch es wurden auch Lockerungen beschlossen: Ab Montag, 20. April, darf man wieder Kontakt zu EINER anderen Person außerhalb des eigenen Haushalts/der eigenen Familie haben. Damit soll vor allem Alleinstehenden geholfen werden, wie Söder in einer Pressekonferenz mitteilte. 

Ebenso dürfen seit Montag, 20. April, Bau- und Gartenmärkte und ab Montag, 27. April, auch Geschäfte mit einer Fläche bis zu 800 Quadratmetern sowie Buchhandlungen wieder aufsperren. Ebenfalls ab 27. April herrscht in Bayern eine Maskenpflicht in allen Geschäften und im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) - in Stadt und Landkreis Rosenheim gilt die Maskenpflicht bereits seit Mittwoch, 22. April. Friseure können ab Montag, 4. Mai, wieder öffnen, allerdings nur unter strengen Hygieneauflagen. 

Bleibt gesund! #wirhaltenzusammen

jg/ha

Quelle: rosenheim24.de

Kommentare