So erleben unsere Leser die Coronakrise

Corona in Bayern: Dank an Pflegepersonal, Ruhe auf der Autobahn und "Massenhysterie" 

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Zahlreiche Leser haben der OVB24-Redaktion ihre persönlichen Geschichten in der Coronakrise erzählt.

Landkreis - Es ist eine Ausnahmesituation, wie sie bisher fast noch niemand erlebt hat. Doch wie geht ihr mit der aktuellen Coronakrise um? Zahlreiche Leser/-innen haben der Redaktion ihre persönlichen Erlebnisse geschildert.

Die Corona-Pandemie schränkt weiter den Alltag der Menschen ein und bringt das öffentliche Leben allmählich zum Erliegen. Doch wie erlebt Ihr die Coronakrise? Wir haben Euch gefragt und gebeten, uns Eure positiven oder negativen Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen zu erzählen. Zahlreiche Leser/-innen haben sich auf unseren Aufruf gemeldet:


Wir haben Eure Geschichten gesammelt

Marcus aus Bad Reichenhall

Mein lieber Vater ist jetzt seit fast zwei Jahren im Pflegeheim Insula in Bischofswiesen. Er ist leider schwer an Demenz erkrankt und lebt im beschützenden Bereich, weil er leicht weglaufgefährdet ist. Wir sind sehr froh, dass wir in der Insula einen Platz gefunden haben. Wir wissen, dass er dort bestens aufgehoben ist. An dieser Stelle möchte ich auch dem ganzen Personal der Insula einen grossen Dank aussprechen. Mit ganzem Personal meine ich natürlich nicht nur das Pflegepersonal, was super Arbeit leistet, ich meine auch zB. die Reinigungskräfte, die Mitarbeiter der Küche und auch die Mitarbeiter der Wäscherei, im Büro und am Empfang.


Jetzt komme ich zu dem großen Problem, was meine 79-jährige Mutter und ich haben. Seitdem er im Pflegeheim ist, machen wir es so, dass wir meinen Vater jeden Sonntag besuchen. Wir bringen dann Kuchen und Obst mit, was er immer sehr gerne hat. Das alles fällt jetzt leider weg, was uns sehr zu schaffen macht und so wie es ausschaut, wird es wohl noch länger dauern. Selbstverständlich akzeptieren wir jede Entscheidung, die von der Regierung und von der Insula getroffen wird, aber es tut sehr weh. 

Nützliche Links zu Corona:

Erwin aus Bayern

Vor einigen Tagen bin ich wie sonst auch, so um 22 Uhr ins Bett gegangen. Beim Einschlafen hörte ich dann, aus der meinem Schlafzimmer gegenüberliegenden Wohnung, Musik und Stimmen, was mich erst einmal nicht störte. Um ca. 23.15 Uhr wurde ich dann durch laute Musik und lautes Reden und Lachen wieder wach. Ich blickte aus dem Fenster und sah, wie auf dem Nachbarbalkon und im Wohnzimmer Party gemacht wurde. Dort wohnt eine junge Frau, deren Mutter ich kenne. Sie gab mir ihre Telefonnummer, dass ich bei ihr anrufen solle, "wenn es mal lauter wird bei der Tochter", sie werde dann die Tochter anrufen (bevor die Polizei gerufen werde). So hat das auch bisher immer geklappt und ich rief auch dieses Mal erst die Mutter an. 

Erst sagte sie, das könne nicht ihre Tochter sein. Ich erzählte ihr, dass ich die Aktivitäten in der Wohnung mit eigenen Augen sehe und es unverschämt finde, nicht nur wegen der nächtlichen Ruhestörung, sondern auch wegen des angeordneten Kontaktverbotes, Party zu machen. Ich sagte ihr, mit dem Hinweis auf das empfindliche Bußgeld, dass ich ihr die Chance gebe, das zu beenden, bevor die Polizei gerufen wird. Gesagt getan, die Mutter rief bei der Tochter an und fünf Minuten später war die Party vorbei. Da könnte man sagen, ja alles noch einmal gut gegangen. Aber nein, am nächsten Morgen erhielt ich folgende WhatsApp der Mutter: "Ich solle doch die Kirche im Dorf lassen, ich hätte die Sache ganz falsch beurteilt, sie fände es schade, dass ich gleich mit der Polizei gedroht hätte, ohne nachzufragen, wie es wirklich gewesen sei". 

Das heißt im Klartext, die Mutter stellt ihre Tochter jetzt als Opfer dar und ich habe falsch gehandelt. Fazit ist, wenn erwachsene "Kinder" (über 20 Jahre alt), trotz behördlicher Anordnungen es als Gaudi betrachten und trotzdem Party machen, dann ist das an Ignoranz und Dummheit nicht zu überbieten. Dafür gibt es keine Entschuldigung und wegen solcher Leute müssen die, die sich an die Verbote halten, leiden, wenn die Maßnahmen dann verlängert werden.

Weitere Geschichten unserer Leser, Reportagen und Service-Artikel zum Coronavirus findet Ihr in unserem großen Wegweiser durch die Berichterstattung

Anonym aus dem Berchtesgadener Land

Ich finde es auf der einen Seite gut, wie alles so läuft, aber andererseits empfinde ich es als Massenhysterie. Erst kaufen alle Klopapier, jetzt kaufen alle Hosengummis. Wahrscheinlich dafür, um sich selbst Masken zu nähen. Ich bin im Berchtesgadener Land in einer Metzgerei als Verkäuferin angestellt und ich muss sagen, dass unsere Kunden zu 99,9% alle vernünftig, sehr lieb und verständnisvoll sind. Es gibt zwar auch Kunden, die immer was zu meckern finden, aber die 0,01% kann man als Verkäuferin weglächeln. 

Das Einzige, was mich noch daran nervt, ist das die Ärzte und Pfleger einen Bonus bekommen und der Rest nicht. Aber auch wir Verkäuferinnen begeben uns täglich in Gefahr, uns bei den Kunden anzustecken. Aber das ist wohl einfach so. 

Britta aus Mühldorf

Ich trage schon seit Anfang März einen Mund-Nasenschutz und seit Anfang April auch Einmalhandschuhe. Ich gehöre zu den gefährdeten Personen und gehe deshalb auch nur einmal die Woche außer Haus zum Einkaufen. Am Anfang hat man mich angeschaut, als käme ich vom Mond. Heute gehen die Leute immer noch mit einem großen Bogen von drei Metern vorbei oder springen gleich zur anderen Straßenseite rüber. Man hat mich auch schon öfters ausgelacht. 

Aber von ca. 100 Personen ist bislang nur einer mit Mundschutz unterwegs. Ich verstehe die Menschen nicht. Ich kenne so viele im Umfeld, die erkrankt oder sogar verstorben sind, und danach gesagt haben, dass sie das Virus so unterschätzen haben. Darum bin ich nun richtig froh darüber, dass die Maskenpflicht kommt. Und an alle, die im Umkreis vom Krankenhaus Mühldorf wohnen: "Bitte schmeißt die Masken in den Abfallkorb und nicht auf den Boden! Bleibt gesund."

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Anonym aus Traunstein

Wir erleben die Zeiten auch etwas anders. Dadurch, dass wir direkt neben der A8 wohnen, kriegen wir den abgenommenen Verkehr sehr stark mit. Als mein Freund und ich am Ostersonntag spazieren gegangen sind, fuhren auf der Autobahn so gut wie keine Autos. Es war alles komplett leer. Keine Autos, keine Lkws, nichts. 

Es ist zurzeit bei uns so ruhig! Auch wenn man zum Himmel schaut, sieht man keine Flugzeugstreifen. Auch wenn es anstrengend ist, auf Dauer so viel daheim zu bleiben: Die Ruhe schadet der Umwelt keineswegs! (und auch sehr vielen überarbeiteten Leuten, die mal eine Zwangspause einnehmen müssen.)

Die nächsten persönlichen Geschichten werden am Freitag, 24. April, in einem neuen Artikel veröffentlicht.  

Wie erlebt Ihr die Coronakrise? Erzählt uns Eure Geschichte

Erzählt uns, was Euch bewegt und schickt eine Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: "Corona" im Betreff). Die OVB24-Redaktion freut sich über Eure Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen. 

Natürlich könnt Ihr uns auch mitteilen, was Euch sorgt und ängstigt in diesen Tagen und gerne auch, was Euch in dieser Zeit Freude macht. Bitte sendet uns neben Euren Zeilen, Fotos oder Videos auch unbedingt Euren kompletten Namen und Euren Wohnort.

Wir wollen unsere Reichweite aber auch nutzen, um Menschen miteinander zu verbinden und zur Nachbarschaftshilfe aufrufen. Deswegen haben wir sechs Facebook-Gruppen ins Leben gerufen: #rosenheim24 / #chiemgauhältzusammen / #innsalzachhältzusammen / #bglandhältzusammen / #wasserburghältzusammen / #mangfallhältzusammen

Coronavirus im Freistaat Bayern

Das Coronavirus breitet sich rasant aus. Im Freistaat Bayern hat das Virus bereits 1.502 Todesfälle (Stand: Donnerstag, 23. April, 15 Uhr) gefordert. Auch in den Landkreisen Rosenheim, Traunstein, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Altötting gibt es bereits mehrere Todesfälle. Restaurants bleiben weiterhin geschlossen, ausgenommen ist die Lieferung und Ausgabe von Speisen für zu Hause. 

Ministerpräsident Markus Söder hat die am Freitag, 20. März, beschlossene Ausgangsbeschränkung in Bayern, am Donnerstag, 16. April nochmal verlängert. Die Maßnahmen gelten nun bis mindestens Sonntag, 3. Mai. Doch es wurden auch Lockerungen beschlossen: Ab Montag, 20. April, darf man wieder Kontakt zu EINER anderen Person außerhalb des eigenen Haushalts/der eigenen Familie haben. Damit soll vor allem Alleinstehenden geholfen werden, wie Söder in einer Pressekonferenz mitteilte. 

Ebenso dürfen seit Montag, 20. April, Bau- und Gartenmärkte und ab Montag, 27. April, auch Geschäfte mit einer Fläche bis zu 800 Quadratmetern sowie Buchhandlungen wieder aufsperren. Ebenfalls ab 27. April herrscht in Bayern eine Maskenpflicht in allen Geschäften und im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) - in Stadt und Landkreis Rosenheim gilt die Maskenpflicht bereits seit Mittwoch, 22. April. Friseure können ab Montag, 4. Mai, wieder öffnen, allerdings nur unter strengen Hygieneauflagen. 

Mundschutz selber basteln:

Bleibt gesund! #wirhaltenzusammen

jg

Quelle: rosenheim24.de

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