Tote, Tragödien, Lawinen und Katastrophenalarm

Chronologie: So dramatisch war das Schneechaos in der Region

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Das Scheechaos hielt die Region seit 5. Januar in Atem.
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Landkreis - Ziemlich genau zwei Wochen hat das Schneechaos die gesamte Region in Atem gehalten. Es gab insgesamt 19 Tote, Lawinenabgänge und tragische Unfälle. Tagelang herrschte in vielen Landkreisen Katastrophenalarm. Eine Chronologie der Ereignisse:

Samstag, 5. Januar

>> News Blog vom Samstag, 5. Januar <<

Heftige Schneefälle in der Nacht auf Samstag sorgen für ein Verkehrschaos (Ende Weihnachtsferien). Zahlreiche Straßen müssen gesperrt werden. Bei Ruhpolding (Landkreis Traunstein) wird ein Auto, das auf einer gesperrten Straße unterwegs war, von einer Lawine verschüttet.

Bei einem weiteren Lawinenabgang an der Stoißer Alm bei Anger (Landkreis Berchtesgadener Land) stirbt ein junge Saaldorferin (20). Im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen kommt es auf schneeglatter Straße zu einem schlimmen Unfall auf der B472. Ein 19-Jähriger kommt dabei ums Leben. 

Am Rittner Horn in Südtirol spielt sich ein Drama ab: Ein Mädchen (8) stirbt bei einem Rodelunfall. Die Mutter (44) war mit einem Schlitten gegen einen Baum gerast. Die Frau fällt ins Koma. Einen vierten Toten gibt es in Burghausen (Landkreis Altötting) bei einem Unfall mit einem BMW.

Lawine verschüttet Auto nahe Ruhpolding

Sonntag, 6. Januar

>> News Blog vom Sonntag, 6. Januar <<

Der Schnee hat die Region voll im Griff. Straßen sind blockiert, erste Bahnlinien müssen gesperrt werden. Allein am Vormittag gibt es über 200 Einsätze der Rettungskräfte. Am Blomberg (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen) wird ein Skitourengeher (44) von einem Baum erschlagen.

In Österreich sind durch den starken Schneefall mehrere Orte von der Außenwelt abgeschnitten. In Vorarlberg stirbt ein 26-Jähriger aus dem Landkreis Dachau, der von einer Lawine erfasst, mitgerissen und verschüttet wird. Zudem stirbt bei Damüls (Vorarlberg) ein weiterer Skifahrer (32) aus dem Raum Heilbronn nach einem Lawinenabgang. Eine Schweizer Skifahrerin (32) kommt im Montafon (Vorarlberg) ums Leben, als sie von der Piste abkommt und einen Steilhang hinabstürzt.

Nach Wintereinbruch: Straßensperren im Berchtesgadener Land

Montag, 7. Januar

>> News Blog vom Montag, 7. Januar <<

Die Behörden reagieren und geben bekannt, dass an ersten Schulen der Unterricht ausfällt. Im Salzburger Land gibt es ein Drama um ein vermisstes Pärchen aus Abtenau, das wenig später nur noch tot geborgen werden kann. Zudem wird ein Skigebiet am Hochkar (Niederösterreich) komplett evakuiert.

Ruhpolding und Siegsdorf (Landkreis Traunstein) sind am Nachmittag ohne Strom. Eine Hochspannungsleitung ist unter der Schneelast zusammengebrochen. Der Landkreis Miesbach gibt als erster Landkreis in Bayern Katastrophenalarm.

Stromleitung gerissen: Siegsdorf und Ruhpolding ohne Strom

Dienstag, 8. Januar

>> News Blog vom Dienstag, 8. Januar <<

Die Gemeinde Jachenau im Landkreis Bad Tölz-Wolfrathausen ist bereits seit Samstag von der Außenwelt abgeschnitten. Die Feuerwehr muss Lebensmittel für die Bewohner liefern. Bei Glonn (Landkreis Ebersberg) kommt es zu einem tragischen Unfall, als auf schneeglatter Straße zwei Fahrzeuge kollidieren. Ein Autofahrer wird getötet.

In den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land wird die Entscheidung getroffen, dass bis einschließlich Freitag, 11. Januar, die Schule ausfallen soll. Wegen der Schneemassen sind erstmals auch Soldaten der Bundeswehr im Einsatz. Experten warnen unterdessen vor neuen, starken Schneefällen.

Tödlicher Unfall bei Bruck - Mann verstirbt am Unfallort

Mittwoch, 9. Januar

>> News Blog vom Mittwoch, 9. Januar <<

Österreich ist im Ausnahmezustand, viele Menschen sind von der Außenwelt abgeschnitten. Bei St. Anton stirbt ein 16-Jähriger, der am Arlberg von einer Lawine mitgerissen wird. Auch ein Lehrer wird getötet, der im Beisein von Schülern bei Mariazell (Steiermark) einen Abhang neben einer Skipiste hinunter stürzt.

Die Schneelast auf Dächern steigt, es gibt Unfälle. Der Berchtesgadener Ortsteil Buchenhöhe ist nicht mehr erreichbar. Eine Lawine verschüttet eine Straße bei Marktschellenberg (Landkreis Berchtesgadener Land).

Donnerstag, 10. Januar

>> News Blog vom Donnerstag, 10. Januar <<

In der Nacht auf Donnerstag fällt vielerorts neuer Schnee. Die Lage spitzt sich deswegen zum Teil dramatisch zu. Die Landkreise Berchtesgadener Land und Traunstein rufen nun auch den Katastrophenfall aus. Dieser gilt insgesamt nun in fünf Landkreisen. Im hinteren Priental (Aschau, Sachrang) steigen die Schneemassen. Auf der A8 bei Bernau geht am Abend stundenlang nichts mehr.

Es gibt nun auch Schulausfälle in den Landkreisen Rosenheim und Ebersberg. In Erding kollidiert eine S-Bahn mit einem Schneepflug und entgleist. Und bei Aying (Landkreis München) gibt es eine fürchterliche Tragödie: Der kleine Simon (9) wird von einem Baum getroffen und getötet.

Kind wird bei Aying von Baum erschlagen

Freitag, 11. Januar

>> News Blog vom Freitag, 11. Januar <<

In der gesamten Region sind tausende Helfer im Dauereinsatz. Vor allem die Schneelast auf den Dächern sorgt zunehmend für Probleme. Die Bundeswehr löst "militärischen Katastrophenalarm" aus. In der Ramsau (Berchtesgadener Land) "mäht" eine Lawine ein ganzes Waldstück nieder. Bei Inzell (Landkreis Traunstein) droht das Dach einer Lagerhalle einzustürzen.

Furchtbar endet ein Unfall bel Lenggries (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen): Ein Schneepflug stürzt in die Isar, Fahrer Hans K. wird einem dramatischem Einsatz zunächst stundenlang mit Sauerstoff am Leben gehalten, stirbt aber wenig später im Krankenhaus.

Schneepflugfahrer verstirbt nach Unfall bei Lenggries in Klinik

Samstag, 12. Januar

>> News Blog vom Samstag, 12. Januar <<

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) verschafft sich in der Krisenregion ein Lagebild und schickt zusätzlich 500 Bereitschaftspolizisten. Unterdessen wird es in Sachrang und Innerwald (Landkreis Rosenheim) immer dramatischer. Viele Bürger fühlen sich "vernachlässigt" und fragen sich, warum nicht auch im Landkreis Rosenheim Katastrophenalarm ausgelöst wurde.

Aus dem Berchtesgadener Land gibt es Berichte, wo Hausbesitzer Einsatzkräfte massiv beschimpft haben sollen. Es sind immer mehr Helfer auch aus anderen (überregionalen) Landkreisen im Einsatz. Bei Inzell (Landkreis Traunstein) droht das Dach eines Bauernhauses unter der Schneelast zusammenzubrechen.

Schneechaos in Aschau und Sachrang

Sonntag, 13. Januar

>> News Blog vom Sonntag, 13. Januar <<

In Österreich gibt es bei Lech am Arlberg ein folgenschweres Lawinenunglück. Vier Deutsche sterben, als sie auf einem extrem steilen Hang von einem Schneebrett mitgerissen werden. Drei der Leichen werden noch in der Nacht geborgen, die vierte wird erst Tage später gefunden. Einer der Toten war ein Vorstand der Volksbank. Zudem müssen die Zufahrten zu mehreren bekannten Skiorten in Vorarlberg, Tirol und Salzburg gesperrt werden.

In Siegsdorf (Landkreis Traunstein) muss ein Ferienpark evakuiert werden. In diesem Gebiet (Siegsdorf, Reit im Winkl, Inzell, Ruhpolding) spitzt sich die Lage weiter zu, auch in Sachrang wird die Arbeit für die Helfer immer gefährlicher.

Schneelast auf Dächern zu groß - Ferienpark Vorauf wird evakuiert

Montag, 14. Januar

>> News Blog vom Montag, 14. Januar <<

Nach wie vor gilt in fünf bayerischen Landkreisen Katastrophenalarm. Am Vormittag verschafft sich deswegen Bundesinnenminister Seehofer (CSU) einen Eindruck in Berchtesgaden. Tags zuvor war bereits Bundesverteidigungsministerin von der Leyen (CDU) vor Ort. 

Die Schneelast auf den Dächern fordert weiter Helfer und Einsatzplaner. Viele Schulen und Züge fallen weiter aus. Am Abend gibt es neuen Schnee und es sorgt ein schwerer Unfall mit fünf Lastwagen auf der A8 bei Holzkirchen dafür, dass in Richtung München stundenlang überhaupt nichts mehr vorwärts geht. Eine Lawine trifft ein Hotel bei Balderschwang im Allgäu.

Schwerer Unfall mit mehreren Lkw auf A8 bei Holzkirchen

Dienstag, 15. Januar

>> News Blog vom Dienstag, 15. Januar <<

Der Biathlon-Weltcup in Ruhpolding steht zunehmend auf der Kippe. Der für Mittwoch geplante Wettkampf wird abgesagt. So lange Katastrophenalarm herrscht und nicht alle Sicherheitsauflagen erfüllt sind, will das Landratsamt Traunstein kein grünes Licht geben. Vor allem im direkten Umkreis von Ruhpolding (Inzell, Reit im Winkl, Schleching) gibt es noch jede Menge Arbeit für die Helfer.

Es werden weitere Lawinenabgänge gemeldet: In Brixen im Thale (bei Kufstein) wird ein Wohnhaus halb verschüttet, in der Steiermark donnert ein Schneebrett mitten in ein Hotel. Weiter westlich entspannt sich die Lage. In den Landkreisen Garmisch-Partenkirchen und Bad Tölz-Wolfratshausen wird der Katastrophenfall aufgehoben.

Lawinenabgang in Steiermark endet in Hotel

Mittwoch, 16. Januar

>> News Blog vom Mittwoch, 16. Januar <<<

Im Berchtesgadener Land kann der Einsatzabschnitt NORD aufgelöst werden. Im Süden gilt allerdings weiterhin der Katastrophenfall. Bei Bayrischzell (Landkreis Miesbach) haben die Einsatzkräfte mit einer schwierigen Situation zu kämpfen. Der Schnee, der noch von vielen Dächern geräumt werden muss, ist "schwer wie Beton".

Brenzlig wird es ab dem Mittag in der Gemeinde Schleching: Der Ortsteil Raiten muss komplett evakuiert werden, weil das Dorf massiv von einem Lawinenabgang bedroht ist. Die Arbeiten werden bis zum Abend erfolgreich abgeschlossen. Am Abend gibt es endgültig das "OK" für den Biathlon-Weltcup ab Donnerstag.

Evakuierung in Raiten in vollem Gange

Donnerstag, 17. Januar

>> News Blog vom Donnerstag, 17. Januar <<<

Die Lage in Raiten ist angespannt. Landrat Walch bezeichnet sie sogar als "brandgefährlich". Die Lawinenkommission nimmt umfangreiche Schneeproben und gibt schließlich am Abend Entwarnung. Die Bewohner können in ihre Häuser zurückkehren. Das Skigebiet Sudelfeld ist nach einem Lawinenabgang auf Bayrischzeller Seite kurzzeitig von der Außenwelt abgeschnitten. Auch bei Sölden (Tirol) geht eine Lawine nieder.

Der Landkreis Miesbach hebt am späten Nachmittag nach elf Tagen den Katastrophenfall auf. "Was Führungsstab und Einsatzkräfte geleistet haben, ist der Wahnsinn", sagt Landrat Rhezak.

Ortsteil Raiten evakuiert - Situation am Donnerstag

Freitag, 18. Januar

>> News Blog vom Freitag, 18. Januar <<

Endlich: Fast überall ist die Lage jetzt deutlich entspannter. Deswegen kommt am Abend die gute Nachricht: Auch der Landkreis Traunstein hebt zum Tageswechsel auf Samstag den Katastrophenfall auf. Landrat Walch dankt allen: "Jeder Einzelne hat Wahnsinniges geleistet."

Vielerorts rücken die Helfer ab. Restarbeiten bleiben noch auf der Winklmoosalm und im südlichen Teil des Berchtesgadener Landes. Hier sind am Freitag noch 70 Dächer zu räumen. Am Samstag, 12 Uhr, gibt es aber auch aus dem Landratsamt in Bad Reichenhall Entwarnung: Das Berchtesgadener Land hebt den Katastrophenfall als letzter Landkreis in Oberbayern auf.

Eine schöne Geschichte zum Schluss...

Das Video zeigt Mitarbeiter der ÖBB, die an einer Zugstrecke mit Schaufeln eine total verschneite Gams aus ihrer misslichen Lage befreien und dem armen Tier so das Leben retteten.

mw

Quelle: rosenheim24.de

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