Busunfall in China

Allgäuer Ärzte sterben in diesem ­Inferno

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Flammen fressen den Bus auf, in dem vermutlich sechs Menschen starben

Peking - Ein Reisebus ist im Norden Chinas nach einem Unfall in Flammen aufgegangen und für fünf Deutsche zur Todesfalle geworden. Drei der Todesopfer stammen offenbar aus Bayern.

Es war die erste Busfahrt der 19-köpfigen Ärztegruppe seit ihrer Ankunft in China. Auf der Schnellstraße zwischen Peking und Tianjin drängelte sich gestern wegen der bevorstehenden Ferien der Ausflugsverkehr. Und dort traf die Gruppe (19 Allgäuer Ärzte, die sich mit traditioneller chinesischer Medizin beschäftigten, und zwei Einheimische) das Schicksal: Gegen 8.30 Uhr krachte ihr weißer Bus auf einen schweren Containerlaster und fing sofort Feuer. Drei Bayern und zwei Baden-Württemberger sowie der Busfahrer kommen in dem Inferno ums Leben, 14 weitere Menschen sollen derzeit in einem Krankenhaus in Tianjin behandelt werden. Drei der Verunglückten seien schwer verletzt.

Deutsche Todesopfer bei Busunfall in China

Deutsche Todesopfer bei Busunfall in China

„Ihr Zustand ist aber stabil“, sagt ein dortiger Arzt namens Zhan. „Die meisten haben Verbrennungen, Brüche oder Quetschungen erlitten – allerdings sind drei von ihnen auf der Intensivstation.“

Dass das Unglück in China zu einer Allgäuer Katastrophe wurde, machte in Scheidegg (Kreis Lindau) schnell die Runde. Denn die Delegationsleitung der Reise hatte der dortige Arzt Thomas N. inne. Er und Kollegen pflegen seit Jahren einen Wissens- und Ärzteaustausch mit den Medizinern der Uniklinik Tianjin. Das zehntägige Programm beinhaltete deswegen neben den Besuchen von Sehenswürdigkeiten auch fachliche Aspekte wie Vorträge zur chinesischen Medizin, Akupunktur bis hin zu kleinen Sprachkursen.

In Tianjin sollte ihr Kontaktmann Fu Dechao von der Universität die Reisegruppe in Empfang nehmen. Doch dann erfuhr er, dass auf der Schnellstraße etwas Fürchterliches passiert war. „Ich bin deshalb zum Krankenhaus geeilt, um zwischen den Patienten und den Ärzten übersetzen zu können“, sagt Fu Dechao der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua. Nach seinen Angaben sind die verletzten Reisenden mittleren Alters. „Der Zustand der meisten ist stabil, aber sie sind offenkundig geschockt“, berichtet der Übersetzer weiter. Nach der Einlieferung der teils Schwerverletzten soll es zunächst zu Verständigungsschwierigkeiten zwischen Patienten und dem Klinikpersonal gekommen sein. Dies schien Stunden später ausgeräumt: Mittlerweile werden die Opfer von Mitarbeitern der Deutschen Botschaft betreut, die aus Peking angereist sind. Auch der Deutsche Botschafter in China, Michael Schäfer, ist nach Angaben des Auswärtigen Amtes inzwischen dort eingetroffen.

Auch bei dem Scheidegger Reisebüro, das zusammen mit Thomas N. die China-Tour auf die Beine gestellt hat, sitzt der Schock nach dem Unglück tief. „Das Ganze ist eine furchtbare Situation“, sagt der Chef Manfred N. gegenüber der tz. „Wir tun nun alles, um den Verletzen und Angehörigen zu helfen, ihnen beizustehen.“ Unter anderem auch dadurch, dass den Verletzten im chinesischem Krankenhaus neue Reiseunterlagen und Pässe besorgt werden. Es ist ja durch das Feuer-inferno alles zerstört worden.

Nun fragt sich jeder: Wie kam es zu dem schrecklichen Drama? War der Fahrer des Busses kurz unaufmerksam und raste direkt in den Laster? Oder gab es einen technischen Defekt? Tatsache ist: Der Verkehr in China ist generell immens – die Autobahnen und Schnellstraßen in China waren aber gestern aufgrund des chinesischen Nationalfeiertags noch überlasteter. 85 Millionen Reisende fuhren bereits am Sonntagnachmittag auf Chinas Autobahnen. Erstmals hatte die chinesische Regierung daher die Autobahnmaut für Privatfahrzeuge während der Feiertage ausgesetzt – was zu einem regelrechten Chaos führte.

mc/age

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