Gemeinderat hat entscheiden

Jodl-Grabstein auf der Fraueninsel muss weg

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Chiemsee/Fraueninsel -  Kommt der umstrittene Gedenkstein weg, der auf dem gemeindlichen Friedhof auf der Fraueninsel an den verurteilten Kriegsverbrecher Alfred Jodl erinnert? Am Dienstagabend entschied der Gemeinderat im nichtöffentlichen Teil seiner Sitzung darüber.

UPDATE, 22. Februar:

Nun ist es fix: Der umstrittene Grabstein auf der Fraueninsel, der an den Wehrmachtsgeneral Alfred Jodl erinnert, muss weg, das berichtet der BR. Er muss durch ein neutrales Grabmal ersetzt werden. An der Grabstätte dürfen nur noch die Mitglieder der Familie Jodl genannt werden. Bürgereister Huber gehe davon aus, dass binnen drei Monaten alles geregelt sei.

Es gab in der Vergangenheit erhebliche Proteste gegen das Denkmal. Dem Deutschen Bundestag und den Bayerischen Landtag wurde im April 2014 sogar eine Petition gegen das Grabmal übergeben. Der Initiator der Petition, Inselbewohner Georg Wieland schrieb dazu an die Regierung: "Auf dem kleinen Inselfriedhof auf Frauenchiemsee befindet sich bis heute an prominenter Stelle das sog. "Jodlgrab". Hier wird bis heute an diese Person in Form eines Grabsteines erinnert. Da Jodl hier auf der Fraueninsel niemals gewohnt hat, handelt es sich hier aus meiner Sicht um eine vorgetäuschte Beerdigung. Diese Art einer "Erinnerungskultur" ist ohne historischen Hinweis so nicht zu akzeptieren. Eine Korrektur ist dringend angezeigt."

Der Gemeinderat hat sich bereits am 17. Juni und am 19. September 2014 gegen die Verlängerung des Grabnutzungsrechtes ausgesprochen. Das heißt, dass dort künftig niemand mehr beerdigt werden darf. Bürgermeister Huber sagte gegenüber dem Bayerischen Rundfunk, dass noch lebende Nachfahren der Bestatteten die Möglichkeit bekommen sollen, weiter ans Grab gehen zu können, weshalb dieses bestehen bleibe.

Vorbericht

Seit Jahren ist der auf dem Friedhof der Fraueninsel stehende Gedenkstein nun bereits umstritten. Sogar bis vor das Gericht hat es das Grabmahl bereits gebracht. In der Vergangenheit hatte der Künstler Wolfram Kastner mit verschiedenen Aktionen das Grab des verurteilten NS-Kriegsverbrechers Alfred Jodl auf der Fraueninsel am Chiemsee verändert, beschmiert und beschädigt.

Aktionskünstler Wolfram Kastner schüttete mehrmals rote Farbe über das sogenannte "Jodl-Grab"

Doch nun fällt in die andauernden Streitigkeiten eine Zäsur: Wie die Chiemgau-Zeitung berichtete, endet am Donnerstag das Nutzungsrecht für das Familiengrab Jodl. Der Inhaber des Nutzungsrechts soll nach einer Verlängerung dieses Nutzungsrechts anstreben - ein entsprechender Antrag läge dem Gemeinderat vor. In seiner jüngsten Sitzung habe dieser jedoch noch keine Entscheidung getroffen, sondern weitere Unterlagen angefordert. Laut der Zeitung soll eine Entscheidung dann in der Sitzung am 20. Februar stattfinden.

Appell an Gemeinderat sich gegen Nutzungsverlängerung auszusprechen

Nicht nur der Aktionskünstler ist gegen das Denkmal. Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der AntifaschistInnen/Kreisverband Traunstein, sowie die Friedensinitiative Traunstein-Traunreut-Trostberg wandten sich bereits in offenen Briefen an die Gemeinde, sich gegen eine Nutzungsverlängerung auszusprechen. "Wir appellieren an Sie, sicher zu stellen, dass keinesfalls diese Grabstätte weiterhin als Denkmal für ewig Gestrige und als Beleidigung für die Opfer missbraucht werden kann", schreibt der Bund der Antifaschisten.

Auch DIE LINKE positioniert sich klar gegen die Verlängerung des Grabes Jodl auf der Fraueninsel: "Eine mögliche Pilgerstätte rechter Gesinnungsträger darf es im Chiemgau nicht geben."

Jodl im Jahr 1946 in Nürnberg als Kriegsverbrecher zum Tode verurteilt 

Alfred Josef Ferdinand Jodl war ein deutscher Heeresoffizier (ab 1944 Generaloberst) und während des Zweiten Weltkrieges als Chef des Wehrmachtführungsstabes im Oberkommando der Wehrmacht an führender Stelle an der Planung der deutschen Militäroperationen beteiligt.

Jodl gehörte zu den 24 im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof angeklagten Personen. Er wurde am 1. Oktober 1946 in allen vier Anklagepunkten schuldig gesprochen, zum Tod durch den Strang verurteilt und mit neun weiteren Verurteilten am 16. Oktober 1946 in Nürnberg hingerichtet. Seine Asche wurde in die Münchner Isar gelegt, demnach befinden sich auf der Fraueninsel keine sterblichen Überreste von Jodl.

Deutsche Richter rehabilitierten Jodl posthum 1953. Deren Urteil widerrief dann noch im selben Jahr der bayerische „Minister für politische Befreiung“ auf Druck der Alliierten. Neben seinem Namen stehen auch die seiner beiden Ehefrauen. So erinnert die Gedenkstätte auch an Irma Jodl (1885-1944), geborene Gräfin von Bullion, und an Luise Jodl (1905-1998), geborene von Benda.

Quelle: rosenheim24.de

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