Durchsuchungen wegen Landfriedensbruch

Todesdrohungen gegen Polizisten

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Burghausen - Polizeibeamte wurden zu Boden gestoßen, mit Bier übergossen und sogar mit dem Tod bedroht: Eine Festnahme in einer Gaststätte stand kurz vor einer Eskalation.

Für Streifenbeamte der Polizeiinspektion Burghausen ist es in der Nacht zum Samstag, 1. Juni, zu einer äußerst brenzligen Situation gekommen. Ein 23-jähriger Tatverdächtiger sollte in einer Gaststätte festgenommen werden, nachdem er offenbar zuvor ein Polizeiauto beschädigt hatte. Anwesende verbrüderten sich mit ihm und versuchten die zahlenmäßig weit unterlegenen Beamten an der Mitnahme der Person zu hindern. Polizisten wurden mit Bier überschüttet, mit dem Tode bedroht und zu Boden geschubst.

Am Donnerstag, 13. Juni, fanden nun an elf Örtlichkeiten Durchsuchungen statt um vor allem an Fotos und Videos zu gelangen, die Beteiligte mit Ihren Handys gemacht hatten. Sie sollen als Beweismittel in Strafverfahren dienen.

Eine Beamtin und ein Beamter der Polizeiinspektion Burghausen waren zunächst in der Tatnacht zu einer Ruhestörung gerufen worden und hatten ihren Dienstwagen am Straßenrand abgestellt. Wie es sich momentan darstellt, schlug während ihrer Abwesenheit der 23-jährige Tatverdächtige auf den Dienstwagen ein und trat die Außenspiegel ab. Der Mann konnte innerhalb kurzer Zeit in einer nahegelegenen Gaststätte ausgemacht werden.

Mit einer weiteren Streifenbesatzung zur Unterstützung, sollte eine Identitätsfeststellung des dringend Tatverdächtigen erfolgen. Nachdem dieser erste Anweisungen nicht befolgte, wurde er vorläufig festgenommen. Der junge Mann widersetzte sich nicht, jedoch fingen ca. 10 bis 12 weitere mit ihm an einem Tisch sitzende Personen sofort an, sich mit ihm zu solidarisieren. Noch in der Gaststätte begannen sie die Beamtin und die Beamten verbal zu attackieren und folgten ihnen nach draußen.

Vor dem Gebäude gerieten die zahlenmäßig weit unterlegenen Polizeibeamten in für sie sehr bedrohliche Situationen. „Nase an Nase“ bauten sich die Männer aus der Gastwirtschaft, die weitestgehend einer gewaltbereiten Burghausener Fußballgruppierung zuzurechnen sind, vor der Polizeibeamtin und ihren Kollegen auf und versuchten sie daran zu hindern, den Festgenommenen abzuführen. Beleidigende Ausdrücke wie „Scheiß Bullen“ fielen, zudem schubsten die Männer die Beamten. Einer der Täter überschüttete einen Polizeibeamten mit Bier, ein weiterer wurde zu Boden geworfen und auch Todesdrohungen mussten sich die Einsatzkräfte anhören. Aus der Gruppe heraus wurde versucht, Gegenstände aus den Einsatzgürteln zu ziehen. Der Situation konnten sich die eingesetzten Beamten, die zwischenzeitlich über die Einsatzzentrale weitere Unterstützung angefordert hatten, nur mit einem zuvor angedrohten Pfeffersprayeinsatz erwehren. Mit großen Anstrengungen gelang es letztendlich, den wegen der Sachbeschädigung Beschuldigten sowie einen weiteren, besonders auffällig bei der versuchten Gefangenenbefreiung agierenden Mann, in die Dienstfahrzeuge und so auf die Dienststelle zu bringen.

Ruhe herrschte dann aber immer noch nicht. Ein Teil der Gruppe belagerte schließlich die Polizeiinspektion und stieß wüste Beschimpfungen und auch wieder Beleidigungen aus. Nach und nach konnte hier die Situation mit ausgesprochenen Platzverweisen bereinigt werden und die Personen zogen sich zurück.

Drei Polizeibeamte erlitten bei dieser Auseinandersetzung leichte Verletzungen, blieben aber weiterhin dienstfähig.

Die beiden Festgenommenen wurden am Vormittag wieder entlassen.

Bei der Begutachtung des beschädigten Dienstwagen wurden neben den abgetretenen Spiegeln und der eingeschlagenen Frontscheibe, auch teils massive Dellen an Türe, Kotflügel, Motorhaube und Fahrzeugdach festgestellt. Laut mittlerweile erstellten Gutachten liegt der Sachschaden bei etwa 7500 Euro.

Die Kriminalpolizeistation Mühldorf übernahm im weiteren Verlauf die Ermittlungen in enger Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Traunstein. Gegen mehrere Personen richten sich nun Tatvorwürfe wegen Landfriedensbruch, versuchter Gefangenenbefreiung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und anderer Delikte.

Am heutigen Donnerstag rückten Polizeibeamte aus, um insgesamt elf vorbereitete Durchsuchungsbeschlüsse zu vollstrecken. Diese hatte die Staatsanwaltschaft Traunstein zuvor beim Amtsgericht Traunstein beantragt. Zielrichtung war insbesondere die Sicherstellung von Bildmaterial auf zur Tatzeit mitgeführten Handys. Beteiligte hatten die für die Beamten schwierige und brenzlige Situation gefilmt. Dieses Filmmaterial soll nun als Beweismittel für das Strafverfahren herangezogen werden.

Zeugenaufruf:

Die Kriminalpolizei bittet Personen, die den Vorfall beobachten konnten, sich zu melden. Dies ist möglich bei der Kripo Mühldorf unter der Telefonnummer 08631/36730, der Polizeiinspektion Burghausen unter der Telefonnummer 08677/96910 oder bei jeder anderen Polizeidienststelle.

Pressemeldung Polizeipräsidium Oberbayern Süd

Quelle: innsalzach24.de

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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