Dealer bei Verhaftung von Polizei getötet:

Nach Todesschuss: Es stellen sich weitere Fragen

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Burghausen - Andre B. wurde an diesem Mittwoch in Noppling beigesetzt. Der 33-Jährige war bei einer missglückten Verhaftung von der Polizei erschossen worden. Ein 15-Jähriger sah es.

Andre B., der bei seiner versuchten Verhaftung am vergangenen Freitag starb, wurde an diesem Mittwoch in Noppling (Landkreis Rottal-Inn) beigesetzt. Rund 100 Freunde und Angehörige des Opfers waren gekommen, um von dem 33-Jährigen Abschied zu nehmen. Andreas Isaak, Pastor der Evangelischen Freikirche Burghausen, meinte in seiner Ansprache: "Ungerecht und tragisch war der Tod von Andre." Offen bleibt, warum der 33-Jährige so jung sterben musste?

Die Beerdigung von Andre B.

"Im Zusammenhang mit der Festnahme eines mit Haftbefehl gesuchten 33-jährigen Mannes zu einem Schusswaffengebrauch durch einen Polizeibeamten. Der 33-Jährige wurde dabei tödlich getroffen."

So lautet die nüchterne Schilderung des Bayerischen Landeskriminalamts, zu den tödlichen Schüssen auf Andre B. Doch wie konnte es soweit kommen, dass er wegen eines Drogendelikts sterben musste? Anwohner und Freunde des Toten verstehen auch nicht, wieso überhaupt ein Schusswaffeneinsatz nötig war

15-Jähriger direkter Augenzeuges der Schüsse

Augenzeuge beschreibt die Todesschüsse

Noch unverständlicher wird der Gebrauch der Waffen durch die Schilderung eines 15-jährigen Jungen. Er spielte gerade im Hof bei den Wäscheleinen Fußball und erlebte die Szene hautnah mit. Denn er stand nur wenige Meter von den Polizisten entfernt, als die Schüsse fielen: "Der eine Polizist hat zuerst in die Luft gefeuert. Dann hat der andere Beamte 'Halt! Polizei!' gerufen und nur eine Sekunde später hat er auf den Mann (Anmerk. d. Red.: Andre B.) geschossen." Der kleine Bruder des 15-Jährigen habe währenddessen an der Eingangstür des Wohnhauses gestanden, genau zwischen den schießenden Polizisten und Andre B. "Zu dem Zeitpunkt waren sechs Kinder im Hof beim Spielen", berichtet der 15-Jährige, der auch bereits bei der Polizei ausgesagt hat.

Der Junge zeigt innsalzach24.de die Stelle, an der die Polizisten gestanden haben. Genau 20 Schritte entfernt wurde der 33-Jährige in den Hinterkopf getroffen und brach tot zusammen. Ob die Zivilbeamten Andre B. vor dem "Halt! Polizei!" schon angesprochen hatten oder dieser die Männer als Polizisten erkannt hatte, konnte der Jugendliche nicht mit Sicherheit sagen. Unklar ist deshalb, was Andre B. in diesem Moment zur Flucht veranlasst hat. Der 33-Jährige war als Drogendealer vorbestraft und wurde aktuell per Haftbefehl wegen eines erneuten Drogenvergehens gesucht.

Der Todesschütze wurde mittlerweile durch das Polizeipräsidium Oberbayern Süd vorübergehend suspendiert. Die Staatsanwaltschaft Traunstein hat gegen ihn ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet. "Diese beamtenrechtliche Verfügung stellt keine Vorverurteilung dar und ist auch keine disziplinarrechtliche Maßnahme", heißt es in einer Pressemitteilung der Polizei.

Die Integrierte Leitstelle Traunstein, die für die Notfall-Rettung in Burghausen zuständig ist, verwahrt sich übrigens gegen die Aussage von Anwohnern, der Notarzt für Andre B. sei erst 45 Minuten nach dem tödlichen Schuss eingetroffen. Dem Burghauser Anzeiger sagten die Verantwortlichen, Notarzt und Rettungswagen seien um 18.02 Uhr alarmiert worden und um 18.14 Uhr vor Ort gewesen.

Aus dem Archiv:

Fotos vom Tatort

Schießerei in Herderstraße

Schießerei in Burghausen

Festnahme missglückt: Mann erschossen!

Demonstration gegen Polizeigewalt in Burghausen

Nach Schießerei: Protest gegen Polizei

Quelle: innsalzach24.de

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