Leisere Glocke durch Holzklöppel?

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Der nächtliche Glockenschlag der Nußdorfer Kirchturmuhr bleibt nach dem Willen des Gemeinderates erhalten. Gesucht wird jedoch nach einer Möglichkeit, den Lärm zu reduzieren.

Nußdorf - Ein Anwohner fordert den Verzicht auf den Stundenschlag der Kirchturmuhr von Sankt Vitus zwischen 22 und 6 Uhr. Die Gemeinde schlägt dagegen eine Kompromisslösung vor: Holzklöppel.

Der Gemeinderat hofft, mit einem Kompromissvorschlag allen Seiten gerecht zu werden. Jetzt soll geprüft werden, ob der Austausch des bisherigen Stahlklöppels durch einen Holzklöppel für eine Lärmreduzierung sorgen kann.

Bereits zum dritten Mal in zehn Jahren hat der Antragsteller versucht, das Schweigen der Turmuhr von Sankt Vitus zur Nachtzeit zu erreichen. "Zuständig für die Turmuhr ist die politische Gemeinde und nicht, wie man zunächst meinen könnte, die Kirchengemeinde", stellte Bürgermeister Sepp Oberauer zu Beginn der Erörterung des Antrags in der betreffenden Sitzung des Gemeinderates klar. Uhr, Uhrwerk und Stundenläutwerk gehörten seit jeher der politischen Gemeinde.

In seinem schriftlichen Antrag, der in der öffentlichen Sitzung des Gemeinderates vorgelesen wurde, gesteht der Antragsteller der Tradition zwar auch ihre Berechtigung zu, weist aber deutlich darauf hin, "dass die Zeiten insgesamt lauter und unruhiger geworden sowie von der Hektik der Schichtarbeit geprägt sind". Daher sei es für ihn nicht nachvollziehbar, dass die Glocken auch die ganze Nacht hindurch läuten würden. Schließlich könne er deswegen im Sommer nicht bei offenem Fenster schlafen. Bauliche Gegebenheiten im Umfeld seines Hauses würden zudem den Schall der Glocken reflektieren und damit die persönliche Situation noch verschlimmern. Er resümiert: "Welch eine Lebensqualität!"

Als Therapeut, der an der Gesundheit der Menschen interessiert sei, wie es in seinem Antrag heißt, sehe er sich außerdem auch als Sprachrohr für viele andere Anwohner, "die sich bislang nicht getraut hätten, etwas gegen den nächtlichen Glockenschlag zu sagen". Und weiter: "Wer einmal unter Schlafstörungen gelitten hat, weiß, was nächtliche Ruhestörung bedeutet." Zum Schluss wendet er sich nochmals direkt an den Gemeinderat und nimmt ihn in die Pflicht: "Es hat was mit Achtsamkeit zu tun, sensibler auf schwächere Menschen Rücksicht zu nehmen." Schließlich drohte er mit der "großen Glocke", an die er die Sache hängen wolle, falls sich der Gemeinderat seines Anliegens nicht annehmen werde. Letztlich habe er nicht vor, einen weiteren und somit vierten Antrag zu stellen. In einem weiteren aktuellen Schreiben entschuldigt sich der Antragsteller dann für seine Emotionen und appelliert abermals an den Gemeinderat, für eine Lösung zu sorgen.

Die Meinungen im Gremium waren geteilt. "Meine Familie und ich wohnen in Nußdorf sehr gut und sehr gerne", kommentierte Bürgermeister Sepp Oberauer, der recht nah an der Kirche wohnt, den Antrag: "Ich empfinde die Glocken nicht als störend. Das gehört zum Dorfleben dazu, außerdem möchte ich den Glockenschlag in Nußdorf nicht missen." Auch Familienangehörige und Freunde aus der Nachbarschaft würden das so sehen, meint Oberauer. Dieser Auffassung schlossen sich weitere Gemeinderäte an, die im Umkreis der Kirche wohnen. Gemeinderätin Barbara Schiedermair aus Überfilzen meint dagegen, dass die Glockenschläge, die die Zeit verkünden sollen, nicht mehr zeitgemäß sind. Mit Rücksicht auf den Antragsteller würde sie diese abstellen wollen, "obwohl ich sie schön finde", so Schiedermair. "Früher war es sinnvoll, wenn die Glocken einem die Zeit angesagt haben, weil nur wenige Bürger eine eigene Uhr hatten."

"Viele Menschen, die hier im Dorf wohnen, möchten den Glockenschlag haben", konterte Leo Dettendorfer. Außerdem kann er sich nicht vorstellen, dass es sich um die Mehrheit der Bewohner handelt, die die Glocken als Störung empfinden, sondern dass es sich offenbar hier nur um eine Einzelmeinung handelt.

In einer längeren Diskussion forschten die Gemeinderäte nach Ursachen für das Empfinden des Antragstellers. Man stellte sich die Frage, ob es sich nicht um ein rein subjektives Gefühl handeln könnte, da sich doch der Mensch verhältnismäßig schnell an Umweltgeräusche gewöhnen könne.

Auf der Suche nach Kompromissen wurden Vorschläge eingebracht, die vom Abschalten der Glocken in der Nacht bis zur Schallreduzierung durch Schließung der Schallläden am Glockenturm gingen. Gemeinderat und Orgelbaumeister Alois Linder kann die Beschwerdeführer verstehen und versuchte einen Kompromissvorschlag zu formulieren. Linder glaubt, dass sich die Lautstärke reduzieren lassen müsste, wenn statt eines Stahlklöppels ein harter Holzklöppel die Glocken zum Klingen bringt.

Bei der Abstimmung wurde der Antrag des Therapeuten mit 10:5 Stimmen abgelehnt. Der Kompromissvorschlag von Alois Linder traf jedoch auf Einstimmigkeit im Gemeinderat. So wurde die Verwaltung beauftragt, den Vorschlag zu überprüfen. Bis dahin heißt es auch in Nußdorf noch: "Süßer die Glocken nie klingen als zu der Weihnachtszeit."

stv/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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