Weniger Piste, mehr Sicherheit

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Obwohl der Abschnitt der Ostabfahrt am Wendelstein zwischen Mitteralm und Aipl "geschlossen" ist, sind dort immer wieder viele Skifahrer unterwegs.
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Brannenburg - Ideale Pistenbedingungen und die tolle Bergkulisse: Am Wendelstein fühlen sich Skifahrer und Snowboarder wohl. Aber was ist eigentlich mit der Ostabfahrt?

Vermehrt wundern sie sich jedoch über die Ostabfahrt in Richtung Brannenburg. Schon seit einigen Jahren ist die Piste nur bis zur Mitteralm geöffnet, das untere Stück ist "chronisch" geschlossen. Zurück zur Talstation geht es nur per Zahnradbahn - auch bei guter Schneelage. Für viele ein Rätsel. Gegenüber den OVB-Heimatzeitungen erklärten die Verantwortlichen jetzt, was sich dahinter verbirgt.

Der Skisport hat am Wendelstein eine lange Tradition. Seit über 100 Jahren brausen begeisterte Alpinisten dort die Hänge hinunter. Die heimischen Wintersportler sind auf "ihren" Skiberg besonders stolz. Denn mit seinen anspruchsvollen Abfahrten im hochalpinen Gelände bietet er Bedingungen, wie man sie sonst nur in den österreichischen Zentralalpen findet.

Neben dem kurzen, aber steilen Hotelhang gilt vor allem die Ostabfahrt als Trumpf. Von der Bergstation des Lacherlifts geht es auf einer schwarz markierten Piste in Richtung Brannenburg. Doch an der Mitteralm (1200 Meter Seehöhe) hat der Spaß schnell ein Ende. "Hauptabfahrt geschlossen" steht mit großen Buchstaben auf einem Schild. Es gibt kein Weiterkommen. Wer zurück ins Tal will, ist auf die Zahnradbahn angewiesen.

Bei einigen mag der Eindruck entstehen, die Piste ist nur vorübergehend geschlossen, beispielsweise wegen Schneemangels, Eisbildung oder Lawinengefahr. Vor allem auch deshalb, weil die Abfahrt in Pistenplänen und auf Umgebungstafeln weiter bis zum tiefer gelegenen Bahnhaltepunkt Aipl führt.

Wer jedoch regelmäßig am Wendelstein unterwegs ist, weiß, dass sie schon seit einigen Jahren nur bis zur Mitteralm geöffnet ist. "Dahinter steckt vor allem der Sicherheitsaspekt", erklärt Zahnradbahnmeister Florian Obermair. Schmelzwasser habe in den vergangenen Jahren den unteren Bereich stark ausgespült. Große Gräben und Unebenheiten seien die Folge gewesen. Inzwischen sei es nicht mehr möglich, die Piste ausreichend zu pflegen. Deshalb habe man sich für die Schließung entschieden.

Ins gleiche Horn stößt Hans Vogt. Er kennt den Wendelstein und dessen Skigebiet wie kaum ein anderer. 46 Jahre lang war er bei den Bergbahnen beschäftigt. Zudem ist er Obmann der Lawinenkommission Brannenburg. Als "äußerst ungut" beschreibt er den Zustand der unteren Ostabfahrt. Die Saison heuer sei nicht repräsentativ. Der schneereiche Februar stelle eine Ausnahme dar, ergänzt er.

Für die Sicherheit der Pisten ist letztlich die Gemeinde Brannenburg zuständig. Deren Bürgermeister Mathias Lederer sieht eine Freigabe des fraglichen Abschnitts ebenfalls problematisch - vor allem auch versicherungstechnisch. Er gibt zu, dass er dort selbst sogar einmal ein Paar Ski "aufgearbeitet" hat. Da sei es deutlich angenehmer, mit der Zahnradbahn ins Tal zu fahren.

Warum aber nehmen die Bahnen den Abschnitt zwischen Mitteralm und Aipl dann nicht aus dem Pistenplan? "Wir haben schon sämtliche Varianten diskutiert", weiß Hans Vogt. Neben einer Herausnahme sowie einer Kennzeichnung als "freies Gelände" habe man auch eine Markierung als "Skiroute", meist violett und gestrichelt dargestellt, in Betracht gezogen. Die jetzige Lösung, den Hang als "geschlossen" (nicht als "gesperrt") zu erklären, bewähre sich jedoch. "Schließlich muss die Beschilderung einer Piste nach ganz speziellen Regelungen und Normen erfolgen", ergänzt er.

Dennoch gibt es eine Menge Wintersportler, die sich davon nicht abhalten lassen und den Weg ins Tal per Ski antreten. Gefährlich kann es dabei für alle werden, die nicht nur bis zum Haltepunkt Aipl, sondern ganz runter bis zum Talbahnhof in Brannenburg fahren. Denn dieser Teil - weder als offizielle Piste gekennzeichnet, noch im Plan eingezeichnet - besteht anfangs aus einem schmalen Ziehweg. "Es handelt sich um eine Privatstraße, welche einige Landwirte nutzen, um Holz zu transportieren", so Obermair.

Dass eine so lange Piste von der Bergstation des Lacherlifts bis nach Brannenburg bei guter Schneelage zwar verlockend sein mag, steht für die Bergbahnen außer Frage. Besonders Einheimische lieben deshalb die Ostabfahrt. Kommen sich aber Wintersportler und Traktoren oder schweres Gerät in die Quere, kann es schnell sehr eng werden. "Saugefährlich", sagt Hans Vogt. Zusammenstoß vorprogrammiert. Auch darauf weist zwar ein eindeutiges Schild mit der Aufschrift "Lebensgefährlich" in Aipl hin. Viele Brettlfans schreckt es aber nicht ab.

Martin Aerzbäck (OVB-Heimatzeitungen)

Quelle: rosenheim24.de

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