Bob-Prozess: Video soll entlasten

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Verteidiger Hans-Jörg Schwarzer ist von der Unschuld seines Mandanten Peter H. überzeugt.

Traunstein - Am Donnerstagvormittag ist am Landgericht Traunstein der Prozess um einen tragischen Bob-Unfall am Königssee neu aufgerollt worden. Die Verteidigung hat zur Berufung neue Beweise vorgelegt.

Ein einminütiges Video soll die Aussage des Angeklagten Peter H. bekräftigen, wonach im Zielhaus zu spät auf die beiden Bobs in der Bahn reagiert worden sei.

Was war passiert?

Im November 2009 fand an der Kunsteisbahn am Königssee ein Training für den Europacup statt. Fünf Bobs sollten nach Absprache in der Mannschaftsführersitzung vom S1 - dem Jugend-Rodel-Start - starten, anschließend sollte das Training regulär vom Bob-Start durchgeführt werden.

Peter H., FIBT-Koordinator Europacup und Jurypräsident, übernahm freiwillig, nach Rücksprache mit der Rennleiterin, den Posten des Starthelfers am S1. Zwei Bobs starteten wie vereinbart, wobei der erste der beiden stürzte. Der dritte Bob, der der Russinnen, sei nicht rechtzeitig am S1 gewesen, deshalb habe er, beteuerte H. im Berufungsprozess noch einmal, erst die beiden anderen Bobs (Italien und Rumänien) starten lassen. Dann seien die Russinen am Start gewesen, er habe sie nachgemeldet und aus dem Zielhaus kam die Lautsprecherdurchsage "Russland, Bahn frei".

Was der Funktionär nicht wusste, am weiter oben gelegenen Bobstart stand zeitgleich ein russischer Bob, der genauso losfuhr wie die beiden Damen vom S1. Sekunden, nachdem die beiden Damen gestartet waren, raste der Bob der russischen Männer an H. vorbei.

"Ich schrie 'break', 'break'", erzählte der Angeklagte. "Dann habe ich sofort die Verantwortlichen im Zielhaus verständigt." Seiner Meinung nach hätte es aber zu lang gedauert, bis die Durchsage, 'Zwei Bobs in der Bahn', gekommen sei. Da die russischen Damen im Kreisel noch dazu stürzten, kam es in der Zielkurve zum unvermeidbaren Zusammenprall der beiden Bobs, bei dem die russische Bremserin schwerst verletzt wurde.

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Ein Video, das der Verteidiger von Peter H., Thilo Pfordte, dem Gericht am Donnerstag vorlegte, soll genau das zu hören sein, was der Angeklagte in der Berufungsverhandlung aussagte. Die Rufe von H. und die Lautsprecherdurchsage. Richter Klaus Weidmann schienen diese Beweise nicht eindeutig, aber bevor er näher darauf einging, machte er sich mit den Verteidigern, dem Staatsanwalt, dem Angeklagten und den beiden Schöffen auf den Weg an den Königssee. Vor Ort wolle er sich ein Bild von den Gegebenheiten machen, so der Richter.

Am Nachmittag sollen dann mehrere Zeugen gehört werden, unter anderem Bob-Bundestrainer Christoph Langen. Insgesamt sind für die Berufungsverhandlung vier Verhandlungstage angesetzt. Für den zweiten Verhandlungstag am Montag hat die Verteidigung zwei neue Zeugen angekündigt.

Peter H. war in erster Instanz am Amtsgericht Laufen zu 120 Tagessätzen a 30 Euro verurteilt worden. Sein Verteidiger Hans-Jörg Schwarzer hatte daraufhin Berufung eingelegt.

Christine Zigon

Quelle: rosenheim24.de

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