Bob-Prozess: rote Ampel entscheidend

Laufen - Am Montag hat Richter Christian Liegl am Amtsgericht Laufen das Urteil im Fall von Peter H. gesprochen. Der 63-Jährige musste sich wegen fahrlässiger Körperverletzung verantworten. **Interview mit Peter H.**

"Ich kann das nicht auf mir sitzen lassen, ich bin nicht schuld", beteuerte Peter H. nach der Urteilsverkündung mit Tränen in den Augen noch einmal. Richter Christian Liegl beurteilt die Situation etwas anders.

Er hat den 63-Jährigen zu 120 Tagessätzen a 30 Euro verurteilt - wegen fahrlässiger Körperverletzung in vier Fällen. Laut Liegl habe der Angeklagte den russischen Damenbob beim ersten Europacup-Training im November vergangenen Jahres am Königssee an einem unteren Startplatz losgeschickt obwohl die Ampel klar rot gezeigt habe - und das über mehr als zwei Minuten. Gleichzeitig ist am regulären Bobstart ein russischer Herrenbob losgefahren und rammte den Damen-Bob, da dieser gestürzt war.

"Mehr als eine Verkettung unglücklicher Umstände"

"Der Unfall ist nicht nur auf eine Verkettung unglücklicher Umstände zurückzuführen", führte Verteidiger Hans-Jörg Schwarzer in seinem Plädoyer aus. Er sieht die Schuld allerdings bei der Rennleitung und der Organisation, nicht bei seinem Mandanten. "Wenn die Ampel eine Rolle gespielt hätte, hätte mein Mandant die Russinnen nicht starten lassen", forderte er den Freispruch für Peter H.

In der Beziehung gab der Richter dem Verteidiger sogar Recht. "Der Angeklagte ist nicht unschuldig, aber auch nicht allein." Nahm er in seiner Urteilsbegründung auch andere Bahnarbeiter in die Pflicht. Immerhin habe der Zeitnehmer im Zielhaus den unteren Startplatz nie explizit gesperrt und auch nicht nachgefragt, ob die zu spät gekommenen Russinnen mittlerweile am unteren Start wären.

Interview mit Peter H.

Das hatte auch Staatsanwalt Andreas Miller in seinem Plädoyer zugunsten des Jury-Präsidenten des internationalen Bobverbandes zugegeben. Möglicherweise gebe es deshalb noch ein weiteres Verfahren gegen den Zeitnehmer und gegen die Rennleiterin. Das werde sich aber erst zeigen, so Miller.

Nach dem schriftlichen Urteil geht es weiter

Verteidiger Hans-Jörg Schwarzer hatte auf Freispruch plädiert, weil abgemacht gewesen sei, dass die Bobs nur auf Lautsprecherdurchsage starten. Mehrere Zeugenaussagen widerlegten diese Aussage allerdings, weswegen der Richter eine Teilschuld auch bei Peter H. sieht. Der will in Berufung gehen, um seine Unschuld zu beweisen. Vorerst warten sowohl Verteidiger als auch Staatsanwalt auf das schriftliche Urteil. Dann wollen sie weitere Schritte einleiten.

Sollte das Urteil gegen Peter H. rechtskräftig werden, könnte ihm ein Zivilverfahren drohen, indem der Anwalt der schwerverletzten russischen Bobfahrerin hohen Schadensersatz fordert. Es ist immer noch nicht klar, ob ihr Bein doch noch amputiert werden muss. Derzeit ist sie an den Rollstuhl gefesselt und die Folgeschäden sind noch nicht absehbar.

Christine Zigon

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © cz

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