Bayerns Bischöfe bedauern "Entheiligung" des Festes

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Der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann

Würzburg - Bayerns Bischöfe haben zu Weihnachten eine “Entheiligung“ des Festes bedauert und mahnten, sich auf die ursprüngliche Bedeutung zu besinnen

Von der Finanzkrise über den Extremismus bis hin zum Glaubwürdigkeitsverlust der katholischen Kirche: Bayerns Bischöfe spannten in ihren Weihnachtsgottesdiensten einen Bogen zu aktuellen Themen.

Der Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx warnte in seiner Predigt an Heiligabend davor, Europa nur auf die gemeinsame Währung zu reduzieren. “Die Identität Europas ist nicht der Euro! So wichtig die Finanzen, das Geld, das Kaufen und Verkaufen, das Verbrauchen und Benutzen sind, es geht letztlich nicht um die Zukunft des Euro, sondern um die Zukunft des Menschen“, betonte Marx an Heiligabend in der Christmette im Münchner Liebfrauendom. Angesichts der aktuellen Schulden- und Finanzkrise in der EU müsse wieder das “wahre und richtige Menschenbild“ in den Mittelpunkt rücken.

Der neue evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm sprach von “Zwängen der Ökonomie“, welche die Menschen beherrschten. In den vergangenen Jahren habe sich Deutschland zu einer “Turbogesellschaft“ entwickelt. “Alles muss immer schneller, immer besser, immer effektiver sein“, kritisierte er laut Mitteilung in seiner ersten Weihnachtspredigt als Oberhirte in der Bischofskirche St. Matthäus in München. Viele Menschen seien ausgelaugt und könnten nicht mehr, kritisierte Bedford-Strohm. “Und auch die Arbeitszeiten müssen sich immer mehr dem anpassen, was für den Betrieb am effektivsten ist.“

Der katholische Passauer Bischof Wilhelm Schraml sagte in seiner Predigt: “Wir brauchen nicht nur eine Globalisierung der Wirtschaft, sondern viel mehr eine Globalisierung des Friedens in unserem eigenen persönlichen Bereich und in der ganzen Welt.“ Er erinnerte an Krisenherde wie Afghanistan oder Afrika. Das Weihnachtsfest ermutige, einander die Hand der Versöhnung zu reichen und sich für Frieden einzusetzen.

Eine “Entheiligung“ des Weihnachtsfests hatte der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick beklagt. Wenn aber niemandem mehr etwas heilig sei, habe das gravierende Folgen, warnte der Bamberger Oberhirte: “Neonazis, Rechtsextremen und Taliban ist das Leben anderer nicht heilig. Deshalb töten sie! Auch radikalisierten Jugendlichen und Bahnhofsschlägern ist das Leben ihrer Mitmenschen nicht heilig, sie schlagen aus Kraftmeierei, Wut oder wegen einer Kleinigkeit andere halbtot.“

Der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa warnte davor, vor lauter vorweihnachtlicher Aktivitäten “auf Weihnachtsmärkten und in Konzerthalle, in Medienshows und Radiosendungen, das eigentlich Datum von Weihnachten ziemlich zu relativieren, ja beinahe aus der Öffentlichkeit zu verdrängen“. Es solle sich niemand davon beirren lasen, das Weihachten erst am Heiligen Abend beginne, sagte er in seiner Predigt am Samstag im Augsburger Dom.

Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller erinnerte in der Christmette im Dom an die unzerstörbare Würde jedes Menschen. Eine “Karriere nach unten“ etwa in Drogen und Abhängigkeit beginne oft mit der mangelnden Erfahrung des Angenommenseins, sagte Müller laut Mitteilung des Bistums am Samstagabend.

Der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann räumte unterdessen einen Glaubwürdigkeitsverlust der katholischen Kirche ein. Laut Predigttext sagte er im Gottesdienst am ersten Weihnachtsfeiertag: “Die Kirche hat leider in den letzten Jahren viel an Glaubwürdigkeit verloren und damit den Weg zur Akzeptanz der Frohen Botschaft erschwert.“

Nicht nur bei den zahlreichen Gottesdiensten im Freistaat feierten die Menschen gemeinsam Weihnachten. Für rund 1000 Münchner Obdachlose gab es auch heuer in der Landeshauptstadt ein besonderes Angebot am Heiligen Abend: Zum 61. Mal organisierte der Katholische Männerfürsorgeverein eine Weihnachtsfeier für Bedürftige im Hofbräuhaus.

dpa

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