Sex-Onkel kommt mit Bewährungsstrafe davon

Mühldorf - Nach den Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs fiel heute das Urteil am Mühldorfer Amtsgericht. Wie der Richter entschied:

Endlich alles ans Licht bringen, das Erlebte nicht länger unter den Teppich kehren – das nannten die beiden Schwestern als Motivation, wieso sie sich der Opferhilfe „Weißer Ring“ anvertraut haben und wieso es schließlich zu einer Verhandlung gegen deren Onkel gekommen ist. Der 51-Jährige soll vor rund zehn Jahren die heute 21-jährige Nichte sexuell missbraucht haben (wir berichteten). Er wurde am Amtsgericht zu einer zehnmonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.

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Die Ausführungen der Schwestern liefern ein unvollständiges Bild ihrer Kinheit. Die alkoholkranke Mutter schlägt ihre Kinder, lebt ihr Sexualleben freizügig vor ihnen aus und setzt sie ihrem „Psychoterror“ aus. Starr hört der Angeklagte den Ausführungen seiner Nichten zu. Zum einen erzählt die 19-Jährige, wie sich ihre ältere Schwester ihr damals anvertraut hat. Mit stockender Stimme schildert diese wiederum, wie der Onkel sie unsittlich berührt und sich vor ihr selbst befriedigt hat. Die Mutter erfuhr zwar umgehend davon, unternommen hat sie allerdings nichts. Außer ihrer Schwester hat sie sich damals niemanden anvertraut. „Ich wusste nicht, ob ich es falsch interpretiert habe. Es war mir peinlich.“ Bis zuletzt blieb der Onkel dabei, seine Nichte nicht sexuell missbraucht zu haben. Vielmehr vermutete er eine Absprache der beiden Schestern zu seinen Lasten.

An der Glaubwürdigkeit der beiden Zeuginnen hatten weder der Staatsanwalt noch der Nebenkläger ihre Zweifel. „Es gibt keinen Grund, den Onkel ins Verderben zu ziehen“, sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Er sowie der Nebenkläger forderten für die beiden Taten eine Gesamtstrafe von zwölf Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung sowie eine Geldauflage von 3000 Euro. „Die Belastungen entsprechen nicht der Wahrheit“, sagte der Verteidiger. Für ihn war nichts „sonnenklar“. Er plädierte auf Freispruch.

Für „falsche Verdächtigungen“ erkannte Vorsitzender Richter Florian Greifenstein keine Motivation. In den „katastrophalen Familienverhältnissen“ der Schwestern sah er in dem Onkel nur eine Randfigur. Zu seiner zehnmonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung muss der Mann eine Geldauflage in Höhe von 1500 Euro leisten.

hi | Mühldorfer Anzeiger

Quelle: innsalzach24.de

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