Betreuung von Asylbewerbern im Landkreis

Ein Sozialarbeiter auf 150 Flüchtlinge

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Landkreis Rosenheim - Susanne Podchul und ihre neun Mitarbeiter von Diakonie, BRK und Caritas kümmern sich um die Betreuung der Flüchtlinge. Mit welchen Problemen die Sozialarbeiter kämpfen:

284 Flüchtlinge muss alleine die Stadt Rosenheim aktuell unterbringen. Der Landkreis Rosenheim muss 5,7 % aller Flüchtlinge unterbringen, die dem Bezirk Oberbayern vom Freistaat zugewiesen werden. Während sich das Landratsamt um die Unterbringung, die Verpflegung und auch die ärztliche Versorgung kümmert, liegt die Betreuung bei sogenannten Trägern. In der Stadt und im Landkreis übernimmt diese Funktion ein Verbund aus der Diakonie, dem BRK und der Caritas. Wir haben uns mit Susanne Podchul, der stellvertretenden Geschäftsbereichsleiterin "Soziale Dienste" der Diakonie über die alltäglichen Herausforderungen für die Mitarbeiter unterhalten.

"Ein Leben in der Fremde"

"Man muss sich nur mal vorstellen, man kommt in ein fremdes Land und will dann dort leben," erzählt Susanne Podchul über die Aufgaben ihrer Mitarbeiter. Bei den Flüchtlingen, die die insgesamt neun Mitarbeiter des Betreuungsverbunds versorgen, gehe es meistens bei Sprachproblemen los.Die Verständigung mit den Asylbewerbern aus allen Schichten und Bildungsgruppen könne dabei dann oft nur in ihrer Muttersprache erfolgen, weiß Susanne Podchul. Weiter sind es dann meist die ganz alltäglichen Dinge, die für Probleme und Missverständnisse bei den Asylbewerbern führten.

"Angefangen bei der Mülltrennung, der Schulanmeldung für die Kinder bis dahin, den eigenen Bildungsabschluss in Deutschland anerkennen zu lassen, um zu arbeiten", berichtet die Bereichsleiterin über die täglichen Herausforderungen im Umgang mit den Flüchtlingen. Dabei müsse man zusätzlich berücksichtigen, dass die Menschen aus den verschiedenen Ländern auch unterschiedliche Bedürfnisse hätten. Die Mitarbeiter der Diakonie, des BRK und auch der Caritas, die zur besseren Bearbeitung der Fälle gebündelt wurden, leisteten einen Großteil ihrer Stunden dabei in der sogenannten "aufsuchenden" Sozialarbeit. Neben den festen Sprechstunden in den Räumen der Diakonie in Rosenheim, soll so der Kontakt zu den Asylbewerbern durchgängig direkt bei den Flüchtlingen zuhause aufrechterhalten werden.

Asylsozialberatungsrichtlinie: Ein Betreuer für 150 Flüchtlinge

"Wir sind immer auf der Suche nach Dolmetschern, besonders für die Arztbesuche", erklärt Susanne Podchul weiter und weist auf den Bedarf in den Reihen der Diakonie zur Bewältigung der vielfältigen Aufgaben hin. Ohne die Leistungen der vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter, wäre die Situation ohnehin nicht zu bewältigen. Bei spezielle Schulungen und Seminaren für die Freiwilligen in Bezug auf den Umgang und die Arbeit mit Flüchtlingen, befinde man sich jedoch noch im Anfangsstadium, so Podchul weiter. Kostenlose Informationskurse für die Ehrenamtlichen würden zwar zum Teil schon angeboten, um angemessen auf die Situation regieren zu können, fehle es jedoch noch immer an Kapazitäten. "Die Stunden der Mitarbeiter reichen einfach nicht aus, um sich sowohl quantitativ als auch qualitativ um alle Belange kümmern zu können," bestätigt die Geschäftsbereichsleiterin.

In der Asylsozialberatungsrichtlinie des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit, Soziales, Familie und Integration heißt es dazu: "Von einer Vollzeitkraft sollen 150 Ausländerinnen und Ausländer betreut werden." Eine Vorgabe, die Susanne Podchul mit ihrem Team, bestehend aus insgesamt neun Sozialarbeitern und Sozialarbeiterinnen aus den Reihen der Diakonie, des BRK und der Caritas im Moment nicht ganz erfüllen kann. Die Zusammenarbeit mit den betroffenen Stellen in der Stadt und auch dem Landkreis Rosenheim lobt Podchul hingegen. Sowohl das Landratsamt als auch die Stadtverwaltung seien stets sehr bemüht, die Abläufe zu unterstützen.

Zusammen mit dem Engagement der zahlreichen Ehrenamtlichen vor Ort versuche man auch weiterhin, so Podchul, "die Lebenssituation mit den Menschen gemeinsam zu meistern" und "die Willkommenskultur in Rosenheim weiter zu pflegen", auch wenn dabei durchaus manchmal schwierige Situation entstünden.

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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