Mühldorf

"Beste Lösung für Senioren"

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Die Diskussionen um die Zukunft der Heilig-Geist-Spital-Stiftung und über eine mögliche Weiterführung des Alten- und Pflegeheims haben in den letzten Wochen hohe Wellen geschlagen. Wir sprachen mit Bürgermeister Günther Knoblauch über die Stiftung und die weiteren Planungen.

Wie beurteilen Sie die derzeitigen Diskussionen um die Heilig-Geist-Spital-Stiftung und um das Alten- und Pflegeheim am jetzigen Standort?

Diese Diskussionen kann ich zum Teil nur sehr schwer nachvollziehen. Grundsätzlich möchte ich feststellen, dass es mir um die beste Lösung für unsere Senioren geht. Festzustellen ist, dass niemand die Stiftung auflösen will. Auch der Stiftungszweck wird garantiert nicht angetastet. Wir mussten aber die 500 Jahre alte Satzung der heutigen Zeit anpassen. Der zweite Punkt ist, dass sich auch die Aufgaben des Altenheims in den letzten Jahren grundlegend geändert haben.

Welche Veränderungen betrachten Sie als so gravierend?

Es wird immer vergessen, dass das historische Gebäude und der Bau aus den 70er Jahren als reines Altenwohnheim geführt wurde, in dem eine Pflege nicht möglich war. Pflegefälle mussten in andere Organisationen abgegeben werden. Vergessen wird auch, dass dieses Altenwohnheim bis zum Jahr 2001 von den Mallersdorfer Schwestern geführt wurde. Vier Schwestern, ein Hausmeister und zwei weitere Angestellte haben diese Arbeit für die 57 Senioren bewältigt. Seit 2001 ist auch Pflege in den Stufen zwei und drei im Heilig-Geist-Spital möglich. Dadurch hat sich die Zahl der Mitarbeiter auf rund 40 erhöht. Die Heimaufsicht hat uns aber deutlich zu verstehen gegeben, dass das Haus erhebliche bauliche Defizite im Pflegebereich hat.

Welche konkreten Defizite wurden von der Heimaufsicht angesprochen?

Defizite gibt es im Bereich der Sanitärausstattung und in den Arbeitsräumen unserers Personals. In der Stellungnahme heißt es ganz konkret, dass das Haus die räumlichen Voraussetzungen für ein Alten- und Pflegehaus nach dem heutigen Standard nicht erfüllen kann.

Die Gutachten und Püfberichte über die Heilig-Geist-Spitalstiftung nehmen viel Platz auf dem Schreibtisch von Bürgermeister Günther Knoblauch ein. Foto sb

Haben die Verantwortlichen der Stadt Untersuchungen vorgenommen, um das Haus den heutigen Gegebenheiten anzupassen?

 

Natürlich. Wir haben im Stadtrat im Jahr 2000 begonnen, diese Untersuchungen in Auftrag zu geben. Dieser unabhängige Gutachter hat 2000 festgestellt, dass der sogenannte Neubau nicht mehr zu sanieren sei. Ebenso hat er uns mitgeteilt, dass der Altbau nur mit erheblichen Eingriffen in das denkmalgeschütze Gebäude genutzt werden könnte. Die Empore der Kapelle wäre für Zimmer vorgesehen gewesen. Diese Ergebnisse haben dazu geführt, dass der Stadtrat 2001 die Erarbeitung eines zukunftsfähigen Konzepts für die Heilig-Geist-Spital-Stiftung einstimmig beschlossen hat. Dieses Konzept beinhaltet auch, dass untersucht wird, wie das Haus wirtschaftlich zu führen sei.

Was verstehen Sie unter wirtschaftlich zu führen?

Wir haben in einem Prüfbericht des Bayerischen Kommunalen Prüfungsverbands sehr deutlich aufgelistet bekommen, dass das Haus nicht wirtschaftlich geführt wird. Bemängelt wurden die hohen Defizite, die mit der Einführung des Pflegebereichs und der daraus resultierenden Personalmehrung, trotz Erhöhung der Heimgebühren, aufgelaufen sind. Diese Defizite sind auch dann zu Stande gekommen, als das Haus voll belegt war. Wir bewegen uns seit dem Jahr 2001 im Bereich von 200.000 bis 400.000 Euro, die aus dem Stiftungsvermögen ausgeglichen werden mussten. Der Prüfungsverband hat uns deutlich zu verstehen gegeben, dass es auf Dauer nicht hinnehmbar sei, dieses Defizit aus Stiftungsmitteln auszugleichen, weil dadurch die Stiftung insgesamt in Gefahr käme. Die unabhängigen Sachverständigen haben auch ganz eindeutig zu verstehen gegeben, dass ein Alten- und Pflegehaus nur bei einer Bettenzahl von mindestens 90 wirtschaftlich zu führen sei. Am jetzigen Standort können aber nur 57 Plätze angeboten werden. Das sind die Fakten, die allen Stadtratsmitgliedern bekannt sind.

Warum drängen Sie so auf die Kooperation mit der Caritas?

Auch in diesem Punkt führe ich nur einstimmige Beschlüsse des Stadtrats aus. Mit einem gemeinsamen Haus schaffen wir inmitten unserer Stadt einen Platz für unsere Senioren, der den heutigen Ansprüchen an Pflege und Unterbringung entspricht. Die bisherigen Verhandlungen laufen sehr positiv. Der Heilig-Geist-Spital-Stiftung stehen im neuen Gebäude 35 Plätze zur Verfügung, insgesamt wird das Haus 103 Plätze anbieten. Die Variante, die wir jetzt bevorzugen, ist die mit den meisten Zimmern. Mit nur einer Küche, zentralen Behandlungs- und Pflegeräumen werden auch Synergieeffekte geschaffen, die in der heutigen Zeit unabdingbar sind, um ein Haus wirtschaftlich zu führen. All das sind für mich wichtige und vernünftige Gründe, um an diesem gemeinsamen Projekt festzuhalten. Dadurch wird auch der Stiftungszweck nicht angetastet und das Stiftungsvermögen bleibt erhalten. Mir zu unterstellen, dass das Stiftungsvermögen anderweitig verwendet werden soll, kommt der Rufschädigung ganz nahe. Ich möchte an dieser Stelle auch Luise Ruhland ganz herzlich für ihre Arbeit danken. Sie hat in ihren vielen Jahren als Seniorenreferentin hervorragende Arbeit für die Heilig-Geist-Spital-Stiftung und für unsere Senioren geleistet. Dies auch jetzt als Beauftragte der Stiftung. Ihr etwas anderes zu unterstellen empfinde ich als Unverschämtheit. Sie hat unseren Dank für ihr langjähriges Engagement verdient.

Wie sehen die weiteren Schritte aus?

Die Kooperationsvereinbarung mit der Caritas steht vor dem Abschluss. In der nächsten Stadtratssitzung werde ich das Gremium über diese Vereinbarungen und über das weitere Vorgehen umfassend informieren. Ich werde auch nochmals ausführlich den Werdegang, die vielen Untersuchungen und die Ergebnisse daraus dem Stadtrat vorlegen. Ziel unserer gemeinsamen Arbeit muss es sein, unseren Senioren das bestmögliche Angebot im Herzen unserer Stadt unterbreiten zu können. sb

Quelle: rosenheim24.de

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