Sarah P.: "Wuchtige" Tritte gegen Dominik Brunner

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Oskar Brunner (r), Vater des ermordeten Dominik Brunner und Nebenkläger

München - Die Menschen eilten einfach weiter: Als die beiden Jugendlichen auf den Manager Dominik Brunner einschlugen, hat nach Aussagen eines Schülers niemand geholfen. Im Gerichtssaal kämpft der 16-jährige Zeuge immer wieder mit den Tränen.

Der bedrohte Schüler Marcel L. hat zu Beginn seiner Aussage schwere Vorwürfe gegen die Passanten am Bahnsteig und den Fahrer der S-Bahn erhoben. Die S-Bahn sei einfach weitergefahren, obwohl der Fahrer gesehen habe, was am Bahnsteig passiert. Sein Spezl Richard M., der bereits am Mittwoch ausgesagt hatte, habe Leute am Bahnsteig "angeschrien", dass sie helfen sollten, "aber keiner hat etwas gemacht".

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Marcel L. kann sich noch sehr genau an den Tag in Solln erinnern. Seine Version deckt sich mit den Aussagen der Angeklagten. Brunner sei in "Boxerhaltung" auf sie zugegangen. "An der Haltung hat man schon gesehen, dass er mal Kampfsport gemacht hat", erzählt der Schüler. Brunner habe zu den beiden Tätern gesagt: "Ihr wollt's nicht anders", erinnert sich Marcel. Die Angeklagten hätten "nur dagestanden". Dann habe Brunner Markus S. ins Gesicht geschlagen, ihn unter dem Auge getroffen. "Ich glaube, der hat sogar geblutet." Dann sei Markus S. "ausgeflippt". Marcel L. geht die Situation vor Gericht und die eigene Erinnerung sehr nahe. Irgendwann hält er es nicht mehr aus, beginnt zu weinen. Richter Baier unterbricht daraufhin die Verhandlung, damit sich der Schüler sammeln kann.

In einem entscheidenden Punkt widerspricht Marcel L. seinen eigenen Aussagen bei der Polizei unmittelbar nach der Tat. Richter Baier hält ihm vor, dass er damals gesagt habe, beide Angeklagten hätten regelrecht auf Brunner eingestiefelt. Heute vor Gericht sagt er, an Tritte könne er sich überhaupt nicht mehr erinnern. Die Richter haken nach, ob es sein könne, dass er die Tritte verdrängt hat. Marcel verneint. Ob er Angst habe? Auch das bestreitet der 16-Jährige.

Kurz nach der Mittagspause hat Marcel es geschafft - für heute. Denn das Gericht will wegen seiner widersprüchlichen Aussagen zu möglichen Tritten nun den Polizeibeamten hören, bei dem Marcel seine erste Aussage gemacht hat. Danach muss er möglicherweise noch einmal in den Zeugenstand.

Bisher können die Verteidiger seine Aussage als Erfolg verbuchen. Nicht nur, dass er sich nicht mehr an die Tritte erinnert. Er hat auch ausgesagt, dass er während der gesamten Tat "nicht damit gerechnet hat", dass Brunner stirbt.

Nach einer kurzen Pause sagt nun die erste Schülerin aus, die mit Marcel L. und Richard M. an der Donnersbergerbrücke gewartet hatte.

Sarah P. belastet Markus S. schwer. Nur er habe mindestens zehn Mal auf den am Boden liegenden Brunner eingetreten. "Wuchtig" seien die Tritte gewesen. Sebastian L. habe Brunner zwar am Anfang festgehalten, damit ihn Markus S. verprügeln kann, als das Opfer zu Boden ging, habe Sebastian L. aber aufgehört und versucht, auch Markus S. wegzuziehen. Sarah will auch gesehen haben, dass Dominik Brunner versucht habe, wegzulaufen. Er sei allerdings nur einige Meter weit gekommen, bis die Angeklagten ihn eingeholt hätten.

pv

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