AfD-Veranstaltung in Kolbermoor 

Wir gegen das Pack: von Storch und Winhart im Wahlkampf-Modus

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Andreas Winhart (Bundestagskandidat), Beatrix von Storch (Europaabgeordnete, stellv. Bundesvorsitzende) und Franz Bergmüller (Kreisvorsitzender). 
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Kolbermoor - Die AfD versuchte sich am Freitagabend in Kolbermoor als letzte konservative Kraft zu inszenieren, die eine alte Bundesrepublik zurückhaben will, in der es noch sicherer und überschaubarer war. Der Antrieb dabei ist die Wut auf die Veränderungen, die man wieder zurückschrauben will. 

Vor dem Mareissaal demonstrieren am Freitagabend einige AfD-Gegner gegen den Auftritt des "AfD-Promis" Beatrix von Storch. Der Kreisvorsitzende Franz Bergmüller sprach von einer "spärlich besuchten Demo" und versicherte seinen Gästen mit Blick auf den eigenen AfD-Ordnerdienst und die Polizeikräfte: "Hier bei uns seid ihr gut geschützt!"

Zahlreiche Polizeikräfte sicherten die prominente Europapolitikerin und stellvertretende Parteivorsitzende Beatrix von Storch. Der Abend verlief friedlich. Hier die Gegendemo vor dem Mareissaal. 

Kolbermoors Bürgermeister Peter Kloo bekam dann noch einen Seitenhieb von Bergmüller, weil er die Veranstaltung habe verhindern wollen: "Das ist also Demokratie hier in Bayern und in Kolbermoor? Pfui Deibel!"  

Mit rund 200 Gästen war der Mareissaal gut besucht, darunter war auch ein großer Teil ohne Parteibuch. "Schön, dass sie sich hier hergetraut haben", begrüßte sie der Bundestagskandidat Andreas Winhart ausdrücklich. 

"Heuchlerisches und verlogenes Pack"

Die "Ehe für alle", die zuvor am Vormittag in Berlin beschlossen wurde, zog sich wie ein roter Faden durch den Abend. Als ein Beleg für die angebliche Verkommenheit der Republik der sogenannten "Altparteien". "Soll das Unnormale jetzt das Normale sein?", fragte der Kreisvorsitzende Bergmüller. 

Für den Bundestagskandidaten Winhart ist der Beschluss des Bundestags der "Todesstoß für die bürgerlichen Werte der CDU!" Seine Wut steigerte sich in dem Satz: "Dieses heuchlerische, verlogene und selbstgerechte Pack muss im September weg!" Er selber strebe noch eine "normale Ehe" an und sei froh, "dass man das in unserem Kreis noch sagen darf." 

Für Beatrix von Storch ist auch auf die CSU kein Verlass mehr, nun sei die AfD "der Anwalt der traditionellen Familie". Lobend erwähnte von Storch die Gegenrede der ehemaligen CDU-Abgeordneten Erika von Steinbach bei der Debatte, die jedoch bei ihrer letzten Rede im Bundestag respektlos behandelt worden sei. "Die Sitten in diesem Haus sind verkommen, es wird Zeit, dass wir da einziehen", polterte von Storch unter dem Jubel vieler Parteimitglieder. 

Sie habe das Gefühl, dass das Land mit zunehmender Geschwindigkeit an die Wand gefahren werde. Im Bundestag herrsche teilweise eine "geistige Umnachtung" und Bundeskanzlerin Angela Merkel zeige größenwahnsinnige Züge, äußerte von Storch später. 

Geschmückt mit Fahnen: Rund 200 Gäste verfolgten die dreistündige Veranstaltung im Mareissaal. 

von Storch: Trauer der Bundesregierung ist eine Lüge

Das Hauptthema des Abends war die Sicherheit. Winhart beklagte, dass auch in der Region eine Verschlechterung der Sicherheitslage wahrnehmbar sei. Ein Beleg dafür seien die Einbruchsserien oder dass sich immer mehr Menschen selbst mit Pfefferspray zu schützen versuchen. Über 150 Jahre hätte es beim Rosenheimer Herbstfest keine Sicherheitsmaßnahmen vor Terror oder Taschenkontrollen gebraucht - nun schon. "Die verschärfte Bedrohungslage ist deutlich zu spüren", so Winhart. 

Das Probleme für von Storch ist, "dass man sich bereits an Anschläge gewohnt hat, diese keine großen Wellen mehr schlagen." Früher habe man über ständige Anschläge in den Nachrichten aus Israel und dem Nahen Osten gehört, "jetzt passieren diese Dinge hier bei uns!" Die AfD sei die einzige politische Stimme, die sich nicht daran gewöhnt habe. 

Der Bundesregierung warf sie vor, bei Terroranschlägen schon mit Routine umzugehen: "Wenn der Regierungssprecher behauptet 'Wir trauern mit den Opfern', dann lügt ihr oder er hat noch nie getrauert." Die Regierung verhalte sich den Angehörigen gegenüber respektlos. 

In einem Rückblick auf Nachrichten der vergangenen Wochen kommentierte von Storch die Ereignisse mit satirisch-zugespitzten Bemerkungen. Da kam auch schon mal etwas durcheinander. So behauptete sie, das Musikfestival "Rock am Ring" sei auf Grund eines Crew-Mitarbeiters aus der islamistischen Szene abgesagt worden. Richtig ist, dass das Festival lediglich unterbrochen wurde - und Schreibfehler bei den Namen der beiden Aufbauhelfer auf der Personalliste zum unbegründeten Terroralarm führten, was der rheinland-pfälzische LKA-Chef später mitteilte.  

Der Islam ist die Steinzeit

Die Grenzen zwischen Islam und Islamismus verschwimmen in den Ausführungen der Europaabgeordneten. Sie forderte, dass der Verfassungsschutz flächendeckend alle Moschee überwachen müsse, um zu verhindern, dass sich die Muslime radikalisieren. Einen Austausch verschiedener kultureller Einflüsse lehnt sie ab: "Wenn die Neuzeit mit der Steinzeit Kompromisse macht, dann lebt man wieder im Mittelalter!"

Einen Verbündeten gegen den Islam sieht von Storch in Russland. Das christlich-orthodox geprägte Land sei "Partner, nicht Gegner". Diesen Partner brauche man auch, angesichts der "Völkerwanderung" von Afrika in Richtung Europa, wobei ein Großteil der Migranten Muslime sei. "Der afrikanische Kontinent setzt sich in Bewegung", so Storch, "Und das ist erst die Vorhut!", zeichnete sie ein bedrohliches Bild. So lange die Grenzen Europas durchlässig seien, würden mehr Menschen aufbrechen. 

"Nur Kinder von Deutschen sollen Deutsche sein"

Zum "Wir" der AfD gehören auch nicht Muslime, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind, sofern sie ausländische Eltern haben. "Wir wollen das Abstammungsprinzip wieder zurückhaben", forderte sie. "Nur Kinder von Deutschen sollen Deutsche sein". Das sei gültiges Recht bis zum Jahr 2000 gewesen. Was mit den Menschen sei, die danach mittlerweile eine deutsche Staatsangehörigkeit bekamen? "Man muss sehen, was man da machen kann", ließ von Storch offen.

Presseboykott, Wahlfälschungen, Manipulationen

Schon in seiner Begrüßung beklagte der Kreisvorsitzende Franz Bergmüller einen "Presseboykott" gegen seine Partei, sowohl in TV-Talkshow, aber auch in regionalen Medien werde die AfD totgeschwiegen. In Kolbermoor anwesend waren allerdings, neben rosenheim24.de, auch das OVB sowie das Fernsehen rfo da. "Die veröffentlichte Meinung ist zum Teil gesteuert", behauptete Bergmüller weiter.

Die AfD-Europaabgeordnete blies später ins selbe Horn des Misstrauens. So seien Statistiken manipuliert. Es sei auch deshalb wichtig, dass die AfD in den Bundestag einziehe, um durch kritische Anfragen an die Regierung "der "Realität wieder Raum zu schaffen". 

Obwohl manche Gäste im Saal schon von einem Wahlergebnis von 20 Prozent träumten, warnten von Storch, Winhart und Bergmüller, dass durch Wahlfälschungen die AfD doch noch klein gehalten werden könnte. Er würde es den Brüdern zutrauen, so der AfD-Kreisvorsitzende. In Bremen und NRW sei es schon zu Wahlfälschungen zu Lasten seiner Partei gekommen, was Neuauszählung zu Tage brachten. 

Deswegen stellte von Storch in Aussicht, dass die OSZE die Wahl überwachen könnte, das Thema stehe am Montag auf der Tagesordnung des Bundesvorstands. Auf lokaler Ebene forderte Winhart die Parteimitglieder dazu auf, am Wahlsonntag selbst bei der öffentlichen Auszählung der Wahlzettel mitzuhelfen oder diese zu begutachten, statt sich "von ARD und ZDF verblöden zu lassen". 

Quelle: mangfall24.de

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