Auch „Der Spiegel“ berichtet groß

New York Times macht Rosenheimer Polizisten zum Internet-Helden

Große Bühne für Andreas Guske vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd. Die „New York Times“ widmete ihm einen Artikel.
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Große Bühne für Andreas Guske vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd. Die „New York Times“ widmete ihm einen Artikel.

Als das Phänomen rechter Fake-News über Flüchtlinge auf Facebook noch neu war, reagierte ein Rosenheimer Polizeisprecher richtig. Drei Jahre später bringt ihn die New York Times groß raus.

Rosenheim - Fake-News gehören auf Facebook zur Tagesordnung. 2016 dagegen war das Phänomen für Medien und Polizei noch ziemlich neu. Damals galt Facebook für viele Journalisten noch als vertrauenswürdige Quelle. Ein Posting eines Users, das für großes Interesse oder Beunruhigung sorgte, war für lokale Medien immer eine Nachfrage bei der Polizei wert. 

Eine dieser Nachfragen zu einem Facebook-Beitrag erreichte die Polizei im Januar 2016 und löste größere Ermittlungen beim Präsidium Oberbayern Süd aus. 

Ein „Marius“ berichtete damals in einem Facebook-Post von einer Vergewaltigung einer 13-Jährigen in einer Traunsteiner Unterführung durch mehrere Asylbewerber. Die Polizei würde den Fall vertuschen, behauptete er im Netz.

Das Polizeipräsidium Oberbayern in Rosenheim konnte die Meldung durch eigene Ermittlungen als etwas entlarven, das heute jeder kennt: als Fake-Meldung. Merkur.de* und tz.de* berichteten ausführlich.

Jetzt macht die „New York Times“ Rosenheimer Polizisten zum Internet-Helden

Die Ermittlungen und ihr Ergebnis waren offenbar für die New York Times so aufsehenerregend, dass sie noch drei Jahre später ein ganzes Team an Reportern nach Rosenheim schickte und den damals Verantwortlichen aufsuchte: Andreas Guske, 47, Pressesprecher und Social-Media-Experte des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd in Rosenheim.

Am 12. Februar 2019 erschien der Artikel über den „stahläugigen Polizeiinspektor“, der Guske weltweite Bekanntheit beschert haben dürfte: „When Facebook Spread Hate, One Cop Tried Something Unusual“ in der New York Times und auf nytimes.com. Selbst der Spiegel greift den Bericht in seiner aktuellen Ausgabe unter der Rubrik „Eine Meldung und ihre Geschichte“ auf. Darin relativiert Guske den New Yorker Artikel auf Nachfrage allerdings etwas. Ganz so einfach, wie dort beschrieben, sei es nicht gewesen. 

Meldung als Fake entlarvt: Guske begab sich auf „Schnitzeljagd“

Wer Andreas Guske kennt, weiß allerdings auch, dass der „stahläugige Inspektor“ kein Freund der lauten Töne ist, dafür aber sehr gründlich in seiner Arbeit. So auch im Januar 2016. Guske beginnt nach der Presse-Anfrage mit seinen Ermittlungen, schickte Kollegen zu demjenigen, der den Post abgesetzt hatte und lässt dessen „sichere Quellen“ erfragen. 

Von da geht die Schnitzeljagd weiter über einen Freund des Facebook-Useres „Marius“, der die Info von einer Arzthelferin hat. Die weiß die Geschichte von ihrem Chef, der sie von einem befreundeten Professor gehört hat, welcher es von seinem Sohn erfahren haben will, der die Mutter des Opfers kennt.

Am Ende der Kette steht eine uralte Polizeimeldung, die Guske selbst geschrieben und veröffentlicht hat, allerdings kaum etwas mit dem Facebook-Post zu tun hat: Ein südländisch aussehender Mann hatte eine 17-Jährige in der Silvesternacht sexuell belästigt. Und das nicht in Traunstein, sondern in Traunreut.

Facebook-User „Marius“ ist unbelehrbar: Er verbreitete wieder Fake-News 

Die Polizei weist „Marius“ darauf hin, dass er eine Falschmeldung verbreitet. Offenbar mit wenig Erfolg. Ein Jahr später taucht die Fake-News wieder auf Facebook auf. Mit identischem Text, nur der Landkreis ist ein anderer. Chiemgau24.de* und die Polizei stellen 2017 auch diesen Fall klar.

Nicht nur für Journalisten, auch für eine immer größere Anzahl von Nutzern beginnt Facebook da aber sowieso schon den Status eines verlässlichen Mediums zu verlieren.

Auch interessant zum Thema - ein Erfahrungsbericht unseres Autors auf Merkur.de*Auf Facebook: Hilfe, jemand hat mein Gesicht geklaut 

kmm

*Merkur.de, tz.de und chiemgau24.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk

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