Grundrechte vs. Gesundheit: Das sagt ihr zu den Demos

Leserin: "Ich finde es sehr gut, dass es immer noch Menschen gibt, die für die Grundrechte eintreten. Das ist derzeit sehr wichtig."

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Auch in Prien am Chiemsee sahen sich am Samstag, 23. Mai, viele Menschen gezwungen auf die Straßen zu gehen, um für ihre Grundrechte zu kämpfen.

Landkreis - Die Demonstrationen an den vergangenen Wochenenden für die Grundrechte haben heftige Debatten entfacht. Doch was haltet Ihr von den Grundrecht-Demos? Zahlreiche Leser/-innen haben der Redaktion ihre persönliche Meinung geschildert.

Im Kampf gegen das gefährliche Coronavirus wurden weltweit drastische Maßnahmen wie Ausgangssperren und Reiseverbote verhängt. Seit einigen Wochen wurden zumindest in Deutschland die Corona-Regeln nun gelockert. So herrscht seit dem 6. Mai nur noch eine Kontaktbeschränkung, auch im Freistaat. Man darf seine Wohnung nun auch wieder ohne triftigen Grund verlassen und auch Treffen von Angehörigen zweier Haushalte sind wieder möglich - und zwar sowohl im privaten als auch im öffentlichen Raum


Dennoch gibt es weiterhin viele Einschränkungen und das Leben ist nicht mehr dasselbe, wie viele es kennen und lieben. Während viele Bürgerinnen und Bürger für die "Anti-Corona-Maßnahmen", wie die Abstandsregel oder Maskenpflicht in Supermärkten, Verständnis zeigen und diese befürworten, sehen zahlreiche Mitmenschen sich um ihre Freiheit und Rechte beraubt.

An den vergangenen Samstagen (9. Mai und 16. Mai) kam es deutschlandweit zu vielen Demonstrationen für die Erhaltung der Grundrechte. Bei den Demos am 9. Mai in Rosenheim, Prien und Traunstein missachteten viele Demonstranten die Abstandsregeln, was zu Unmut bei einigen Lesern führte. Zu den Demos am 16. Mai in Bad Reichenhall, Traunstein, Traunreut und Waldkraiburg zog die Polizei dann eine sehr positive Bilanz, denn es wurden keine nennenswerten Störungen festgestellt. 


Auch bei der Demos am Samstag, 23. Mai, in Bad Reichenhall und in Prien am Chiemsee verlief alles friedlich. Rund 50 angemeldete Personen demonstrierten am Reichenhaller Rathausplatz. Dennoch haben die Grundrecht-Demos heftige Debatten entfacht. Wir haben Euch gefragt, wie Ihr zu den Demonstrationen steht:

So denkt Ihr über die Grundrecht-Demos:

"Für die inhaltliche Überprüfung der durch die Leser dargelegten Fakten übernimmt die Redaktion keine Verantwortung"

Anonym aus Bayern

Die Meinung des Einzelnen (vor allem des Andersdenkenden) interessiert hier leider nur die wenigsten. So kommt es auch zu unangemessenen Statements, zB. von Landräten. Hier werden Menschen gegeneinander aufgehetzt. Man merkt, dass sie auf 180 sind - das ist nicht professionell und auch nicht ihre Aufgabe. Wer so direkt nichts auf die Meinungsfreiheit gibt, der sollte dann seine Meinung auch so nicht äußern.

Allen voran sollte ein Politiker in dieser Position sich für seine Bürger interessieren und möglicherweise denjenigen und auch sich selbst die Frage stellen, woher der Unmut kommt. Es werden die Demonstranten nicht von den Zuschauern unterschieden, es wird nicht erwähnt, dass die Demonstranten durchaus versuchten, Abstand zu halten - Maskenpflicht besteht an der frischen Luft keine.

Wurden die Senioren, die Kinder, die Therapiebedürftigen gefragt? Wurden die Mütter und Väter gefragt? Die Omas und Opas, hat man an die gedacht? Möchtet ihr einsam sein - oder seid ihr euch der Gefahr bewusst? Hier mag es um das Allgemeinwohl gehen, doch wie dieses aussieht, dazu gibt es viele unterschiedliche Meinungen und Ansichten unter anderem von angesehenen Ärzten, Psychologen und Wissenschaftlern. Eine ideale Lösung gibt es einfach nicht, weil ein Virologe diese Thematik anders angeht als ein Psychologe - ganz klar. Nur das eine oder das andere zählen zu lassen - nicht klar. Es ist - wie bei allen Dingen im Leben - die gesunde Mischung.

Doch wer der Masse nicht folgt, der ist dann egoistisch oder ein Verschwörungstheoretiker. Sogar als Massenmörder werden diejenigen bezeichnet. Wer zum Frieden beiträgt (aus politischer Richtung) ist einzig und allein die Polizei, die - meiner Meinung nach - in einer sehr schwierigen Zeit einen tollen Job macht und sich nicht abfällig über "Zustände" äußert. Da tut es gut, DANKE zu sagen - auch wieder an dieser Stelle! Vielen Dank, es ist bestimmt nicht leicht!

Judith aus Traunstein

Diejenigen welche demonstrieren, sind die ersten, die plärren würden und wieder demonstrieren, wenn ihnen etwas passiert und sie krank werden, weil die Politiker nicht schnell genug reagiert haben. Es sind auch jene, die im Familien- und Freundeskreis niemanden haben, welche zur Risikogruppe gehören, krank geworden sind und deshalb nehmen sie die ganze Pandemie nicht ernst. 

In meinem Freundeskreis wurde jemand mit Corona infiziert und wir haben alle um diese Person gebangt. Wir halten alle zusammen und haben keine Zeit für so einen Schwachsinn. Ist diesen Leuten einfach nur langweilig? Dann sollten sie mal am Wochenende die Zeitung lesen. Normalerweise stehen Samstags im OVB höchstens zwischen 25 und 35 Traueranzeigen. Warum standen dann zu Hochzeiten der Pandemie an zwei Wochenenden je 54 Traueranzeigen im OVB? Menschen mit einem guten sozialen Umfeld und Grips, kommen gar nicht auf die Idee, mit so schwachen Argumenten auf die Straße zu gehen. 

Ich lebe noch nicht sehr lange in Traunstein, gehöre zur Risikogruppe, habe hier "nur" zwei Nachbarsfamilien als Kontakt und meine Kinder, Bruder, Nichte und andere Verwandte wohnen weit weg. Trotzdem bin ich sehr glücklich und zufrieden, dass die Politiker, speziell Herr Söder, so "für uns" entschieden haben. Sie haben es doch nicht für sich gemacht. Sie wurden wie wir, ins kalte Wasser geschmissen und mussten schnell reagieren, um ihr Volk zu schützen. Keiner von ihnen hat sich die Entscheidungen eben mal so aus den Ärmeln geschüttelt. Oder meint ihr etwa, es ist ein Fake, dass im Krankenhaus Traunstein 145 Mitarbeiter infiziert wurden und allgemein so viele Menschen an Covid19 sterben?

Über so etwas macht man sicher keine Witze. Setzt euch doch mal hin und denkt darüber nach, wie ihr in dieser Situation als Politiker entschieden hättet, um Millionen von Menschen zu retten. Wir wissen doch alle, wie lange es normalerweise dauert, eine so große politische Entscheidung zu treffen. Sich planlos wichtig zu machen ist kein Kunststück, sondern einfach nur dumm. Zeigt doch Alternativen auf, anstatt g'scheit daher zu reden - über was eigentlich? Bisher blickt nämlich keiner durch, was ihr genau wollt, am aller wenigsten wohl ihr selbst. Gut, dass ihr bislang nur so wenige Personen seid, die demonstrieren. Die Mehrzahl weiß Gott sei Dank, dass es wichtigeres gibt, als sich euch anzuschließen. 

Alle weiteren Reportagen, Lesergeschichten und Service-Artikel zum Coronavirus findet Ihr in unserem großen Wegweiser durch die Berichterstattung.

Marika aus Mähring

Liebe Demo-Gegner, ich finde es sehr gut, dass es immer noch Menschen gibt, die für die Grundrechte eintreten. Das ist derzeit sehr wichtig. Die Medien haben in letzter Zeit leider sehr einseitig informiert. Damit sich alle an die Ausgangsbeschränkung halten, haben sie uns jeden einzelnen Verstorbenen täglich mehrfach vorgebetet und das hat wirklich gut funktioniert.

Die Einschränkungen bis Ostern waren okay. Eine Zeit lang geht das schon. Aber jetzt sollten wir dazu übergehen, die zu schützen, die den Schutz brauchen und wollen. Nicht jeder möchte den Schutz und das haben wir auch zu akzeptieren, das nennt man Eigenverantwortung. Wir haben keinen Impfstoff, das wird womöglich auch noch lange dauern. Ich bin kein Gegner, meine Kinder sind gegen fast alles geimpft, aber das sind Impfstoffe, die seit Jahren auf dem Markt sind und die lange getestet wurden. 

Ich werde aber einen Teufel tun und meinen Kindern das Zeug spritzen lassen, das dann im Eiltempo auf den Markt geworfen wird. Meine Mutter ist 80 Jahre alt und wenn sie möchte, werde ich sie gern zum Impfen fahren. Aber wenn ich jetzt schon wieder lese, dass der Herr Spahn einen Gesundheitsausweis einführen möchte, in dem bestätigt ist, dass ich entweder Corona hatte oder geimpft bin, bekomme ich schon wieder einen dicken Hals. Denn das heißt ja, dass ich Strafen oder Beschränkungen bekomme, wenn ich mich oder meine Kinder nicht impfen lasse. 

Wie bei den Masern, da haben wir seit 1. März eine Impfpflicht. Ich musste den Impfpass mitnehmen, denn wenn mein Kind nicht nachweislich geimpft ist, darf es nicht in den Kindergarten. Aber wie gesagt, das ist ein Impfstoff, der seit Jahren auf dem Markt ist. Ansonsten bin ich dafür, dass die Schulen und der Kindergarten wieder normal geöffnet wird. 

Bis dahin liegt es an mir, meine im Haus lebende Mutter zu schützen - und das kann ich. Ich habe auch einen großen Garten, uns ist also auch nicht langweilig. Nun noch an alle, die an der Stelle sagen, das kannst du leicht sagen, wenn keiner aus deinem Umfeld verstorben ist. Mein Vater ist verstorben. Ja, er hatte Covid19, allerdings war er 77 Jahre alt und Herz- und Lungenkrank. Gesund hätte er das wohl überlebt, aber er wartete schon seit Jahren darauf, dass er endlich gehen durfte. Auch wenn es für mich sehr schlimm war, für manche ist das ein Segen.

Ich sollte vielleicht noch dazu sagen, dass ich nichts gegen den Mundschutz habe, der ist mir egal und da ich in der Altenpflege arbeite, muss ich den den ganzen Tag tragen. Ach ja, in den Altenheimen sollten weitere Lockerungen gut überlegt sein. Das sie die ganzen Großveranstaltungen abgesagt haben, ist mir aber egal.

In einer Umfrage der OVB24-Portale zeigen rund ein Viertel der Leser Verständnis für die Demonstrationen:

Renate aus Ampfing

Leute, ich verstehe die Welt nicht mehr. Grundrechte, Freiheitsberaubung - gehts noch? Wenn man dran denkt, wie im März/April geplärrt wurde: "Holt uns zurück!", was ja auch erfolgt ist, wird jetzt geplärrt, wenn man mal nicht in den Urlaub weiß Gott wohin kann. Statt Corona könnte man jetzt "Cravallo" sagen. Ich habe mich mit einer Bekannten unterhalten, die daran erkrankte, was sie geschildert hat, das ist nicht mehr zum lachen. 

Renate aus Ampfing äußert ihre Meinung.

Selbst die Aussage einer Krankenschwester, die Corona-Patienten behandelt, sagt vieles aus: "Wenn die Leute wüssten und sehen könnten, wie elendig die Erkrankten zugrunde gehen - dann würden sie vielleicht etwas anders denken. Es ist doch keiner in Gefangenschaft, aber etwas Vorsicht kann man mit einigermaßen klarem Verstand walten lassen." 

Ich habe einen Discounter in der Nähe und da kann ich zehnmal am Tag vorbeikommen, der Parkplatz ist brechend voll! (Ich wollte das nur einmal selber sehen und bin mit Abstand vorbeigegangen). Das ist aber jetzt nur ein Geschäft in einem Ort. Wie viel landet von den Lebensmitteln letztendlich dann wieder auf dem Müll? Eine Aussage eines Professors im TV, der gefragt wurde, wann seiner Meinung nach wieder die Normalität eintritt, sagte: "Das was bis jetzt als Normalität angesehen wurde, war überhaupt keine mehr. Jeder wollte mehr und wenn der eine was hat, muss es der andere doppelt haben usw." Ja, so war es und so konnte es und so soll es auch nicht weiter gehen.

Was haltet Ihr von den Grundrecht-Demos? Schickt uns Eure Leserbriefe

Die Demonstrationen für die Grundrechte an den vergangenen Wochenenden haben heftige Debatten entfacht.Doch was haltet Ihr von den Grundrecht-Demos? Findet Ihr es egoistisch gegenüber den Mitbürgern oder kämpft Ihr für die Grundrechte und seid vielleicht sogar selbst bei den Demonstrationen dabei? 

Erzählt uns, was Euch bewegt und schickt Eure Leserbriefe per Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: "Corona-Demo" im Betreff). Bitte sendet uns neben Euren Zeilen auch unbedingt Euren Namen und Euren Wohnort, auch ein Foto von Euch könnt Ihr gerne mitschicken. Auch über die Facebook-Seiten von rosenheim24.de, mangfall24.de, wasserburg24.de, innsalzach24.de, chiemgau24.de oder BGLand24.de könnt Ihr uns eure Nachricht zukommen lassen.

Wir veröffentlichen Eure Leserbriefe anschließend in einem Artikel. 

Grundrechte vs. Gesundheit: Das sagen Polizei, die Veranstalter der Demos und regionale Politiker

"Im Bezug auf die 50 angemeldeten Demonstranten wurden alle Vorgaben eingehalten. Das Tragen eines Mundschutzes wurde zwar empfohlen, jedoch war dies nicht verpflichtend und entsprach keiner offiziellen Auflage", so die Veranstalterin der Demo am Samstag, 9. Mai, in Rosenheim im Interview mit rosenheim24.de. Gegen die Frau wurde mittlerweile Anzeige wegen einer Ordnungswidrigkeit erstattet

Auch in Prien am Chiemsee sahen sich am Samstag, 9. Mai, viele Menschen gezwungen auf die Straßen zu gehen, um für ihre Grundrechte zu kämpfen. Die Forderungen der Demonstranten und wie die Veranstalter den Verlauf der Demo rückblickend sehen, verraten Johanna und Kornelius Fuhrer im Interview mit unserer Redaktion

Einige Politiker aus der Region äußerten aber ihren Unmut über die Demonstrationen. Viele hätten sich von Seiten der Stadt Rosenheim und Polizei härtere Maßnahmen gewünscht. In Traunstein sorgten vor allem auch die unangemeldete Kundgebungen für viel Wirbel und Kritik. Der Traunsteiner Landrat Siegfried Walch kündigte nun sogar an, dass in Absprache mit dem Oberbürgermeister auf dem Stadtplatz in Traunstein in nächster Zeit keine derartige Veranstaltungen mehr erlaubt werden. Auch in der Rosenheimer Innenstadt dürfen bis auf Weiteres keine Demonstrationen mehr stattfinden

Auch am Samstag, 16. Mai, fanden in der Region wieder Demonstrationen gegen die Coronavirus-Maßnahmen statt. Diesmal gab es Demos in Bad Reichenhall, Traunstein, Traunreut und Waldkraiburg. Die Bilanz der Polizei fällt dabei sehr positiv aus, denn es wurden keine nennenswerten Störungen festgestellt. Auch die Demonstrationen gegen die Corona-Impfpflicht am Samstag, 23. Mai, in Bad Reichenhall und in Prien am Chiemsee verliefen friedlich. Unter den rund 45 Demonstranten in der Marktgemeinde waren auch Ärzte, Therapeuten und Rechtsanwälte

Innenminister Herrmann will Corona-Demos nur an Orten mit viel Platz

Auch Innenminister Joachim Herrmann äußerte sich zu den Corona-Demos. So sollen die Demonstrationen in Bayern künftig nur dort erlaubt sein, wo auch genügend Platz für die notwendigen Abstände ist. Dementsprechende Konzepte werden derzeit entwickelt. "Wenn jemand meint, aggressiv und rücksichtslos auftreten zu müssen, werden wir klare Kante zeigen. Daher werden wir die Polizeipräsenz bei Demonstrationen deutlich erhöhen, wo es notwendig ist", so Herrmann.

jg

Quelle: rosenheim24.de

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