Grundrechte vs. Gesundheit: Das sagen unsere Leser 

Leserbriefe zu Corona-Demos: "Wir müssen halt momentan die Backen zusammenkneifen und uns an die Regeln halten - wir alle"

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Auch in Rosenheim sahen sich viele Menschen gezwungen auf die Straßen zu gehen, um für ihre Grundrechte zu kämpfen.

Landkreis - Die Demonstrationen am Wochenende für die Grundrechte haben heftige Debatten entfacht. Auch am 16. Mai gab es wieder Demos in Bad Reichenhall, Traunreut, Waldkraiburg und Traunstein. Doch was haltet Ihr von den Grundrecht-Demos? Zahlreiche Leser/-innen haben der Redaktion ihre persönliche Meinung geschildert.

Im Kampf gegen das gefährliche Coronavirus wurden weltweit drastische Maßnahmen wie Ausgangssperren und Reiseverbote verhängt. Seit einer Woche wurden zumindest in Deutschland die Corona-Regeln nun gelockert. So herrscht seit dem 6. Mai nur noch eine Kontaktbeschränkung, auch im Freistaat. Man darf seine Wohnung nun auch wieder ohne triftigen Grund verlassen und auch Treffen von Angehörigen zweier Haushalte sind wieder möglich - und zwar sowohl im privaten als auch im öffentlichen Raum


Dennoch gibt es weiterhin viele Einschränkungen und das Leben ist nicht mehr das selbe, wie viele es kennen und lieben. Während viele Bürgerinnen und Bürger für die "Anti-Corona-Maßnahmen", wie die Abstandsregel oder Maskenpflicht in Supermärkten, Verständnis zeigen und diese befürworten, sehen zahlreiche Mitmenschen sich um ihre Freiheit und Rechte beraubt.

Am vergangenen Samstag, 9. Mai, kam es deshalb deutschlandweit zu vielen Demonstrationen für die Erhaltung der Grundrechte - auch in Rosenheim, Prien und Traunstein. Obwohl im Vorfeld nur eine Teilnehmerzahl von 50 Personen genehmigt worden war, versammelten sich in Rosenheim aber rund 400 Personen. Viele davon missachteten die Abstandsregeln. 


Am Samstag, den 16. Mai wurde erneut demonstriert, diesmal in Bad Reichenhall, Traunstein, Traunreut und Waldkraiburg.

Die Grundrecht-Demos haben deshalb heftige Debatten entfacht. Wir haben Euch gefragt, wir Ihr zu den Grundrecht-Demos steht:

So denkt Ihr über die Grundrecht-Demos:

Katharina aus Rosenheim

In einem demokratischen Land hat man das Recht auf freie Meinungsäußerung und das ist gut so. Aber was jetzt abgeht bei den Menschen, die gegen die Maßnahmen, die unumgänglich waren, demonstrieren und diese kritisieren, das lässt mich an der Intelligenz und den Menschenverstand einiger zweifeln. Ich bin froh und auch ein bisschen stolz darauf, in Deutschland / Bayern / Rosenheim zu leben und noch dazu in einem der schönsten Bundesländer mit Bergen und Seen rundherum. Hier machen andere Urlaub! Auch dass wir so fähige Politiker haben, die mit dieser Situation hervorragend umgegangen sind und die Schlimmeres verhindert haben, macht mich stolz. 

Auch dass wir ein gut funktionierendes Gesundheitssystem mit all den Ärzten und Mitarbeitern in Krankenhäusern und Pflegeheimen haben, die tagtäglich für kranke Menschen da sind, für all das kann man schon ein bisschen dankbar, respektvoll, demütig und anerkennend sein. Und auch dafür, dass wir in unserem Land bis jetzt so glimpflich davon gekommen sind. Bei diesem Egotrip, den sich manche Menschen nun öffentlich lautstark erlauben, da kann man sich nur fremdschämen. Warum jetzt im Nachhinein und nicht schon vorher? Wir haben Verwandtschaft, die in Rom lebt und ja manchmal habe ich sie beneidet, um das tolle Wetter und die Mentalität, die tolle Mode, das vorzügliche Essen und noch vieles mehr. Ich würde jetzt mit keinem anderen Land der Welt mehr tauschen wollen! Dieses Jammern und Kritisieren auf hohem Niveau - man kann es nimmer hören. Aber das ist auch ein bisschen "typisch deutsch". 

Alle weiteren Reportagen, Lesergeschichten und Service-Artikel zum Coronavirus findet Ihr in unserem großen Wegweiser durch die Berichterstattung.

Christoph aus Oberbayern

Solange dieses Virus mit solchen Folgen aktiv ist, kann man nicht oft genug darauf hinweisen, wie wichtig Schutzmaßnahmen sind. Die Meinungsäußerungen der Menschen auf rosenheim24.de zeigt ja, wie berührend dieses Thema ist und wie viele Menschen sich davor fürchten, dass es eine zweite Welle geben könnte. 

Wenn ich in Leserbriefen Familie Fuhrer für ihre Demo am vergangenen Samstag kritisiere, dann nicht wegen der Demo, sondern für das Unterlassen von Sicherheitsvorkehrungen, wie man auch deutlich auf den Fotos in der Presse sehen konnte. Es erstaunt mich, mit welcher Beharrlichkeit Johanna und Kornelius Fuhrer die vergangene Demo verteidigen. Denn jeden Tag kann man im OVB oder auf rosenheim24.de die neuesten Zahlen lesen. 

Familie Fuhrer gibt an, nur noch eine Demo veranstalten zu wollen, weil die Zeit mit vier Kindern und einer Selbstständigkeit für weitere nicht reiche? Hat man die Fotos vom Wochenende gesehen und die Artikel in der Presse verfolgt, drängt sich mir langsam der Eindruck auf, dass es Familie Fuhrer nicht um ihre Überzeugung, sondern um eine Art Selbstdarstellung geht. Selbstverständlich ist es das Recht der Familie Fuhrer, öffentlich ihre Meinung zu äußern. Dann aber bitte mit entsprechender Einhaltung der Coronamaßnahmen, die jeder Bürger einhalten sollte und muss. Das geschah nämlich letzten Samstag nicht! 

Da wundert es mich nicht, wenn die Stadt Rosenheim und ihr Landkreis an dritter Stelle im gesamten Bundesgebiet liegt, wenn es um Infektions- und Todeszahlen geht. Vielleicht überlegt Familie Fuhrer mal, wie sich all die Angehörigen der Toten fühlen? Auch sollte Familie Fuhrer mal aufzeigen, wie sie die den Umgang mit dem Virus in den Griff bekommen möchte? Aber selbst hier gibt es genügend Verschwörungstheorien bei den Lesern. Darum weise ich vorsichtshalber daraufhin, dass es sich hier um meine Meinungsäußerung handelt und diese nicht von jedem geteilt werden muss. Hoffen sollte man, dass dieses Virus schnellstens in den Griff zu bekommen ist, ob mit Demos der Familie Fuhrer oder durch Fachleute und Mediziner.

Lotti aus dem Landkreis Rosenheim

Wenn man die ganzen Kommentare auf Facebook so durchliest, fragt man sich schon, ob es den Mitmenschen nicht bewusst ist, um was es geht. Ich persönlich finde, dass unsere Regierung das hervorragend meistert. Die stehen vor dem Problem, die Menschen zu schützen und trotzdem das System nicht an die Wand zu fahren. Das ist ein gewaltiger Kraftakt und ich finde, bisher machen die das sehr gut. 

Keinerlei Verständnis habe ich für diese Demonstranten. Die haben wohl den Ernst der Lage nicht erkannt. Eine Mutter die mit ihrem Kind demonstriert, mit einem Schild: "...dann kacke ich Euch in den Briefkasten!", also bitte - da wundert einen ja gar nichts mehr. Wie soll jemand mit diesem geistigen Horizont die Lage erfassen können? Und dann sitzen die da beisammen, ohne Abstand und ohne Mundschutz und gefährden sich und die Mitmenschen. Damit machen sie die bisher getroffenen und greifenden Maßnahmen zunichte. Das ruiniert unser System. Wir müssen halt nun mal im Moment die Backen zusammenkneifen und uns an die Regeln halten - alle. Zum Schutz für uns selbst und unsere Mitmenschen. Damit die Lage besser werden kann. 

Wir sind bisher mit einem blauen Auge davon gekommen und diese Situation wird uns vermutlich noch länger begleiten. Also lasst uns zusammenhalten und gemeinsam vernünftig sein. Auch ich würde mich gerne wieder mit Freunden treffen und Ausflüge machen. Das muss man jetzt eben auf später verschieben. Es ist eh in der heutigen Zeit sehr einfach, per Videoanruf etc. Vielen Dank an alle, die sich an die Vorgaben halten. Bleibt gesund!

In einer Umfrage der OVB24-Portale zeigen aktuell weniger als ein Viertel der Leser Verständnis für die Demonstrationen:

Monika aus dem Landkreis Traunstein 

Eigentlich wollte ich niemals einen Leserbrief verfassen, aber die Berichterstattung über die "Demo" in Traunstein veranlasst mich dazu. Mit meinen Kindern bin ich Samstagnachmittag nach Traunstein gefahren, um ihnen ein Eis zu kaufen. Am Stadtplatz wurden wir von einer Menschenmenge überrascht, es war eine gelöste, fröhliche Stimmung und auch ich bin dann mit den Kindern dort geblieben. Übrigens, mit Abstand und Eis essend auf einer Bank. 

Umso mehr hat mich am Tag darauf das Video des Herrn (und Stadtrat) am Stadtplatz erstaunt. Derselbe, der im gleichen Atemzug über Abstand und Maske schimpft, aber bei der Vereidigung des neuen Bürgermeisters und Stadtrates ohne jeglichen Abstand oder Maske fürs Foto posiert. Wer im Glashaus sitzt, sollte sich mal schön an der eigenen Nase fassen.

Frank aus Waldkraiburg

Ich denke, dass die Demonstranten gar nicht wissen, was es heißt in den Grundrechten beschnitten zu werden. Alles nur Zirkus und vielleicht auch Langeweile. Ich bin in der DDR aufgewachsen und weiß daher, was es bedeutet, Grundrechte nicht zu haben.

Die nächsten Leserbriefe werden am Montag, 18. Mai, in einem neuen Artikel veröffentlicht.

Was haltet Ihr von den Grundrecht-Demos? Schickt uns Eure Leserbriefe

Die Demonstrationen für die Grundrechte am vergangenen Wochenende haben heftige Debatten entfacht.Doch was haltet Ihr von den Grundrecht-Demos? Findet Ihr es egoistisch gegenüber den Mitbürgern oder kämpft Ihr für die Grundrechte und seid vielleicht sogar selbst bei den Demonstrationen dabei? 

Erzählt uns, was Euch bewegt und schickt Eure Leserbriefe per Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: "Corona-Demo" im Betreff). Bitte sendet uns neben Euren Zeilen auch unbedingt Euren Namen und Euren Wohnort, auch ein Foto von Euch könnt Ihr gerne mitschicken. Auch über die Facebook-Seiten von rosenheim24.de, mangfall24.de, wasserburg24.de, innsalzach24.de, chiemgau24.de oder BGLand24.de könnt Ihr uns eure Nachricht zukommen lassen.

Wir veröffentlichen Eure Leserbriefe anschließend in einem Artikel. 

Grundrechte vs. Gesundheit: Das sagen die Veranstalter der Demos und regionale Politiker

"Im Bezug auf die 50 angemeldeten Demonstranten wurden alle Vorgaben eingehalten. Das Tragen eines Mundschutzes wurde zwar empfohlen jedoch war dies nicht verpflichtend und entsprach keiner offiziellen Auflage", so die Veranstalterin der Demo in Rosenheim im Interview mit rosenheim24.de. Gegen die Frau wurde mittlerweile Anzeige wegen einer Ordnungswidrigkeit erstattet

Auch in Prien am Chiemsee sahen sich viele Menschen gezwungen auf die Straßen zu gehen, um für ihre Grundrechte zu kämpfen. Die Forderungen der Demonstranten und wie die Veranstalter den Verlauf der Demo rückblickend sehen, verraten Johanna und Kornelius Fuhrer im Interview mit unserer Redaktion

Einige Politiker aus der Region äußerten aber ihren Unmut über die Demonstrationen. Viele hätten sich von Seiten der Stadt Rosenheim und Polizei härtere Maßnahmen gewünscht. In Traunstein sorgten vor allem auch die unangemeldete Kundgebungen für viel Wirbel und Kritik. Der Traunsteiner Landrat Siegfried Walch kündigte nun sogar an, dass in Absprache mit dem Oberbürgermeister auf dem Stadtplatz in Traunstein in nächster Zeit keine derartige Veranstaltungen mehr erlaubt werden. Auch in der Rosenheimer Innenstadt dürfen bis auf Weiteres keine Demonstrationen mehr stattfinden

Innenminister Herrmann will Corona-Demos nur an Orten mit viel Platz

Auch Innenminister Joachim Herrmann äußerte sich zu den Corona-Demos. So sollen die Demonstrationen in Bayern künftig nur dort erlaubt sein, wo auch genügend Platz für die notwendigen Abstände ist. Dementsprechende Konzepte werden derzeit entwickelt. "Wenn jemand meint, aggressiv und rücksichtslos auftreten zu müssen, werden wir klare Kante zeigen. Daher werden wir die Polizeipräsenz bei Demonstrationen deutlich erhöhen, wo es notwendig ist", so Herrmann.

jg

Quelle: rosenheim24.de

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