Grundrechte vs. Gesundheit: Das sagen unsere Leser zur Demo am 9. Mai

Traunsteiner zu Corona-Demos: "Die Staatsregierung soll endlich aufhören, Grundrechte zu demontieren"

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Auch in Rosenheim sahen sich am Samstag, 9. Mai, viele Menschen gezwungen auf die Straßen zu gehen, um für ihre Grundrechte zu kämpfen. Unser Leser Christian aus Traunstein äußert seine Meinung zu den Corona-Demos. 

Landkreis - Die Demonstrationen am Samstag, 9. Mai, für die Grundrechte haben heftige Debatten entfacht. Doch was haltet Ihr von den Grundrecht-Demos? Zahlreiche Leser/-innen haben der Redaktion ihre persönliche Meinung geschildert.

Im Kampf gegen das gefährliche Coronavirus wurden weltweit drastische Maßnahmen wie Ausgangssperren und Reiseverbote verhängt. Seit rund zwei Wochen wurden zumindest in Deutschland die Corona-Regeln nun gelockert. So herrscht seit dem 6. Mai nur noch eine Kontaktbeschränkung, auch im Freistaat. Man darf seine Wohnung nun auch wieder ohne triftigen Grund verlassen und auch Treffen von Angehörigen zweier Haushalte sind wieder möglich - und zwar sowohl im privaten als auch im öffentlichen Raum


Dennoch gibt es weiterhin viele Einschränkungen und das Leben ist nicht mehr das selbe, wie viele es kennen und lieben. Während viele Bürgerinnen und Bürger für die "Anti-Corona-Maßnahmen", wie die Abstandsregel oder Maskenpflicht in Supermärkten, Verständnis zeigen und diese befürworten, sehen zahlreiche Mitmenschen sich um ihre Freiheit und Rechte beraubt.

Am Samstag, 9. Mai, kam es deshalb deutschlandweit zu vielen Demonstrationen für die Erhaltung der Grundrechte - auch in Rosenheim, Prien und Traunstein. Viele der Demonstranten missachteten hier die Abstandsregeln, was zu Unmut bei einigen unserer Lesern führte. Auch am Samstag, 16. Mai, wurde erneut demonstriert, diesmal in Bad Reichenhall, Traunstein, Traunreut und Waldkraiburg. Hier zog die Polizei aber eine sehr positive Bilanz, denn es wurden keine nennenswerten Störungen festgestellt. 


Doch die Grundrecht-Demos am Samstag, 9. Mai, haben heftige Debatten entfacht. Wir haben Euch gefragt, wir Ihr zu den Grundrecht-Demos steht:

So denkt Ihr über die Grundrecht-Demos am Samstag, 9. Mai:

Sylvia aus Oberbayern

Was ist los Leute? Grundrecht, schön und gut! Aber was ist mit dem Überlebenskampf auf der ganzen Welt? Tausende Menschen starben, viele Mitmenschen haben wichtige Personen verloren ohne ihnen beistehen zu können (weil sie hätten bei Infektion /Ansteckung auch sterben können). Arbeitsplätze sind stark gefährdet bzw. schon verloren, viele Geschäfte stehen vor dem Aus, und erst die ganze Gastronomie und Tourismusbranche!

Liebe Mitbürger/-innen, die an einer dieser Demos "Pro Grundrecht", die am 9. Mai in manchen Städten stattfanden, teilgenommen haben. Habt Ihr auch an die Polizisten/-innen, Sanitäter/-innen, Notärzte/-innen und umliegenden Geschäfte, die gezwungen waren vor Ort zu sein, gedacht? Nein? Was ist mit ihrem Grundrecht auf Sicherheit und Gesundheit? Vielleicht solltet Ihr mal "Pandemie" und ihre Folgen googeln! 

Nur weil wir hier in Deutschland, "Gott sei Dank" ein relativ gutes Gesundheitssystem haben, braucht man nicht meinen, wenn die Zahlen ein bisschen lockerer werden, dass alles überstanden ist. Es braucht nur ein/e Infizierte/er sein und auf einem Festival einige Leute umarmen - was dann? 

Die Gefahr ist noch lange nicht gebannt. Wir können nur auf die Vernunft unserer Mitmenschen hoffen. Bei Missachtung bin ich dafür, dass diejenigen, die leichtsinnig mit dieser außergewöhnlichen Situation umgehen, hart bestraft werden. Es geht ja schließlich für viele um Leben und Tod, für manche sogar um ihre Existenz!

Anschi aus Ebersberg

Die Bilder von der Demo am Samstag, 9. Mai, in Rosenheim waren teilweise grotesk. Am meisten verwundert hat mich das Bild, in dem eine Frau mit Kind ein Schild hochhält, auf dem steht: "Nehmt ihr mir meine Freiheit, kacke ich euch in den Briefkasten". Überhaupt waren viele gut gelaunte junge Mütter zu sehen. Ich finde es peinlich, sich so offen unsolidarisch mit unseren älteren und chronisch kranken Menschen zu zeigen! Nur weil man selbst denkt, dass es einen nicht betrifft! 

Da hängt man sich seit neuestem einen "Alubommel" um den Hals und hält sich für einen aufgeklärten Bürger, weil man auf YouTube ein paar "Aufklärungsvideos" von unwichtigen Selbstdarstellern gesehen hat. Uns Deutschen geht es mal wieder viel zu gut. Ich schäme mich dafür, dass wir in dieser Pandemie nichts anderes zu tun haben, als öffentlich zu jammern und in Kliniken kämpfen Menschen derweil um ihr Leben.

Alle weiteren Reportagen, Lesergeschichten und Service-Artikel zum Coronavirus findet Ihr in unserem großen Wegweiser durch die Berichterstattung.

Christian aus Traunstein

Christian aus Traunstein äußert seine Meinung zu den Corona-Demos.

Sehr geehrte Damen und Herren, niemand kann die Ansteckung unmöglich machen, denn niemand weiß heute, welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, damit eine Ansteckung mit SARS-CoV-2 sicher oder wahrscheinlich ist. Abstand und Tuch könnten das Infektionen minimieren oder verhindern. Der Verordnungsgeber in Bayern glaubt daran, wissen tut er es nicht. Er weiß noch nicht einmal, welcher Abstand notwendig ist und welche Grundstruktur für das Tuch gegeben sein muss. 

Die Staatsregierung soll endlich aufhören, Grundrechte zu demontieren und anfangen, alle Kranken frühzeitig zu erkennen und Schwache, wie die Bewohner von Pflegeheimen, Sammelunterkünften der fleischverarbeitenden Industrie und der Landwirtschaft, wirksam zu schützen. Bis es soweit ist, gratuliere ich jedem Bürger, der demonstriert und ich verstehe, wenn er hierbei nicht jedes Lebensrisiko für sich und andere zu verhindern sucht, weil Risiken einfach zum Leben gehören.

Sepp aus Bad Reichenhall 

Sehr geehrte Damen und Herren, ich finde es unverantwortlich, andere Personen, Pflegekräfte und zuletzt sich selbst einer erneuten Infektionswelle auszusetzen. Wenn ich Aussagen lese wie: "Ich will mich infizieren lassen, damit ich immun werde", so ist das im günstigsten Fall naiv. Dieser Infekt kann auch bei jungen Menschen tödlich enden. Es gibt meines Wissens noch keine Erkenntnis darüber, ob man nach einer Infektion sicher und auch dauerhaft immun ist.

Warum gehen diese Demonstranten nicht auf eine Intensivstation und helfen dort mit, die Patienten zu betreuen. Wenn sie sich unbedingt anstecken lassen wollen ist das die sicherste Methode dazu. Die Patienten freuen sich sicher nach einigen Wochen der Isolation mal wieder ein unverhülltes Gesicht zu sehen. Wenn sie es in ihrer Todesangst und Atemnot überhaupt registrieren.

Den Demonstranten ist bestimmt klar, dass sie, wenn sie sich angesteckt haben, durchaus einige Tage ohne Beschwerden sein können. Aber sie bringen in dieser Zeit z. B. ihre Eltern schon in Lebensgefahr. Ich verstehe den Wunsch nach Freiheit. Die meiste Freiheit genießen wir aber, wenn wir uns isoliert halten, uns und damit auch andere vor einer erneuten Ausbreitung schützen. Corona wird uns noch lange beschäftigen.

In einer Umfrage der OVB24-Portale zeigen rund ein Viertel der Leser Verständnis für die Demonstrationen:

Natalie aus Bad Aibling

Nachdem die letzten Wochen bereits erstaunliches Fach"wissen" im medizinischen Bereich in einigen Bevölkerungsteilen zu finden war, sind jetzt auch noch viele zusätzlich Juristen? Erstaunlich. Wozu genau studieren Ärzte (die "bösen" Virologen u.a.), Biologen und auch Juristen eigentlich um die zehn Jahre? Wenn alle das mittels Facebook, Instagram, Google, WhatsApp etc. genauso wissen und können? Neben Respekt-Klatschen auf dem Balkon sollte man erstmal Respekt haben - nämlich vor dem, was man eher nicht weiß. Weil man aktuell noch zu wenig weiß (sagen die verleumdeten Berufsgruppen selbst, klug wie sie sind), muss man vorsichtig sein.

Gleiches gilt für Blabla über Grund- und Menschenrechte. Schweres Fachgebiet, echt! Denn: Das Recht des einen stößt an das Recht des anderen! Wenn die Meinungsfreiheit in Beleidigung endet, hat auch dieses Grenzen! Nicht?

Liebe Impfgegner-Hobbyanwälte, ganz kurz: Niemand wird euch zum Impfen zwingen. Ist bereits entschieden. Keine Sorge. Das Recht auf "körperliche Unversehrtheit" ist ein hohes Gut! Wer sich dann (2025 oder wann auch immer) nicht impfen lassen will, darf es bleiben lassen, keine Sorge. Aber unter Umständen führt das dann zu notwendigen Einschränkungen (z.B. Reisefreiheit, Teilnahmeverbot...) etc.

Es ist euer Recht auf freie Entscheidung. Das haben dann alle dann weiterhin. Aber, wählt bedacht und weise! Denn, das Recht auf körperliche Unversehrtheit haben andere auch! Euer Recht ist das Recht anderer auch. Achtung! Also, lasst euch da gerne mal beraten. Zum Beispiel von so seltsamen "Fachidioten" wie Ärzten oder Rechtsanwälten - es gibt sogar Medizinrechts-Fachkräfte! Statt unter Missachtung von Schutzmaßnahmen im Rudel rumzu"gackern".

Dr. Google und Herr Rechtsanwalt Instagram können diese Beratung leider nicht. Habt doch mal ein wenig Respekt. Wisst, was ihr nicht wisst, denn niemand weiß nämlich alles! Muss man auch gar nicht.

Anonym aus Oberbayern

"Aktuell haben die Bürger scheinbar kein Mitspracherecht" - Bei allem Verständnis, dass durch die Pandemie heftige Einschränkungen unser Alltags- wie auch Berufs- und Geschäftsleben veranlasst wurden, so stehe ich den Demonstrationen in Rosenheim und/oder Prien mit einer gewissen Skepsis gegenüber. 

Gegen wen würden man demonstrieren wollen, wenn bei Unterlassung von Maßnahmen die Krankheits- und Todesrate besonders hoch wäre? In einer derartigen Situation, die weder an Stadt-, Landkreis- oder Ländergrenzen zu stoppen ist, bedarf es doch Vorsichtsmaßnahmen. Ist es nicht notwendig, wenn jetzt eine Stelle die Richtung vorgibt? Ein gefordertes Mitspracherecht würde meines Erachtens zu einem extremen Durcheinander und Zeitverlust führen. Ob das alles gut gewesen sein wird, das kann man mangels Erfahrungswerten erst später feststellen. Politiker sind keine Hellseher. 

Schlimm sind jetzt nur die zumeist selbsternannten "Experten", die aus allen erdenklichen Ritzen und Löchern hervorkrabbeln und im Prinzip nur sich selbst in einer Art Profilierungsgier in den Medien wiederfinden und dazu auch gleich teils bodenlose Theorien verbreitet sehen wollen. Wichtig scheint Geduld und ein solidarisches Verhalten.

Jürgen aus Waging am See

Ich lebe nach dem Motto: "Leben und leben lassen und demonstrieren und demonstrieren lassen." Wie jeder mit den Impfvorschriften und seiner Gesundheit umgeht, muss jeder mit sich selbst ausmachen. Auf der ganzen Welt gibt es Leute, die dumm und ohne Meinung hinter irgendetwas herlaufen und mit schreien. 

Solange die Demonstranten die Vorsichtsmaßnahmen und Regeln beachten, ist auch alles in Ordnung. Wenn aber die Flashmob-Chaoten auftauchen wird es gefährlich, weil die sich an keine Vorschriften und Regeln halten, sondern diese rücksichtslos missachten. Das ist der Mob, der sich hirn-, gedanken- und rücksichtslos gegenüber den anständigen Mitmenschen verhält. Die Personen setzen sich über alles hinweg und gefährden damit alle anderen. Bleibt mit Respekt und Abstand gesund.  

Die nächsten Leserbriefe werden am Mittwoch, 20. Mai, in einem neuen Artikel veröffentlicht.

Was haltet Ihr von den Grundrecht-Demos? Schickt uns Eure Leserbriefe

Die Demonstrationen für die Grundrechte an den vergangenen Wochenenden haben heftige Debatten entfacht.Doch was haltet Ihr von den Grundrecht-Demos? Findet Ihr es egoistisch gegenüber den Mitbürgern oder kämpft Ihr für die Grundrechte und seid vielleicht sogar selbst bei den Demonstrationen dabei? 

Erzählt uns, was Euch bewegt und schickt Eure Leserbriefe per Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: "Corona-Demo" im Betreff). Bitte sendet uns neben Euren Zeilen auch unbedingt Euren Namen und Euren Wohnort, auch ein Foto von Euch könnt Ihr gerne mitschicken. Auch über die Facebook-Seiten von rosenheim24.de, mangfall24.de, wasserburg24.de, innsalzach24.de, chiemgau24.de oder BGLand24.de könnt Ihr uns eure Nachricht zukommen lassen.

Wir veröffentlichen Eure Leserbriefe anschließend in einem Artikel. 

Grundrechte vs. Gesundheit: Das sagen Polizei, die Veranstalter der Demos und regionale Politiker

"Im Bezug auf die 50 angemeldeten Demonstranten wurden alle Vorgaben eingehalten. Das Tragen eines Mundschutzes wurde zwar empfohlen jedoch war dies nicht verpflichtend und entsprach keiner offiziellen Auflage", so die Veranstalterin der Demo am Samstag, 9. Mai, in Rosenheim im Interview mit rosenheim24.de. Gegen die Frau wurde mittlerweile Anzeige wegen einer Ordnungswidrigkeit erstattet

Auch in Prien am Chiemsee sahen sich am Samstag, 9. Mai, viele Menschen gezwungen auf die Straßen zu gehen, um für ihre Grundrechte zu kämpfen. Die Forderungen der Demonstranten und wie die Veranstalter den Verlauf der Demo rückblickend sehen, verraten Johanna und Kornelius Fuhrer im Interview mit unserer Redaktion

Einige Politiker aus der Region äußerten aber ihren Unmut über die Demonstrationen. Viele hätten sich von Seiten der Stadt Rosenheim und Polizei härtere Maßnahmen gewünscht. In Traunstein sorgten vor allem auch die unangemeldete Kundgebungen für viel Wirbel und Kritik. Der Traunsteiner Landrat Siegfried Walch kündigte nun sogar an, dass in Absprache mit dem Oberbürgermeister auf dem Stadtplatz in Traunstein in nächster Zeit keine derartige Veranstaltungen mehr erlaubt werden. Auch in der Rosenheimer Innenstadt dürfen bis auf Weiteres keine Demonstrationen mehr stattfinden

Auch am Samstag, 16. Mai, fanden in der Region wieder Demonstrationen gegen die Coronavirus-Maßnahmen statt. Diesmal gab es Demos in Bad Reichenhall, Traunstein, Traunreut und Waldkraiburg. Insgesamt zog die Polizei ein positives Fazit zu den Corona-Demonstrationen. Lediglich ein Video aus Traunstein sorgte für Empörung im Netz. Eine Frau und ihr Sohn wurden festgenommen - doch was steckt dahinter? 

Innenminister Herrmann will Corona-Demos nur an Orten mit viel Platz

Auch Innenminister Joachim Herrmann äußerte sich zu den Corona-Demos. So sollen die Demonstrationen in Bayern künftig nur dort erlaubt sein, wo auch genügend Platz für die notwendigen Abstände ist. Dementsprechende Konzepte werden derzeit entwickelt. "Wenn jemand meint, aggressiv und rücksichtslos auftreten zu müssen, werden wir klare Kante zeigen. Daher werden wir die Polizeipräsenz bei Demonstrationen deutlich erhöhen, wo es notwendig ist", so Herrmann.

jg

Quelle: rosenheim24.de

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