Grundrechte vs. Gesundheit: Das sagen unsere Leser 

Mutter aus Kirchdorf am Inn zu Demos: "Es ist feige, einfach alles so hinzunehmen, wie es kommt"

Auch in Prien am Chiemsee sahen sich viele Menschen gezwungen auf die Straßen zu gehen, um für ihre Grundrechte zu kämpfen.

Landkreis - Die Demonstrationen am vergangenen Wochenende für die Grundrechte haben heftige Debatten entfacht. Doch was haltet Ihr von den Grundrecht-Demos? Zahlreiche Leser/-innen haben der Redaktion ihre persönliche Meinung geschildert.

Im Kampf gegen das gefährliche Coronavirus wurden weltweit drastische Maßnahmen wie Ausgangssperren und Reiseverbote verhängt. Seit einer Woche wurden zumindest in Deutschland die Corona-Regeln nun gelockert. So herrscht seit dem 6. Mai nur noch eine Kontaktbeschränkung, auch im Freistaat. Man darf seine Wohnung nun auch wieder ohne triftigen Grund verlassen und auch Treffen von Angehörigen zweier Haushalte sind wieder möglich - und zwar sowohl im privaten als auch im öffentlichen Raum


Dennoch gibt es weiterhin viele Einschränkungen und das Leben ist nicht mehr das selbe, wie viele es kennen und lieben. Während viele Bürgerinnen und Bürger für die "Anti-Corona-Maßnahmen", wie die Abstandsregel oder Maskenpflicht in Supermärkten, Verständnis zeigen und diese befürworten, sehen zahlreiche Mitmenschen sich um ihre Freiheit und Rechte beraubt.

Am vergangenen Samstag, 9. Mai, kam es deshalb deutschlandweit zu vielen Demonstrationen für die Erhaltung der Grundrechte - auch in Rosenheim, Prien und Traunstein. Obwohl im Vorfeld nur eine Teilnehmerzahl von 50 Personen genehmigt worden war, versammelten sich in Rosenheim aber rund 400 Personen. Viele davon missachteten die Abstandsregeln. Die Grundrecht-Demos haben deshalb heftige Debatten entfacht. Wir haben Euch gefragt, wir Ihr zu den Grundrecht-Demos steht:


So denkt Ihr über die Grundrecht-Demos:

Ilse aus Bayern

Wenn ich mir die vielen Fotos von der Demo am Samstag anschaue, dann steht einwandfrei fest, dass es nicht die Alten sind, die die Gesundheit aller leichtsinnig gefährden. Warum setzen einige leichtsinnig die Gesundheit von denen, die mitdenken und rücksichtsvoll sind, einfach so aufs Spiel? Ich kann diesen Personen nur wünschen, dass sie durch ihr rücksichtsloses Verhalten keinen anderen gefährdet haben. Vielleicht sogar in der eigenen Verwandtschaft. Etwas nachdenken soll recht nützlich sein!

Michael aus Burgkirchen

Michael aus Burgkirchen äußert seine Meinung zu den Corona-Demos. 

Grundrechte-Demos sind an sich ja in Ordnung, aber doch nicht in diesem Moment. Demokratie, Grundrechte, etc. - wunderbare Dinge, über die man nicht streiten muss. Gerade jetzt, wo persönlicher Kontakt als Übertragungsweg dienen kann, ist es eben nötig, diverse Dinge einzuschränken. Der Virus lässt sich ja wohl schlecht von Grundrechten beeindrucken.

Wir hatten ja nur eine Beschränkung, keine Sperre. Vieles wird und ist bereits frei gegeben - WAS wollen die denn noch? Beschweren dürfte sich sowieso niemand, wir hatten es ja alle in der Hand. Anfangs als Vorschläge gegeben und freiwillige Mitarbeit von der Regierung gefordert wurde - es hat niemanden interessiert! Da braucht man nicht viel Gehirn um zu merken, dass das nicht lange gut gehen kann.

Die Toten in Italien, Amerika, etc. werden ja auch ignoriert - unter dem Deckmantel der gestörtesten Verschwörungstheorien.

Leider gehöre ich zu der Risikogruppe und muss mich massiv auf meine Gesundheit konzentrieren und auf sie achten. Auch wurde eine Reha-Maßnahme aufgrund Corona verschoben. Diese Leute, die ja angeblich für Grundrechte eintreten, treten einzig und allein für persönliche Belange ein! Ich habe auch das Recht gesund zu bleiben, nur werden meine Rechte irgendwie ignoriert. Ich musste es bereits am eigenen Leib erfahren, dass man meiner Gesundheit einen niedrigeren Stellenwert gibt, als einem Einkaufserlebnis im Supermarkt. Da muss man sich auch noch rechtfertigen.

Mein Verständnis für solche Leute? Da gibt es kein Verständnis. Durch solche unmöglichen, idiotischen und gestörten Aktionen werden Lockerungen vielleicht wieder zurückgenommen. Wollen diese Ignoranten, die ihr wissen aus drei YouTube-Videos haben, auch auf die Straße gehen, wenn es sich um Ebola oder andere Krankheiten handelt?

Alle weiteren Reportagen, Lesergeschichten und Service-Artikel zum Coronavirus findet Ihr in unserem großen Wegweiser durch die Berichterstattung.

Karin aus Kirchdorf am Inn

Liebe Verfasser/innen der anderen Leserbriefe, habt Ihr Euch schon mal überlegt, wer die Menschen sein könnten, die auf Demos gehen und nicht ganz mit der derzeitigen Situation einverstanden sind? Könnte es sein, dass wir einfach ganz normale Eltern sind, die Eigeninitiative zeigen und sich nicht nur einseitig informieren und stattdessen hinterfragen? Jeder Vater und jede Mutter liebt ihre Kinder über alles und würde alles dafür tun, dass es ihnen gut geht. Diese Eltern als "dumm" zu bezeichnen und selbst nicht mal den Mut zu haben, den eigenen Leserbrief mit seinem Namen zu unterzeichnen, finde ich schon sehr feige. Feige und vor allem bequem ist es auch, einfach alles so hinzunehmen, wie es kommt. Nach dem Motto "die anderen werden mir schon sagen, was ich/wir zu tun haben".

Wir sind uns auch nicht zu schade, um anderen zu helfen. Eine sehr gute Freundin von mir – ausgebildete Krankenschwester mit Zusatzqualifikation für Intensivpflege – hat sich nach einem Aufruf in einem Krankenhaus in Berlin beworben, um dort die Zeit nach dem Studium bis zum Beginn an ihrem neuen Arbeitsplatz sinnvoll zu überbrücken. Die Zusage war schnell im Haus, nur plötzlich nach Zusendung des Arbeitsvertrages meldete sich keiner mehr bei ihr. Bekannte von ihr, die auf der Intensivpflegestation arbeiten, sagen, dass es noch nie so entspannt war, weil ja so viele Betten leer sind. Diese Aussage habe ich schon von mehreren verschiedenen Krankenhäusern aus ganz Deutschland gehört. Auch haben Krankenhäuser mit leeren Betten Kurzarbeit angemeldet. Wie kann das sein, wenn doch die große Corona-Welle da ist?

Ich verleugne nicht, dass es Corona gibt und auch nicht, dass es manche Menschen extrem krank macht (habe selbst Erkrankte im Bekanntenkreis). Fakt ist jedoch, dass es an der Mehrheit der Menschen vorübergeht.

Ich habe selber zwei Kinder und habe in den letzten Wochen sehr starke negative Veränderungen an ihnen wahrgenommen. Die soziale Isolation schadet den Menschen – egal ob alt oder jung – enorm. Auch der finanzielle Schaden, den wir über viele Jahre nicht wieder ausgleichen können, steht in keiner Relation zu den getroffenen Maßnahmen.

Liebe Verfasser/innen der Leserbriefe: Nein, ich verurteile Sie nicht, das steht mir nicht zu. Aber ich bitte Sie: Glauben Sie nicht alles, hinterfragen Sie auch einmal. Informieren Sie sich nicht einseitig in den gängigen Medien, sondern machen Sie sich selbst ein Bild.

Frank aus Bayern

Ich habe die Bilder der Demos gegen die Corona-Auflagen gesehen. Was wollen diese Menschen anderen antun? Das ist reinste vorsätzliche Körperverletzung! Und dann rufen sie noch: "Wir sind das Volk!" Sorry, ihr seid Gott sei dank nicht das Volk, sondern nur Randfiguren. 

In Bayern mit Ministerpräsident Söder sind die Menschen am sichersten. Wem es nicht gefällt, der kann ja nach Italien, Frankreich oder Spanien gehen, wo wegen Corona die persönliche Freiheit wesentlich eingeschränkter war. Disziplin halten, bewahrt Deutschland vor schlimmeren Todesfällen. 

In einer Umfrage der OVB24-Portale zeigen aktuell weniger als ein Viertel der Leser Verständnis für die Demonstrationen:

Elisabeth aus Stephanskirchen

Ich finde es ehrlich schade, dass oft so einseitig berichtet wird. In den deutschlandweiten Demonstrationen am Samstag ging es in erster Linie um das Vorhaben, die Impffreiheit im Grundgesetz nicht zu verändern. Leider gehen dafür viel zu wenige Menschen auf die Straße und was noch viel schlimmer ist, dass bürgernahe Medien nicht bzw. kaum und dann auch nicht kritisch darüber berichten.

Jegliche Art von Hinterfragen oder kritischem Denken wird momentan sofort als Verschwörungstheorie oder Fehlverhalten abgestempelt. Schlimm, wenn das auch von den Medien so hingestellt wird. Wir können froh sein, jeder Einzelne von uns, wenn manche ihr Gehirn einschalten und eine Gesetzesänderung unter dem Deckmantel "Corona-Maßnahme" nicht akzeptieren. Denn jetzt ist es Corona, ja, die Maßnahmen müssen ernst genommen werden, aber was kommt nach Corona?

Hat der Staat denn während einer Krise wirklich das Recht, ohne die Meinung des Volkes, Gesetze nach Lust und Laune zu verändern? Wollen wir als Bürger uns die Pflicht auferlegen lassen, uns gegen alles impfen zu lassen was vorgeschrieben wird? Soll jeder der sich anders entscheidet, nicht mehr reisen, frei leben oder nicht mehr den Beruf ausführen dürfen, den er will?

Jeder Einzelne ist gefragt, sich seine eigene Meinung zu bilden. Aber wenn die üblichen Medien ihre Aufklärungsarbeit nicht leisten und die Mehrheit der Bürger fast desinteressiert und voller Angst vor sich hin lebt, dann ist es die Pflicht der nachdenkenden, kritischen und informierten Menschen, die Informationen hinauszutragen und aufzuwecken! Danke an alle, die ihr Gehirn und ihr Gefühl benutzen!

Die nächsten Leserbriefe werden am Samstag, 15. Mai, in einem neuen Artikel veröffentlicht.

Was haltet Ihr von den Grundrecht-Demos? Schickt uns Eure Leserbriefe

Die Demonstrationen für die Grundrechte am vergangenen Wochenende haben heftige Debatten entfacht.Doch was haltet Ihr von den Grundrecht-Demos? Findet Ihr es egoistisch gegenüber den Mitbürgern oder kämpft Ihr für die Grundrechte und seid vielleicht sogar selbst bei den Demonstrationen dabei? 

Erzählt uns, was Euch bewegt und schickt Eure Leserbriefe per Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: "Corona-Demo" im Betreff). Bitte sendet uns neben Euren Zeilen auch unbedingt Euren Namen und Euren Wohnort, auch ein Foto von Euch könnt Ihr gerne mitschicken. Auch über die Facebook-Seiten von rosenheim24.de, mangfall24.de, wasserburg24.de, innsalzach24.de, chiemgau24.de oder BGLand24.de könnt Ihr uns eure Nachricht zukommen lassen.

Wir veröffentlichen Eure Leserbriefe anschließend in einem Artikel. 

Grundrechte vs. Gesundheit: Das sagen die Veranstalter der Demos und regionale Politiker

"Im Bezug auf die 50 angemeldeten Demonstranten wurden alle Vorgaben eingehalten. Das Tragen eines Mundschutzes wurde zwar empfohlen jedoch war dies nicht verpflichtend und entsprach keiner offiziellen Auflage", so die Veranstalterin der Demo in Rosenheim im Interview mit rosenheim24.de. Gegen die Frau wurde mittlerweile Anzeige wegen einer Ordnungswidrigkeit erstattet. Die Stadt Rosenheim 

Auch in Prien am Chiemsee sahen sich viele Menschen gezwungen auf die Straßen zu gehen, um für ihre Grundrechte zu kämpfen. Die Forderungen der Demonstranten und wie die Veranstalter den Verlauf der Demo rückblickend sehen, verraten Johanna und Kornelius Fuhrer im Interview mit unserer Redaktion

Einige Politiker aus der Region äußerten aber ihren Unmut über die Demonstrationen. Viele hätten sich von Seiten der Stadt Rosenheim und Polizei härtere Maßnahmen gewünscht. In Traunstein sorgten vor allem auch die unangemeldete Kundgebungen für viel Wirbel und Kritik. Der Traunsteiner Landrat Siegfried Walch kündigte nun sogar an, dass in Absprache mit dem Oberbürgermeister auf dem Stadtplatz in Traunstein in nächster Zeit keine derartige Veranstaltungen mehr erlaubt werden. Auch in der Rosenheimer Innenstadt dürfen bis auf Weiteres keine Demonstrationen mehr stattfinden

Innenminister Herrmann will Corona-Demos nur an Orten mit viel Platz

Auch Innenminister Joachim Herrmann äußerte sich zu den Corona-Demos. So sollen die Demonstrationen in Bayern künftig nur dort erlaubt sein, wo auch genügend Platz für die notwendigen Abstände ist. Dementsprechende Konzepte werden derzeit entwickelt. "Wenn jemand meint, aggressiv und rücksichtslos auftreten zu müssen, werden wir klare Kante zeigen. Daher werden wir die Polizeipräsenz bei Demonstrationen deutlich erhöhen, wo es notwendig ist", so Herrmann.

jg

Quelle: rosenheim24.de

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