Einigen sich Deutsche Bahn und Veolia auf gemeinsamen Tarif?

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Skizze "Lage der Meridian-Strecken im Bahnnetz" von PRO BAHN

München/Landkreis - 2013 wird Veolia das Schienennetz zwischen München und Salzburg von der DB übernehmen. Der Fahrgastverband PRO BAHN warnt vor komplizierten Tarifen. *Neu: Stellungnahme der DB*

Zum Nachlesen: Brief von PRO BAHN an Ministerpräsident Seehofer (pdf)

In Briefen an Ministerpräsident Horst Seehofer und Verkehrsminister Martin Zeil warnt der Fahrgastverband PRO BAHN Regionalverband Oberbayern vor komplizierten Tarifen. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) hatte im Auftrag des Freistaats das Schienennetz zwischen München und Salzburg ausgeschrieben und die Strecken an den französischen Veolia-Konzern vergeben. Die dort ab Dezember 2013 verkehrenden Züge sollen den Namen "Meridian" tragen. Wenn sich Veolia mit der Deutschen Bahn nicht auf eine tarifliche Kooperation einigen kann, würden den betroffenen Fahrgästen ungünstige Tarife drohen, so der Verband.

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„Bisher kann man mit einem Intercity-Ticket auch die Regionalzüge der DB benutzen. Das ist mit den Meridian-Zügen nur möglich, wenn sich die DB und Veolia noch einigen. Ohne eine Kooperation wäre es nicht mehr möglich, mit einem durchgehenden Fahrschein beispielsweise von Augsburg nach Berchtesgaden zu fahren. Verpasst man in München wegen einer Zugverspätung den Anschluss Richtung Rosenheim, kann man heute problemlos den folgenden Zug benutzen. Auch diese kundenfreundliche Regelung ist in Frage gestellt“, meint Norbert Moy, Vorsitzender von PRO BAHN Oberbayern in einer Aussendung.

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PRO BAHN kritisiert ebenfalls, dass nicht bereits in der Ausschreibung die tarifliche Eingliederung vorgeschrieben wurde. Die Behauptung der BEG, dies sei rechtlich nicht möglich, stößt auf Unverständnis beim Fahrgastverband. Norbert Moy: "Wieso soll in Bayern unmöglich sein, was in anderen Bundesländern seit Jahren praktiziert wird?" Wegen der Größe des Meridian-Netzes und der zahlreichen Verflechtungen mit anderen Bahnunternehmen sieht er in der drohenden Entwicklung einen Schaden für die ganze Region.

Fritz Czeschka, Geschäftsführer der Bayerischen Eisenbahngesellschaft

Fritz Czeschka, Geschäftsführer der BEG, erklärt dazu im Gespräch mit rosenheim24: „Wir wünschen uns, dass Veolia und die DB einen gemeinsamen Tarif aushandeln.“ Die Lösungen aus anderen Bundesländer, die Pro Bahn der BEG vorhält, sind dem BEG-Chef ohne weitere Recherche nicht bekannt und seien auch keine Hilfe für die Situation in Bayern: Bis zum Ende der Verhandlungen sei unklar, ob man zum Beispiel „mit einem DB-Fernverkehr-Fahrschein im Meridian fahren kann“. Dies könne die BEG weder garantieren, noch vorschreiben. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft hat nur Einfluss auf den Nahverkehr, nicht den Fernverkehr, betont Czeschka.

2013 übernimmt Veolia die Bahnstrecke München-Salzburg. Verantwortlicher Manager ist Heino Seeger, Chef der Bayerischen Oberlandbahn.

Heino Seeger, Geschäftsführer der Bayerischen Oberlandbahn und für Veolia auch für den Meridian verantwortlich, erklärte auf Anfrage von rosenheim24: „Die Bayerische Oberlandbahn steckt derzeit noch in den Verhandlungen mit DB-Vertrieb über die Vertriebskooperation für die Strecken München-Salzburg und München-Kufstein. Allerdings gehen die Vorstellungen bislang noch weit auseinander. Beschlossen ist daher noch nichts.“

Die Verhandlungen gehen weiter, viele Details seien noch zu klären. „Wir versuchen in den Gesprächen mit DB-Vertrieb einen Status Quo zu erreichen, bei dem die Fahrgäste die Gewinner sind. Wie das genau aussieht, lässt sich bislang aber noch nicht sagen. Auch zu Einzelfällen, wie es beispielsweise mit dem Intercity-Ticket weitergeht wenn der „Meridian“ auf den Strecken verkehrt, lässt sich jetzt noch keine Aussage treffen.“, so Seeger.

Update: DB-Stellungnahme

Ein Sprecher der Deutschen Bahn meinte zum Stand der Verhandlungen im Gespräch mit rosenheim24: „Wir warten auf eine Entscheidung ob Veolia einen Haustarif will oder nicht“. Aus Sicht der DB sei eine Tarifkooperation sinnvoll und von Vorteil für die Fahrgäste. In einer Aussendung vom 11. April meinte Norbert Moy, Vorsitzender von PRO BAHN Oberbayern, folgendes: "Die DB diktiert zur Zeit die Bedingungen und die Preise - zu Lasten anderer Bahnunternehmen und zum Nachteil der Fahrgäste". Dem widersprach der Pressesprecher der DB: „Wir diktieren nichts, wir bieten die Kooperation nur an. Das soll eine Hilfe für den Fahrgast sein“.

Wann und ob eine Lösung in den Verhandlungen gefunden wird lässt sich schwer vorhersagen. Der BEG-Chef Fritz Czeschka erwartet eine Lösung auf den letzten Drücker, oft werde hoch gepokert, aber im Ende „liegt es im Interesse beider Unternehmen, dass die Fahrgäste mit beiden Anbietern bequem fahren können“.

Videos aus dem Archiv:

Veolia übernimmt Bahnnetz: BOB-Chef im Interview

Meridian-Bahn kommt - Strecken-Übernahme in trockenen Tüchern

red/cs/ps/Presseaussendung PRO BAHN

Quelle: rosenheim24.de

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