Nach dem Zugunglück

Wie sicher ist der eingleisige Regionalverkehr?

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+

Bad Aibling - Nach dem schrecklichen Zugunglück bei Bad Aibling wird in den Medien die Frage diskutiert, wie sicher eingleisige Bahnstrecken sind. Wir haben uns einen Überblick verschafft.

Der Frontalzusammenstoß der beiden Züge bei dem schrecklichen Zugunglück bei Bad Aibling fand auf einer eingleisigen Strecke statt. In den Medien wird nun wieder diskutiert, ob derartige Eisenbahnstrecken weniger sicher sind, als ausgebaute mehrgleisige Bahntrassen. Zuletzt war die Sicherheit solcher Bahnstrecken nach einem Zugunglück in Baden-Württhemberg im Jahr 2003 in der Diskussion. Dort stießen im Juni 2003 zwei Regionalzüge frontal zusammen, sechs Menschen starben und 25 wurden verletzt. 

Thema im Bundestag

Das Thema Sicherheit bei der Bahn beschäftigt nun auch die Politik. Martin Burkert (SPD), Vorsitzender des Verkehrsausschusses des Bundestags,

rechnet damit, dass das Zugunglück Thema im Berliner Parlament wird:

„Ich gehe davon aus, dass wir uns damit bereits in der nächsten Sitzungswoche beschäftigen.“ Er äußerte sich schockiert über das Unglück: „Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen der Opfer und den Verletzten.“ Nun müsse alles für eine umfassende Aufklärung getan werden. Auch Innenminister Joachim Herrmann erklärte: „Auch wenn es die 100-prozentige Sicherheit nie geben kann,

müssen wir alles dafür tun, um menschliches wie technisches Versagen so weit wie möglich auszuschließen.“

Hälfte der Bahnstrecken in Bayern eingleisig

Bayern liegt im bundesweiten Vergleich über dem Durchschnitt. 3000 von 6000 Kilometern sind eingleisig, im Gesamtnetz 15.000 von 33.200 Kilometern.

Bayern liegt im bundesweiten Vergleich über dem Durchschnitt. 3000 von 6000 Kilometern sind eingleisig, im Gesamtnetz 15.000 von 33.200 Kilometern. Die Eingleisigkeit betrifft vor allem Nebenstrecken. In der Region sind nur einige wichtige Strecken, wie Salzburg-München oder Rosenheim-Kufstein ausgebaut. Selbst hochfrequentierte Strecken wie Mühldorf-Freilassing oder Mühldorf-Markt Schwaben sind aber nur eingleisig. Eine genaue Liste aller eingleisigen Strecken gibt es allerdings von der Bahn nicht. Entsprechende Anfragen, auch etwa des WDR für Nordrhein-Westfalen, weist die Bahn derzeit ab. Dies sei aus zeitlichen Gründen nicht möglich wird Medienvertretern gegenüber erklärt.

Eingleisige Bahnstrecken laut Bahn sicher

elbst hochfrequentierte Strecken wie Mühldorf-Freilassing oder Mühldorf-Markt Schwaben sind nur eingleisig.

Die Deutsche Bahn erklärte sowohl gegenüber dem Bayerischen als auch dem Westdeutschen Rundfunk: "Bei unseren Sicherheitseinrichtungen unterscheiden wir nicht nach ein- und zweigleisigen Strecken. Deshalb ist auch die Aussage, eingleisige Strecken seien weniger gesichert, nicht richtig." 

Eine zentrale Rolle dabei spielten dabei die Zugbeeinflussungssysteme. Sie sorgen dafür, dass Züge zum Stehen kommen, wenn Signale nicht beachtet oder die zulässigen Geschwindigkeiten nicht eingehalten werden. Auf Nahverkehrsstrecken, kommt dabei bis zu einer Reisegeschwindigkeit von 160 km/h das sogenannte Punktförmige Zugbeeinflussung (PZB) zum Einsatz. Bei diesem erfolgt die Überwachung punktförmig durch Sensoren am Gleis und am Fahrzeug. Überfährt ein Zug ein haltzeigendes Signal, wird er automatisch gebremst. Außerdem überwacht das System, ob an einem bestimmten Punkt die zulässige Geschwindigkeit des Zuges überschritten wird. So sind an Stellen, an denen ein Zug seine Geschwindigkeit um mehr als 20 Prozent reduzieren muss, beispielsweise weil eine enge Kurve kommt, sogenannte Geschwindigkeitsprüfungen vorgeschrieben. Das heißt: Ist der Zug an den Messpunkten vor der Kurve zu schnell, wird der Zug automatisch gebremst.

Auch Experten halten die Strecken für sicher

Auch der Bahnexperte Professor Edmund Mühlhans erklärte gegenüber der Augsburger Allgemeinen, eingleisige Strecken seien genauso sicher wie mehrgleisige. Da dort die Zugdichte meist geringer sei, wäre die technischen Ausstattungen dort früher nur dürftig gewesen. Zuletzt hatte es im Jahr 2013 eine Warnung des Eisenbahn-Bundesamtes wegen Sicherheitslücken auf eingleisigen Bahnstrecken gegeben. Diese seien aber inzwischen behoben. Auch die Sicherheitsstandarts bei privaten, regionalen Bahnunternehmen lasse nichts zu wünschen übrig. Es gebe bei diesen Betreibern nicht mehr Unfälle.

Nicht nur die Bahn, auch der Fahrgastverband Pro Bahn zeigt sich zuversichtlich. Der Verband erklärte, die Sicherheitsvorkehrungen auf eingleisigen Strecken seien vollkommen ausreichend. Eine Fahrt mit dem Auto sei weitaus gefährlicher.

hs

Quelle: mangfall24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser