Endspurt bei der Erörterung zur DK1-Deponie Odelsham 

Einwender: "Nähe zur historischen Altstadt äußerst bedenklich" 

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Die geplante Deponiefläche in Odelsham mit der Wasserburger Stadkulisse im Hintergrund. 
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Babensham/Wasserburg - Inwiefern beeinträchtigt eine Deponie die Lebensqualität und den Freizeitwert von Anwohnern? Am letzten Tag des Erörterungstermins hagelte es noch einmal viele Anträge und Bedenken - auch in Bezug auf die Nähe zur historischen Altstadt und dem damit verbundenen Denkmalschutz. 

Zu Beginn des Punktes "Beeinträchtigung Wohnqualität/Wertminderung und Freizeitwert" versicherte Florian Missmann im Namen der Antragstellerin, die Firma Zosseder werde den Betrieb der Deponie den bisher geltenden Öffnungszeiten von Montag bis Freitag von 6.30 bis 18 beziehungsweise saisonbedingt 7 bis 17 Uhr sowie samstags lediglich in Ausnahmefällen anpassen. 

Damit schaffte Missmann die Zweifel eines Anliegers aus der Welt, der im Falle einer Genehmigung einen Betrieb außerhalb der "normalen Geschäftszeiten" befürchtete und außerdem beantragte, dass die Laufzeit der geplanten Deponie zu keinem Zeitpunkt verlängert oder der Betrieb erweitert werden dürfe. 

Touristisch attraktiver Standort Odelsham?

Gleich darauf rückte die Staubentwicklung auf der Deponie in den Fokus. Einige Anwohner gaben zu bedenken, dass sich der durch Lastwagen aufgewirbelte Staub negativ auf Spaziergänger, Wanderer und Anlieger im Gemeindegebiet von Babensham auswirken könnten. 

Im Bereich der Innleiten führen laut Einwender Norbert Buortesch eingetragene Rad- und Wanderwege vorbei: "Ich sehe eine Minderung des Erholungs- und Freizeitwertes, wenn ich mir vorstelle, dass Radler künftig neben Lkws fahren." 

Hans Brunnlechner, Privateinwender sowie Mitglied der Bürgerinitiative Wasserburger Land und des Bund Naturschutzes, erklärte, die Weiler Blaufeld und Odelsham seien "definitiv beeinträchtigt was die Wohnqualität anbelangt. In Odelsham gibt es seit einiger Zeit ein Café, das ein beliebter Anlaufpunkt für einheimische und touristische Wanderer und Radfahrer ist. Die Betreiber rechnen mit ausbleibenden Gästen und daraus resultierenden Umsatzeinbußen, würde die Deponie realisiert werden." 

Josef Geislinger, anwaltlicher Beistand der Antragstellerin konnte, wie er betonte, die "herausragende touristische Bedeutung des Standorts in Odelsham nicht erkennnen und die Einwende dazu nicht nachvollziehen."

Der Bürgermeister der Gemeinde Babensham, Josef Huber, erklärte, er wolle sich keineswegs auf die Seite des Firma Zosseder schlagen, entschärfte die Bedenken jedoch in Hinblick auf die um 50 Prozent gestiegenen Grundstückspreise: "Für die Verhältnisse unserer kleinen Gemeinde haben wir eine beinahe zu hohe Kaufpreissteigerung. Gerade in den Ortsteilen Neudeck, Penzing, und Würmertsham bekommen wir immer wieder Anfragen zu Grundstückskäufen. Die Gemeinde weist jeden künftigen Bauherrn darauf hin, dass in der Nähe eine DK1-Deponie entstehen könnte. Abgeschreckt hat dieses Szenario noch niemanden." 

Übersichtsplan mit dem rot markierten Bereich der Deponiefläche. Die Nähe zur in der Innschleife gelegenen historischen Altstadt Wasserburg ist zu erkennen. 

Nähe zur Altstadt Wasserburg bedenklich? 

Darüber hinaus bemängelte Einwender Hans Brunnlechner den Standort: Es gebe seiner Ansicht nach keine DK1-Deponie, die so nah an einer historischen Altstadt wie Wasserburg entstehen solle, wie es die Firma Zosseder hier plane. Normalerweise würden Deponien einer solchen Klasse eher abseits liegen

Diese Aussage unterstrich auch Alexander Hartung von der Bürgerinitiative. Er war der Meinung, das Großprojekt Deponie würde das Stadtbild von Wasserburg erheblich beeinflussen. Man müsse die Weitenwirkung des 30 Meter hohen Deponiehügels im Blick haben - und diese sei sowohl von der Burg als auch von der "Schönen Aussicht" aus erkennbar. Hartung verstärkte diese Behauptung mit einer Stellungnahme des Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege. Darin käme das Amt durch Schätzungen und Berechnungen zu dem Schluss, der Deponiehügel sei von diesem Standort aus deutlich zu sehen.  

Florian Missmann von der Firma Zosseder hielt dagegen: "Ich kenne diese Stellungnahme und habe mir die Situation von der 'Schönen Aussicht' aus mehrfach angesehen. Ich komme zu dem Schluss und bleibe auch dabei, dass man den Hügel von diesem Platz aus nicht sehen kann, da der Wald das Gebiet um Odelsham verdeckt."  

Norbert Buortesch agierte in seiner Funktion als Einwender und Stadtratsmitglied: "Im Bauausschuss behandeln wir immer wieder Anträge über Anbauten auf Dächern der Altstadt. Dabei arbeiten wir sehr nahe an den Auflagen des Denkmalschutzes der Stadt. Daher kann ich ein solch monströses Bauwerk wie es die Deponie sein wird, nicht außer Betracht lassen, wenn wir sonst bereits über kleine Maßnahmen auf Hausdächern abstimmen. Diese Störung muss ich durchaus berücksichtigen, daher fordere ich abschließend eine denkmalschutzpflegerische Prüfung." 

Fazit zur Erörterung: 

Mit dem 12. April endete der mehrtägige Erörterungstermin zum Planfeststellungsverfahren DK1-Deponie Odelsham. Bereits bestehende und nachgereichte Unterlagen werden laut Anhörungsleiterin Verena Sperling von der Regierung von Oberbayern als zuständige Genehmigungsbehörde in dem Verfahren geprüft. Sperling könne nicht abschätzen, wie lange es dauere, bis alle Unterlagen vollständig eingereicht seien. Möglicherweise würden einzelne Gesichtspunkte wie die Standsicherheit, bei der noch viele offene Fragen waren, wiederholt öffentlich ausgelegt. Eine endgültige Entscheidung fällt die Regierung von Oberbayern. Wann dies der Fall sein wird, ist noch nicht abschätzbar. 

Die Inhalte der Erörterung im Überblick: 

Die Antragsunterlagen sind auf der Homepage der Regierung von Oberbayern öffentlich einsehbar. Einen Überblick über die Debatten rund um das Thema finden Sie auf unserer Themenseite zur DK1-Deponie Odelsham.

mb

Quelle: wasserburg24.de

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