Belange des Naturschutzes beim Erörterungstermin im Fokus

Natur versus Deponie in Odelsham: Der Stärkere gewinnt? 

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Verträgt sich die Planung der DK1-Deponie mit dem Lebensraum vieler heimischen Tiere wie dem Uhu oder der Zauneidechse in Odelsham? 
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Babensham/Wasserburg - Zauneidechse, Feldhase, Berglilie - Das Gebiet rund um die Innleiten ist geprägt von einer vielseitigen Flora und Fauna. Könnte eine DK1-Deponie inmitten der Idylle die Natur gefährden? 

Nähe zu Schutzgebieten

Die Natur bei den Innleiten falle unter das FFH-Gebiet (Flora, Fauna, Habitat) und sei laut Agnes Grasberger vom Bund Naturschutz als "sensibles Schutzgebiet einzustufen, das in der Nähe einer Deponie gefährdet wäre". Grasberger wollte nicht ausschließen, dass es noch eine Verträglichkeitsprüfung zu der Thematik geben könnte. 

Biologe Dr. Andras Zahn, der das Gebiet im Auftrag der Firma Zosseders untersucht hat, entgegnete: "Ein FFH-Gebiet genießt nur einen beschränkten Schutz, in welchem es um bestimmte schützenswerte Güter geht. Die Grundstückseigentümer in der Innleiten haben hier relativ viele Freiheiten." Der technische Planer der Deponie, Johann Roth, erhärtete diese Aussage mit Zahlen. "Die Nähe zum FFH-Gebiet beträgt zwischen 83 und 177 Metern Luftlinie. Ich denke, wir nehmen genug Abstand." 

Artenschutz

Liane Liebhaber-Keser wies im Namen der Bürgerinitiative Wasserburger Land auf den vielseitigen Lebensraum vieler Tiere und Pflanzen hin - sei es die Zauneidechse, der Feldhase, der Schwarzspecht, ein Uhu-Pärchen mit Nachwuchs oder die bedrohte Berglilie

Biologe Dr. Zahn argumentierte folgendermaßen: "Eidechsen beispielsweise kommen nicht im Wald vor, sie fühlen sich dort nicht wohl. Daher ist der betroffene Bereich im Gemeindegebiet Babensham kein geeigneter Lebensraum für das Tier." Landschaftsarchitektin Barbara Grunder-Köppel ergänzte, man habe bei einer Überprüfung "lediglich Einzelexemplare kartiert", die Population sei in Odelsham gering. "Ein Kiesgelände ist freilich gut für eine Eidechse, aber die Fläche der geplanten Deponie ist im Laufe der Jahre derart zugewuchert, dass sie als Lebensraum für das Tier nicht mehr gegeben ist. Für die einzelnen Zauneidechsen wurde ein externer Standort, das ehemalige Kiesabbau-Gelände in Zell, ausgewählt, um die Vorkommen der Tiere zu fördern und zu stärken." 

Auch der Flussregenpfeifer (einzelne umherstreifende Individuen nach der Brutzeit), Feldhasen (lebe nicht im Wald), oder der Uhu (würde das Deponiegelände als Jagdrevier nutzen) würden der geplanten Deponie laut Dr. Zahn nicht in die Quere kommen

Landschaftsbild

Die Deponie sei umzäunt von einer Geröllwand und einem rund zwei Meter hohen Zaun. Hans Brunnlechner, Einwender und Mitglied der BI, war der Meinung, dies verbessere das Landschaftsbild nicht

Norbert Buortesch, Privateinwender, erklärte, beim Vorbeifahren sowie von touristischen Aussichtspunkten wie der "Schönen Aussicht" oder der Burg aus, sei der Deponiehügel deutlich zu erkennen. "Wir haben ein extrem schützenswertes Altstadtbild, der Hügel beeinträchtigt unser Landschaftsbild enorm." 

Stadtbaumeisterin Mechtild Herrman fügte an, für die Stadt sei es wichtig, dass das Landschaftsbild verträglich sei. Sie sehe die Weitenwirkung des 30 Meter hohen Deponiehügels kritisch und stellte einen Antrag auf Reduzierung der Höhe im Falle einer Genehmigung. Dem schlossen sich die Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde des Rosenheimer Landratsamts an. 

Rekultivierung

Für die Rekultivierung wurde eigens ein Konzept erstellt. 50 Prozent der Fläche können dabei als Ausgleichsfläche anerkannt werden. Geplant sei laut Barbara Grundner-Köppel die Fichtenmonokultur in einen artenreichen Mischwald zur Verbesserung des natur- und artenrechtlichen Schutzes zu wandeln

Die Aufforstung des oberen Deponiebereichs mit Neigung der Böschung 1:3 soll aus Laubwald bestehen. Unterschieden werde in Kern- und Übergangszone. In der Kernzone seien Winterline, Esche, Bergahorn und Hainbuche geplant. Die Übergangszone sei nach Himmelsrichtungen aufgeteilt und bestehe aus einer Mischung von Sträuchern und Bäumen. Dafür angesetzt seien unter anderem Vogelbeere, Schwarzer Holunder, Haselnuss, Liguster, Felsenbirne oder Traubenkirsche. "Bei der ausgewählten Bepflanzung haben wir uns an der vorherrschenden natürlichen Vegetation in dem Gebiet orientiert", erklärte Grundner-Köppel.

Anwohner der geplanten Deponie bemängelten die Garantie, dass die Rekultivierung 30 Jahre nach dem Betrieb der Deponie auch umgesetzt werde. Verantwortlich dafür sei laut Grundner-Köppel der Besitzer. Ob das nach einem solchen langen Zeitraum immer noch die Firma Zosseder sein werde, könne man zum heutigen Zeitpunkt noch nicht sagen. 

So verlief der Erörterungstermin bisher:

Knapp die Hälfte der Punkte der themenbezogenen Tagesordnung wurden erörtert. Die Antragsunterlagen sind auf der Homepage der Regierung von Oberbayern öffentlich einsehbar. Einen Überblick über die Debatten rund um das Thema finden Sie auf unserer Themenseite zur DK1-Deponie Odelsham.

mb

Quelle: wasserburg24.de

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