Der ungeklärte "Fall Ludwig"

Herreninsel - 18.53 Uhr zeigt die goldene Taschenuhr. König Ludwig II. hatte sie einst getragen, als er am 13. Juni 1886 im Starnberger See den Tod fand. Pfingsmontag ist das genau 125 Jahre her.

Exakt um diese Zeit ist sie stehen geblieben, nachdem Wasser in ihr Gehäuse eingedrungen war. Als eines der Exponate hilft sie in der Landesausstellung auf Schloss Herrenchiemsee den "Tatort" darzustellen. 18.53 Uhr - Was geschah an diesem Tag in den Minuten davor, was danach? Wählte Ludwig den Freitod? War er Opfer eines Attentats? Auch heute noch bringen die Ereignisse die bayerische Volksseele zum "Kochen".

Übermorgen, Pfingstmontag, jährt sich der Todestag des Monarchen auf den Tag genau zum 125. Mal. Das tragische Ende des bekanntesten Herrschers aus dem Hause Wittelsbach nimmt breiten Raum in der Landesausstellung ein. Jeder Besucher kann sich seine eigene Meinung bilden. Die Ausstellungsmacher vom Haus der Bayerischen Geschichte (HdBG) präsentieren, so Direktor Dr. Richard Loibl, alle "wesentlichen Theorien".

Zur Diskussion stellen sie drei Deutungen der Ereignisse vom 13. Juni 1886. So kann man erstens annehmen, dass sich Ludwig II. das Leben nahm. Und Professor von Gudden, der ihn daran hindern wollte, fand im Kampf mit dem König den Tod. Für diese Theorie Freitod spricht unter anderem, dass der König schon vor seinem Ableben Selbstmordgedanken geäußert und an seinen letzten Tagen mehrmals nach Gift verlangt hatte.

Ebenso möglich ist jedoch zweitens auch, dass Ludwig II. fliehen wollte. In dieser Theorie erkannte ein Gendarm den König nicht und erschoss ihn versehentlich. Professor von Gudden wurde entweder von Ludwig II. getötet oder er nahm sich selbst das Leben. Als Fluchthelfer wird unter anderem auch Kaiserin Elisabeth genannt.

Als dritte Möglichkeit präsentieren die Ausstellungsmacher die Mord-Theorie: dass Ludwig II. Opfer eines gezielten Attentats wurde. Professor von Gudden wurde ebenfalls ermordet oder nahm sich selbst das Leben. Was dafür spricht: Durch den Tod Ludwigs II. wurden klare Verhältnisse geschaffen. Eine Rückkehr des entmachteten Königs war endgültig ausgeschlossen. Was dagegen zu halten ist: Die Obduktion der Leiche Ludwigs brachte laut amtlichem Ergebnis keine Hinweise auf Schuss-, Stich- oder Schlagverletzungen. Die "Guglmänner", Mitglieder eines bayerischen Geheimbundes, behaupten bis heute, dass der König mit einer schallgedämpften Waffe erschossen worden sei.

Der "Fall Ludwig" gibt nach wie vor Rätsel auf. Historiker, Kriminologen und Ärzte haben sich an der Aufklärung die Zähne ausgebissen. "Als Wissenschaftler müssen wir festhalten, dass es für keine der kursierenden Theorien zum Tode Ludwigs II. eindeutige Beweise gibt", sagte Dr. Loibl auf Anfrage unserer Zeitung. "Nach unserer Meinung sprechen die Indizien für einen Unfall im Zuge eines Fluchtversuches oder für Selbstmord." Und er fügt hinzu: "Nicht vergessen sollte man, dass am 13. Juni 1886 nicht nur der König, sondern auch sein Arzt Dr. von Gudden ums Leben kam."

Wie bewertet das Haus Wittelsbach heute die Ereignisse am 13. Juni 1886? Wurde Ludwig II., dieser berühmte Herrscher in der Familie, ermordet? "Ich kann es nicht beantworten, weil ich es nicht weiß", sagte Herzog Franz von Bayern, das Oberhaupt des Hauses Wittelsbach, vor kurzem in einem Interview im vbw Unternehmermagazin. "Aber ich habe überhaupt keinen Anhaltspunkt dafür, dass er ermordet wurde." Dass Forscher vermuteten, es gäbe noch Akten, die noch das eine oder andere Geheimnis in sich bergen, sei eine "ganz große Legende". Herzog Franz: "Die vorhandenen Akten sind bis zum letzten Papier der Wissenschaft zur Verfügung gestellt worden."

Das Ableben des Königs war vor 125 Jahren vor allem auch eines: ein Politikum höchsten Grades.

Wie stehen heutige Volksvertreter zu den damaligen Ereignissen? "Was genau an jenem 13. Juni 1886 am Starnberger See geschah, kann niemand mit Gewissheit sagen", teilte Kunstminister Dr. Wolfgang Heubisch mit. Sicher sei nur, "dass die ungeklärten Umstände von Ludwigs Tod die schillernde Persönlichkeit des Königs um eine weitere Facette bereichern". Heubisch: "Der Mythos 'Ludwig II.' setzt sich aus zahlreichen Vorstellungen zusammen: dem Visionär in der Kunst, dem begeisterten Technikfreund, dem resignierten Monarchen und vielen anderen. Allen, die mehr über Ludwig II. erfahren wollen, empfehle ich deshalb den Besuch der Landesausstellung auf Herrenchiemsee. Sie zeigt viele Sichtweisen auf diesen einzigartigen und über seinen Tod hinaus schwer fassbaren Menschen."

Finanzminister Georg Fahrenschon meinte: "Ludwig II. sagte über sich selbst, 'Ein ewiges Rätsel will ich bleiben mir und den anderen'. Das gilt sowohl für den Monarchen zu seinen Lebzeiten, dessen vielschichtige Gestalt letztlich unerklärbar bleiben wird, egal aus welchen Blickwinkel wir uns ihr nähern. Es trifft aber am Ende auch auf die Umstände seines Todes zu - 'Ein Rätsel wird er ewig bleiben'!"

Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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