Burnout bei Kindern?

Burnout? Wenn Stress ins Kinderzimmer zieht

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Viele Gründe für viel Stress: Burnout kann auch schon für Kinder und Jugendliche zum Problem werden
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Landkreis - Ballettunterricht, Musikinstrument, Sportverein. Lernstress. Wenn der Tag der Kinder reichlich gefüllt ist oder der Schultag Kräfte zehrt, kommt auch bei den Kleinen Burnout ins Spiel.  

Lisa ist zehn Jahre alt, ihre Freundinnen sind aktiv, haben viele Hobbys, lernen ein Instrument und sind in mindestens zwei Vereinen mit dabei. Für Lisa nicht machbar. Die Zehnjährige ist bereits durch den Schulalltag absolut ausgelastet, der Lernstress wegen dem Übertritt auf eine weiterführende Schule hat ihr alle Kräfte geraubt. Die Schwester der Schülerin hat mit den vielen Hobbys, die sie gemeinsam mit Schulkameradinnen macht, hingegen gar kein Problem. "Ich fühle mich gut mit meinem gefüllten Wochenplan, meine Schwester schwächelt allerdings", zeigt sich die 12-jährige Viola selbstbewusst und kraftvoll.

Kinder sind unterschiedlich belastbar

Natürlich gilt es am Nachmittag nicht nur zu lernen, auch mit Freundinnen zum Spielen treffen, gehört für Kinder einfach dazu. "Viele Kinder sind ehrgeizig, wollen mit anderen Kids, die mehr Energie haben, mithalten und sich nicht lumpen lassen", heißt es von Kinderpsychologe Klaus Weber. Der Experte warnt davor, den Kindern und Jugendlichen Termine in die Wochentage zu schreiben, die vielleicht gar nicht dem Kindeswunsch entsprächen oder die der Energiehaushalt des eigenen Kindes nicht hergebe. "Die Eltern sind oft so überehrgeizig, wollen viele Hobbys und Aktivitäten, die sie selbst in der Kindheit nicht schafften oder durften, auf die Kinder übertragen. Ein fataler Fehler", warnt Weber.

"Kinder und Jugendliche brauchen Zeit für sich, sogar Langeweile ist ein wichtiger Bestandteil für die kindliche Entwicklung", weiß der Kinderpsychologe. Es dürfe nicht passieren, dass sich Kinder nicht frei entfalten könnten, weil alles in einem Wochenplan vorgefertigt sei. Maximal drei Nachmittag in der Woche sollte Kindern und Jugendlichen ein Programm nach der Schule bevorstehen, um sie nicht zu überfordern. "Manche Kinder finden dies jedoch schon belastend und brauchen neben der Schule und den Pflichten der Hausaufgaben und des Lernens gar keine weitere Beschäftigung, die zusätzlich Zeit und Kraft kostet", so Weber im Gespräch mit wasserburg24.de.

Wenn Kinder sich kraftlos fühlen, gereizt sind oder psychosomatische Beschwerden haben, darunter fällt teilweise auch der Kopfschmerz am späten Nachmittag, sollte dies Beachtung finden, rät der Experte. "Kinder und Jugendliche sind in der heutigen Zeit gefährdet, Burn Out zu bekommen", so Weber. Oft stecke nicht nur der psychische Druck oder der Effekt des Gruppenzwangs in Bezug auf viele Hobbys dahinter, sondern auch tatsächliche körperliche Erschöpfungszustände. "Kinder müssen die Zeit bekommen, sich auszuruhen. Sie sollen manchmal einfach nur herumlümmeln. Der Körper, der Geist und die Seele brauchen auch im Kindesalter Zeit zum Baumeln und um zu rasten", betont Weber abschließend. Eine Vorstellung des Kindes bei Anzeichen von Burn Out beim Psychologen sei nicht unbedingt erforderlich, sind sich Experten einig. Oft würden gestrichene Termine, Zeit und Erlaubnis zur Langeweile, zum Nichtstun reichen. "Es sind aber oftmals vor allem die Eltern, die dies nur mühsam einsehen". 

Quelle: rosenheim24.de

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